Live Your Life In Love

Autor: Aa++!!Tammy
veröffentlicht am: 28.08.2009




Shawn ging die Straßen entlang. Weiter und weiter, ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben. Einfach mal wieder in Ruhe nachgedacht, das hatte er schon lange nicht mehr.Er träumte nämlich immer nur.
Und zwar von ihr.
Langsam hob er den Kopf und sah hinauf zu einem beleuchteten Fenster und erblickte sie dahinter, wie sie an ihrem Schreibtisch saß und las.
Seine Füße hatten ihn von ganz alleine dort hin getragen ohne, dass er es bemerkt hatte.Wie oft hatte er daran gedacht, sie endlich anzusprechen.
Wie oft hatte er sich in der Bibliothek neben sie gesetzt und nichts getan. Noch nicht mal „Hallo“ gesagt.
Wie oft hatte er sich dann immer gesagt, dass es nichts bringen würde.
Er redete sich immer wieder ein, dass es keinen Sinn hatte.
Sie würde ihn sofort hassen.
Und wenn nicht, dann spätestens, wenn er ihr sagte, wer er war.



„Wie mich dieser ganze Kapitalismus aufregt!“, knurrte Daily leise vor sich hin.Geld war doch noch lange nicht das einzige auf der Welt.
Sie sah ja ein, dass es mit Geld einfacher ist, aber es war doch noch lange nicht alles, verdammt nochmal.
Diese ganzen reichen Schnösel mit ihrem dicken Mercedes in der Auffahrt, der Villa im riesigen Garten und den immer feinen Anzügen gingen ihr so was von am Arsch vorbei.Sie legte das Buch zu Seite, in dem sie gelesen hatte und sah aus dem Fenster, vor dem sie saß.
Draußen war es herbstlich. Überall lag das verdorrte Laub und strahlte in den verschiedensten Rot und Gold Tönen.
Langsam ließ sie den Blick über die atemberaubende Kulisse streifen, die sich ihr darbot und streifte einen Jungen in einem schwarzen Mantel, der anscheinend hoch zum Himmel sah.Daily sah auch nach oben, doch da war nichts, und als sie den Blick wieder auf ihn richtete erkannte sie, dass er zu ihrem Fenster sah.
Er sah ganz gut aus. Braune Haare, die ihm in die Stirn fielen und so weit sie erkennen konnte auch eine sportliche Figur und nette Gesichtszüge.
Wie alt er war, konnte sie nicht einschätzen, aber höchstens 3 Jahre älter als sie.
Plötzlich hob er die Hand und winkte ihr zu.
Sie erschrak im ersten Moment, denn sie hatte nicht bemerkt, wie sie an das Fenster getreten war und ihn angestarrt hatte.
Rot bis unter die Haarwurzeln winkte sie leicht zurück und wandte dann den Blick auf den Schreibtisch.
Ihre Kamera!
Das war doch mal eine gute Idee.
Sie konnte unter dem Vorwand ein paar Bilder machen zu wollen nach draußen gehen und ihm dort unauffällig über den Weg laufen.
Überzeugt von ihrem Plan krallte sie sich die Kamera und ihren Mantel und ging ins Treppenhaus.



In Shawn‘s Kopf drehte sich alles.
Er hatte sich tatsächlich getraut, ihr zu winken und sie hatte zurück gewunken.
Es war wie ein Reflex und er hatte die Hand gehoben.
Aber was, wenn sie jetzt runterkam?
Was wenn sie wissen wollte wie er hieß oder sogar mit ihm ausgehen wollte.
In seinem Inneren hatte er sich schon lange fast komplett damit abgefunden, dass dieses Mädchen und er keine Zukunft hatten. Doch irgendetwas an ihr faszinierte ihn so sehr, dass er sogar an sie dachte, wenn er krampfhaft versuchte es nicht zu tun.
Wenn er an die roten Rosen dachte, dann dachte er an ihre roten Lippen.
Wenn er seine braunen Schuhe anzog, dann dachte er an das Hellbraun ihrer Haare, das in der Sonne auch etwas Gold schimmerte.
Und wenn er seinen schwarzen Anzug anzog, wie oft, wenn er auf einen Empfang musste, so dachte er an das dunkle ihrer Augen, das sich doch auch blitzartig zu einem sanften
Karamellton verwandeln konnte.
Shawn war wie an dieses geheimnisvolle Mädchen gebunden.
an ein Mädchen, das er dachte vermutlich nie erreichen zu können.
Das dachte er jedenfalls, bis sie aus dem Haus kam, die Kamera in der Hand und eine gelb-schwarz karierte Jacke an, und zu ihm über die Straße kam.



Daily dachte bei sich, als sie über die Straße eilte, dass er von nahem noch viel besser aussah und als sie dann vor ihm stand, kam er ihr so bekannt vor, dass sie ganz vergas ihn zu begrüßen.
Sie starrte ihn an, mit der festen Überzeugung, dass sie ihn kannte.
Nur wusste sie nicht woher.
Und dann sah er auch noch so gut aus.
Die arme sah fast schon verboten aus, als sie da stand und ihn anstarrte.
Auf einmal zuckte sie zusammen. Es war ein Wind aufgekommen und hatte ihr eine Haarsträhne ins Blickfeld geweht.
Dieses kleine Ereignis hatte ein Glück gereicht, um sie aus ihren Gedanken zu holen und endlich einen normalen Satz hervorzubringen.
„Hi, ich bin Daily!“
„Hey, ich bin Shawn! Wie geht’s dir?“
Daily lief ein heißkalter Schauer über den Rücken. Er hatte eine derart raue und männliche Stimme, dass sie sich bei seinem Äußeren nicht gewundert hätte, wen er schon 24 wäre.Auch wenn sie es auf keinen Fall hoffte, denn dann wäre er definitiv mindestens 4 Jahre zu alt und für sie wahrscheinlich unerreichbarer, als er ihr eh schon schien.
Jetzt denk doch nicht so negativ!, ermahnte sie sich insgeheim.
„Mir geht’s gut, und dir?“, brachte sie nach kurzem Schweigen heraus.„Ja, ist nur ein bisschen kalt in den letzten Tagen. Man merkt richtig, dass Winter wird.“
Er redete ganz normal, so als würde er nur mit seinen Kumpels plaudern und Daily wusste dies einfach nicht einzuschätzen.
Sie fragte sich, ob er nur lässig klingen wollte, oder ob er sich insgeheim langweilte.Doch würde er sie so anlächeln, wie er es gerade tat, wenn er sich langweilte?



Wenn sie doch nur gewusst hätte, dass er sich keineswegs langweilte, sondern ganz fasziniert davon war, wie sie in die Bäume hinter ihm starrte, als sie nachdachte. Es hatte ihn schon immer in seinen Bann gezogen, wenn der Sommer in den Herbst überglitt und den Winter ankündigte.
Wenn die Blätter der Ahornbäume im Stadtpark von einem satten Grün in ein dunkles Rot übergingen. Und wenn man schon bald den Schnee riechen konnte, der in absehbarer Zeit fallen würde.
Jemanden zu sehen, der einfach einmal nur die Natur anstarrte und genoss, faszinierte ihn irgendwie.
Er hatte sogar die Befürchtung, dass seine Stimme brüchig klingen würde, also überspielte er dies mit gespielter Lässigkeit.
Sie hatte so etwas echtes in den Augen.
Sie hatte etwas an sich, was ihm sagte, dass sie frei und unabhängig war und sich vor nichts und niemandem Rechtfertigen würde, dafür, wer sie war.



Der Wind wehte nun immer heftiger und wieder tanzten ihre Haare vor ihren Augen herum, woraufhin einige davon an ihren Lippen kleben blieben.
Zwar wurde sie auch dieses Mal wieder aus ihren Gedanken gerissen, doch bemerkte die Haare nicht. Deshalb war sie auch im ersten Moment leicht erschrocken, als Shawn die Hand hob und ihr die Haarsträhne aus dem Gesicht strich.
Bei dieser in ihren Augen liebevolle Geste berührte seine Hand für einen kurzen Moment ihre Wange und sie durchzuckte ein freudiges kribbeln.
Doch eben dieses Kribbeln wurde im nächsten Moment durch eine laute Auto Hupe weggeblasen. Denn kaum hatte er die Hand mit einem Lächeln auf den Lippen wieder gesenkt, kam eine große Limousine angebraust und hätte sie beinahe überfahren, da sie immer noch mit einem Fuß auf der Straße stand.
Daily war sauer, sie war richtig sauer auf dieses Arschloch in der fetten Limo.Nur wegen ihm, war die kurz zwischen ihnen aufgekommene Romantik flöten gegangen.



Die Limousine kam mit einer Vollbremsung bei den beiden zum stehen und das hintere Fenster fuhr nach unten.
Und der, der herausschaute war kein anderer als Alec Oldstin.
Shawn ahnte schon, dass das nicht gut enden würde. Alec bedeutete einfach ärger, und das wusste jeder.
Den Ruf eines Schürzenjägers hatte er sowieso schon inne, doch in letzter Zeit feierte er immer wildere Partys, mit immer mehr Alk.
Das Seltsame an der ganzen Sache war lediglich, dass es alle tolerierten.
Vielleicht waren sie es inzwischen einfach gewöhnt oder hatten eingesehen, dass es nichts half.
Es war schon fast überflüssig darüber mit ihm zu reden, denn das einzige was dann von ihm kam war der Satz: „ICH bin Alec Oldstin!“
Alec wusste sowieso, dass alle genau dieses Verhalten von ihm erwarteten und die Hoffnung aufgegeben hatten, und er war auch noch stolz darauf, dass er ihnen den Gefallen tat und sich wie ein Arsch aufführte.
Und abgesehen von der Tatsache, dass er ein arroganter Egomane war, hatte er manchmal auch noch einen so Haarscharfen Verstand, dass man sich fragte, warum ausgerechnet er diese Gabe hatte, wo er sie doch so selten, und wenn, dann meistens negativ, benutzte.
Solange er nicht angezeigt wurde oder negativ in die Presse kam, kam er in seiner und der Welt von Shawn immer davon.
So war es nun.
So war er nun.
So waren sie nun, die beiden on and off Freunde.



Alec überblickte die Situation einen Moment und schon kam ihm ein fast bösartiger Kommentar über die Lippen: „Na endlich hast du auch mal wieder eine Schnecke am Start. Sag mal Baby, hatten wir nicht auch mal was am laufen?“Shawn wäre ihm am liebsten ins Gesicht gesprungen. Das war ja so klar gewesen. Er hatte schon praktisch gerochen, dass es Ärger geben würde, und nun könnte er seine Chancen bei Daily wohl vollkommen streichen.


Hoffe es hat euch gefallen








Kommentare

:) :) :)

11.03.2011 19:41:23

Ausgezeichnet! Bitte schreib weiter, du hast einen tollen Schreibstil!!


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