Bleib bei mir!

Autor: Aurora
veröffentlicht am: 19.09.2009




Fiona lehnt sich am Fenster an und beobachtet wie der Regen auf die Straßen fällt. ^Bleib bei mir. Bitte!^
'Und wie langer dauert der Flug?'
Aus den Gedanken gerissen schaut sie ihn erst kurz an. 'Ca 10 Stunden glaub ich', sagt sie, bevor sie wieder in ihren Gedanken verfällt.
^Bitte, lass mich nicht gehen!^

…Die fahrt kommt mir kurz vor. Sehr kurz. Das erste Mal, als ich auf die Uhr über dem Autoradio schaue, parkt Sam auch schon auf diesen riesigen Parkplatz ein. Noch einmal sammle ich mich, hole tief Luft, bevor ich den Ort betrete, der mein Leben gleich und schnell in eine andere Richtung bringt.
Wir betreten die riesige Halle, als ich schon meine Eltern und meine Schwester sehe. Sie sehen nicht glücklich aus, nur Sam läuft ihnen mit einen Lachen entgegen und begrüßt sie. Ich schau ihn skeptisch an. Als ich die vier da so stehen sehe, kommt ein komisches Gefühl in mir hoch. Mein Magen fährt Achterbahn.
Wie in Trance starre ich auf die Anzeigetafel. Flug 1675 New York, gebe meine Koffer ab und stehe schon da. Bereit durch den Gang zu gehen? Plötzlich bricht Mum in Tränen aus, ich kann es mir nur schwer verkneifen. Fest drücken mich meine Eltern an ihre Brust.'Hast du auch alles eingepackt Fiona? Socken, Unterwäsche…?', und schon verfalle ich wieder in eine Art Trance, höre die Stimme meiner Mutter nur aus der ferne. Meine Augen schweifen zu Sam. Er steht einfach nur da, ohne Mimik und schaut mich an. Sein Blick ist leer. Ich kann nicht einmal erahnen, was er denkt oder fühlt.
^Bleib bei mir, bitte!^
'Ok Fiona', höre ich Mum sagen. 'Wir lassen euch beide dann noch mal alleine. Bitte meld dich sofort wenn du da bist. Wir haben dich lieb.'
'Schwesterchen pass gut auf dich auf. Schreib Mails bitte, ganz viele ok?!', meint Lena und drückt ein kleines Lachen hinaus. Dann drückt sie mich noch einmal ganz fest, ihre langen braunen Haare riechen nach Pfirsich, wie immer. Ich werde es vermissen.
Sie drehen sich um und gehen weg. Mum dreht sich aber noch dreimal um und winkt mir zu.Ich stell mich vor Sam. Ich zittere. 'Bist du nervös?', fragt er.
'Ja und wie.'
'Ich wird dich vermissen. Meldest du dich bitte, wenn du da bist?'
'Ja klar, ich wird dich auch vermissen Sam, ich liebe…'
'Ich glaub du musst jetzt gehen, oder? Nicht, dass du deinen Flug verpasst, ' unterbricht er mich. Ein tiefer Schmerz bohrt sich durch meinen ganzen Körper.
^Lass mich nicht gehen!^ Sam nimmt mein Gesicht in seine Hände. 'Pass auf dich auf ok', sagt er leise und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Ich nicke ihn nur zu und habe plötzlich das dringende Bedürfnis hier weg zu müssen. Ich schnappe mir meine Handtasche und gehe Richtung Flugzeug. Ich drehe mich noch mal um, doch Sam läuft schon zum Ausgang. Ich bleibe kurz stehen, nur um zu gucken, ob er sich noch einmal umdreht. Mir kullert eine Träne über die Wange.
Sitznummer 13. Na super. Ich verstaue mein Gepäck und setze mich hin. Als ich aus dem kleinen Fenster schaue kann ich nichts außer Regen erkennen. Wenn das nicht die besten Vorraussetzungen für einen angenehmen Flug sind. Regen und Sitznummer 13. Bin ich abergläubisch? Eigentlich nicht.
^'Entschuldigung, Sie dürfen hier nicht rein. Hallo, Junger Mann, bleiben Sie stehen oder ich muss sie rauswerfen lassen!', höre ich eine Stewardess sagen. Ich dreh mich genervt von diesem Geschrei um. 'Fiona? Fiona, wo bist du?' 'Sam? Was machst du hier?' 'Fiona', schnauft er. 'Junger Mann, wenn sie nicht sofort das Flugzeug verlassen,…' Sam ignoriert sie. 'Fiona, ich liebe dich. Bitte steig aus! Bitte! Bleib bei mir!', fleht er mich an…^Aufgeregt springe ich auf meinen Sitz und schaue zum Eingang. Schnell verschwindet das Lachen und der aufgeregte Blick wieder aus meinem Gesicht. Ich lasse mich wie auf meinem Sitz fallen. Reiß dich zusammen Fiona!
'Willkommen am Bord auf dem Flug Düsseldorf - New York. Bitte verstauen Sie ihr Gepäck über Ihnen in der Gepäckablage oder unter ihren Sitz. Stellen Sie ihren Sitz in eine aufrechte Position und schnallen Sie sich an. Wir werden jeden Augenblick starten. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Flug.'

Es ruckelt leicht, als das Flugzeug anfängt zu rollen. 'Ohhhh, was ist das denn, hilfe?', höre ich eine kleine Frau neben mir sagen. Wann hat die sich denn hier hingesetzt? Und was zur Hölle soll die Panik? Wir rollen, sind noch nicht mal einen Zentimeter vom Boden abgehoben. Was hat die denn gedacht, wie so ein Flug funktioniert? Ich bin genervt, lasse in Gedanken meine Wut an der Frau neben mir aus. Vielleicht fliegt sie ja auch das erste Mal. Na das können ja noch spannende zehn Stunden werden. Seufzend schaue ich aus dem kleinen Fenster. 'Oh Gott', flüstert die Frau panisch. Genervt verdrehe ich die Augen.'Fliegen Sie das erste Mal heute?', frage ich und versuche so nett wie möglich zu wirken. Gelingt mir ganz gut für die Umstände wie ich finde. 'Ja. Ich hab etwas angst.'
'Ach, brauchen Sie nicht, dass ist ganz normal, ruckelt halt ein bisschen. Aber kein Grund Panik zu kriegen, wenn etwas Außergewöhnliches passiert sag ich Ihnen bescheid.' Au man Fiona, was sollte das denn. In Gedanken verpass ich mir eine Ohrfeige.
Der Fernseher am Sitz vor mir geht an. Ach du schei… was soll das denn? Herr der Ringe? Na toll…wie ich diesen Film hasse. Klar, die denken hier, hm die Idioten fliegen zehn Stunden zeigen wir ihnen doch alle Teile, die gehen ja auch nur gefühlte fünfzig Stunden. Man könnte ja auch drei verschiedene Filme zeigen, da wäre vielleicht etwas für jeden Geschmack dabei. Aber nein, klarer Minuspunkt für die Fluggesellschaft. Ich könnte schreien. Warum eigentlich? Ach jaaa, da fällt es mir gerade ein. Vielleicht bin ich so mies gelaunt, weil mein Freund, mich anscheint nicht annähernd so liebt wie ich. ´Ich glaub du musst gehen? ´ Pff, warum hat er mich nicht gleich im Fahren aus dem Wagen geschmissen? Koffer direkt hinterher, landen ja weich auf mir. Ha, und dann der Kuss auf die Stirn. Bin ich seine Tochter oder was? Ich raste gleich aus. Ich muss hier weg.
Fiona versucht sich abzuschnallen, doch der Gurt klemmt. Mit einem kleinen Kampfgeschrei kriegt sie ihn doch noch, zwar mit Gewalt, aber auf. Mit dem Finger auf der Lehne genervt tippend, signalisiert sie der Frau neben ihr, dass sie aufstehen möchte. Stampfend läuft sie Richtung Toilette. Besetzt. 1,2, leichte Klopfer, drei heftige hinterher und eine kleine Anmerkung, dass auch noch andere mal müssen und schon kann sie sie benutzen.Noch ein letztes Mal knallt Fiona genervt die Tür hinter sich zu, bevor sie sich an dieser weinend zu Boden sinken lässt. Minuten vergehen, bis sie sich einigermaßen eingekriegt hat. Bei dem Blick in den Spiegel vergeht Fiona alles. Die Augen rot angeschwollen, der Mascara verwischt. Ein paar von ihren schönen braunen Locken fallen ihr ins Gesicht.
Fiona reiß dich zusammen. Schau mal, wie du aussiehst. Kopf hoch.
Um einiges relaxter geht sie zurück zu ihren Sitz. Die Frau springt sofort auf und macht ihr Platz.
Vielleicht war er ja auch so kalt und eher zurückhaltend, weil er auch nervös war.
Vielleicht schmerzte Sam der Abschied ja auch so sehr wie mich, wollte es aber nicht zeigen.Vielleicht wollte er seine Gefühle nicht zeigen, mit der Angst, ich würde mich dann anders entscheiden und da bleiben, was ich bestimmt bereut hätte. Ja, Sam liebt mich doch, rede ich mir ein, bevor ich in einen tiefen Schlaf falle.

Als ich aufwache, schaue ich direkt auf den Fernseher. Zur meiner Überraschung stelle ich fest, oh Herr der Ringe. Hätte ich jetzt eine Uhr, könnte ich mal schauen, wie spät wir haben. Handy hab ich vor dem Start ausgemacht. Oder hätte ich mal geschafft mir alle Teile von Herr der Ringe anzuschauen, wüsste ich jetzt welcher Teil das ist und könnte mir das so ungefähr ausrechnen. Die Frau neben mir nett fragen? Besser nicht. Egal, ich lass es.
Ich fühl mich viel entspannter. Mensch Fiona jetzt freu dich doch mal. Du wirst in ein paar Stunden, Minuten, wie auch immer in einer der tollsten Städte auf der Welt landen und dort wohnen. Ein grinsen huscht über mein Gesicht, ein kleines.
'Meine Damen und Herren, wir werden in wenigen Minuten landen. Bitte setzen Sie sich hin und schnallen Sie sich an. Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug. Willkommen in New York.'
Willkommen in New York, das klingt wundervoll. Ein glückliches Gefühl steigt in mir auf.Die Landung ist sanft. Die Frau neben mir sitzt jedoch mit zusammengekniffenen Augen da, die Hände fest auf die Armlehnen gedrückt. Ich muss lachen. Die Frau hält tatsächlich ihre Füße in die Luft, als würden die brechen, wenn das Flugzeug aufsetzt. Alle applaudieren. Vor allem die kleine Frau, wild tobend sitzt sie da. 'Super', schreit sie und lässt noch einen Pfiff los. Ich kann mich vor lachen nicht halten.
Als ich meine Koffer gefunden habe, laufe ich nach draußen. Mein Chef meinte, er würde mit seiner Frau dort warten und mich in mein neues Appartement fahren. Ich bin so gespannt, da das Appartement von seiner Frau ausgesucht wurde.
Kaum draußen angekommen, sehe ich schon einen großen grauhaarigen Mann mit einer kleinen aufgestylten blonden Frau. 'Fiona, schön Sie zu sehen. Hatten Sie einen guten Flug?', fragt mich Frau Schmitt. 'Ja danke, ich freu mich auch Sie zusehen.'
'Und Sie sind sicherlich erschöpft von dem anstrengenden Flug?', fragt Herr Schmitt.'Ach es geht, habe recht viel geschlafen.' Wir gehen zu ihrem Auto. Einen schwarzen Mercedes. 'Wir werden noch ungefähr einen Stunde fahren müssen. Die Straßen sind immer recht voll.' Neugierig starre ich lange Zeit aus dem Fenster, bis mir einfällt, Sam, Mama und Papa! Schnell krame ich mein Handy aus der Tasche und schalte es an. Es dauert etwas, bis ich Netz habe und die SMS ankommen. Fünf Stück kommen an.
'Hallo Fiona, bist du schon da? Wie geht es dir? Mama & Papa.'
'Hi Schwesterchen, na shoppst du schon durch die Straßen New Yorks? Meld dich. Lena.''Hi Fiona, bist du schon angekommen? Wie ist deine Wohnung? Wie ist das Wetter? Susi.'Susi ist meine beste Freundin.
'Fiona, bist du immer noch nicht da? Wir machen uns sorgen? Papa raucht schon wieder. Mama.'
'Tarifinfo: Willkommen in New York…'
Enttäuscht lass ich das Handy fallen. Tränen sammeln sich in meinen Augen.
Nein! Sag ich mir, lass dir nicht wieder die Stimmung vermiesen. Schnell hebe ich das Handy wieder auf.
'Hi Mum, hi Dad. Bin gut angekommen, fahren gerade zum Appartement. Meld mich später noch mal. Fiona.'
'Bin da!' Schreibe ich Sam, zögere aber beim absenden. Soll ich ihn schreiben? So wie es aussieht, scheint es ihn ja nicht zu interessieren. Ich beschließe es zu lassen…
Hallo New York! Hier bin ich! Flüstere ich mit einem strahlenden Lachen und beobachtete die hell erleuchtete Stadt.
....







Teil 1 Teil 2


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