Wenn das Herz sein Schweigen bricht

Autor: Allegra
veröffentlicht am: 23.08.2009




Kapitel 3 (17 Jahre alt)

Die Tür wurde aufgerissen und ein schlaksiger Junge ganz außer Atem erschien in der Türschwelle. Seine Brille saß schief auf seiner Nase und seine Nasenflügel bebten. Rasch sah er sich im Raum um und erblickte den Rücken der Person, nach der er auf der Suche war.-Romy. - rief er nach ihr, doch sie hob nur ihre Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er hielt an und wartete gespannt. Ihre Finger flogen über die Tastatur. Theatralisch hob sie ihre Hand und drückte dann auf die Enter-Taste. Mit einem hochzufriedenen Lächeln im Gesicht drehte sie sich zum Störenfried um.
-Ja, bitte. - sagte sie und schenkte ihm seine ganze Aufmerksamkeit.
-Es gibt Ärger. - sagte er nun. - Untern im Flur. - fügte er hastig hinzu, immer noch nach Luft schnappend. Er schob seine Brille zu Recht und schaute Romy fragend an.-Nicht schon wieder. Können sie nicht friedlich sein, bald sind doch Ferien. - meinte sie erschöpft dazu und erhob sich. Mit schnellen Schritten trat sie aus dem Computerraum und der schlaksige Junge, der den Namen David trug hängte sich an ihre Fersen. Sie lief die Treppe runter und da konnte sie schon den Ärger sehen. Umkreist von neugierigen Schülern standen die Mitglieder der Footballmannschaft in der Mitte und lachten über etwas ganz ausgelassen.
-Darf ich bitte durch? - sagte Romy, als sie die gaffenden Schüler bei Seite schob, um den Ärger zu beseitigen. Sie bekam böse Blicke in den Rücken geschossen, doch das störte sie wenig. - Was ist hier los? - hallte ihre Stimme von den Wänden und es wurde ruhige um sie. Doch diese Frage erübrigte sich gleich. Auf dem Boden saß ein Junge von ungefähr 14 Jahren. Er war recht klein für sein Alter, aber das könnte auch den seiner zusammengerollten Haltung liegen. Die drei Jungen aus dem Footballteam, die recht groß und muskulös waren, hatten seine Schultasche entleert und füllten sie gerade mit einer grünen Masse. Josh, der gerade die grüne Masse in die Tasche des Jungen schüttete, hielt inne, als er Romys Stimme hörte. Auch die anderen lachten nicht mehr.
-Nichts ist hier los. - hörte sie plötzlich eine Stimme im Rücken. Sie wirbelte herum und sah J vor sich stehen. Er hatte die Arme auf der Brust zusammengelegt und schaute sie mit einem frechen einseitigem Grinsten an. - Wir wollten unserem Kumpel Luke, - sagte er und nickte in Richtung des Jungen auf den Boden. - auf diese Weise erholsame Ferien wünschen. - meinte und seine blauen Augen blitzten herausfordernd an. Romy kochte vor Wut.-So ist es also. - sagte sie nur dazu und schaute ihn hassentbrannt an.
-Ja. - bestätigte er nur.
-Mike, - forderte sie den großen bulligen Jungen auf. - Gib ihm die Tasche zurück. - er gehorchte aufs Wort und ließ die Tasche, halbgefüllt mit Grünzeug auf den Boden neben den Jungen fallen. Mit einem schmatzenden Geräusch landete sie auf den Fliesen und das grüne dickflüssige Zeug floss daraus. - Die ganze Schweinerei räumt ihr augenblicklich auf. - befahl sie und zog den weinenden Jungen auf die Beine.
-Was sonst? - fragte J und trat ihr einen Schritt näher.
-Sonst sehe ich mich gezwungen Mister Harper Bericht zu erstatten und seine Strafe wird nicht so mild ausfallen wie meine. - entgegnete sie und hielt seinem Blick stand. Doch das beeindruckte J nicht, er lächelte weiterhin so selbstgefällig, dass Romy bereits war ihm seine Augen auszukratzen.
-Das sollte uns erschrecken? - fragte er und lachte auf. - Mister Harper wird seine Footballmannschaft, die kurz vor dem Finale der High School Meisterschaften stehen nicht verärgern wollen. - fügte er hinzu. Die Wut stieg ihr zu Kopf und sie lief rot an.
-Weißt du wie egal mir das ist. - sagte sie mit zusammengebissenen Zähnen. - Wenn nicht Mister Harper, dann wird Mrs Donovan eben informiert. - sagte sie und sein Gesichtsausdruck veränderte sich. - Jetzt macht alles sauber und entschuldigt euch bei Luke. - forderte sie die Jungs von der Footballmannschaft auf.
-Sorry, es war nicht so gemeint. - entschuldigte sich Josh als erster. Er klopfte Luke freundschaftlich auf die Schulter.
-Ja, tut uns leid. - kam Mike nach. Auffordernd schaute Romy J an, doch er schwieg. Er drehte sich um und verließ den Flur in Richtung Ausgang. Mike und Josh schauten sich fragend an.
-Ihr geht zum Hausmeister und fragt nach Eimer und Lappen. - befahl sie ihnen. - Und nachdem ihr die Sauerei hier weggeräumt habt, säubert ihr Lukes Tasche. - sagte sie. - Verstanden? - fragte sie noch mal nach und Mike und Josh nickten nur. Romy schaute J hinterher, der gerade die Eingangstür aufstieß und das Gebäude verließ. Es hätte keinen Sinn ihm nachzulaufen und ihm aufzufordern, Mike und Josh zu helfen, J war nicht nur der bester Spieler der Mannschaft, er war auch ein guter Schüler und seine Eltern waren sehr einflussreich. Kein Lehrer dieser Schule wollte es sich mit der J`s Familie verscherzen. Was Romy sehr wütend machte.
Als Romy wieder in den Computerraum zurückkehrte saß ihre Freundin Stella bereits dort.-Ärger mit den Footballspielern? - erriet sie und Romy nickte nur. Sie ließ sich auf einen Drehstuhl fallen.
-Sie sind einfach unerträglich. - meinte sie.
-Tja. - gab nur Stella von sich und schüttelt ihr dunkelblondes Haar. - Du weißt ja, Mister Harper lässt ihnen alles durchgehen, nur weil sie in diesem Jahr das Finale erreicht haben. - sagte Stelle.
-Mein Gott. - regte Romy sich auf. - Es ist nur eine High School Meisterschaft. Sie gewinnen keinen Super Cap. - meinte sie.
-Super Bowl. - berichtigte Stella sie.
-Ist doch egal. - entgegnete Romy. - Ist dein Artikel über das Recycling der Schule fertig? - fragte sie.
-Weißt du was. - meinte Stella dazu und Romy stöhnte auf. - Warte, du hast meinen Vorschlag noch gar nicht gehört. - sagte Stelle dazu. - Also für dieses Thema interessiert sich kein Mensch. - gab sie Romy zu verstehen und bevor sie irgendwas entgegnen konnte, fuhr sie fort. - Ich habe die Liste '20 Beliebteste Schüler und Schülerinnen' erstellt. - sagte sie.-Stella, wir sind eine seriöse Schülerzeitung. - meinte Romy dazu.
-Die kein Mensch liest. - fügte Stella hinzu.
-Ich lese sie und du auch. - entgegnete Romy.
-Beziehe es nicht auf mich. - sagte Stella rasch dazu.
-Aber du arbeitest für die Schülerzeitung und liest sie nicht? - fragte Romy empört.
-Sie ist so langweilig. - ließ Stelle sie wissen.
-Ist sie nicht. - meinte Romy. - Wie schreiben über bewegende Themen wie Naturschutz, Recycling… - zählte Romy auf.
-Schnarch. - gab Stella vor sich. - Also zurück zu meiner Liste. - meinte sie und zog einen Zettel hervor. - Ich bin schon seit einer Woche damit beschäftigt und habe fasst alle Schüler dieser Schule gefragt, wer für sie in dieser Liste stehen sollte. - sagte sie und atmete theatralisch erschöpft auf.
-Stella … - sagte Romy, doch wurde von ihrer Freundin unterbrochen.
-Ich bin noch nicht fertig. - meinte sie. - Meine Liste hat auch einen diplomatischen Wert. - sagte sie hinzu und Romys Augenbrauen schossen fragend hoch. - Ja, ja. - bestätigte Stella mit einem Nicken. -Jeder Schüler möchte natürlich auf diese Liste. Aus diesem Grund werden jetzt die Schüler versuchen nett zu einander zu sein, um auf diese Liste zu kommen. - erklärte sie ihren Plan.
-Also du hast dir vorgenommen mit Hilfe deiner Liste Frieden in der Schule herzustellen: - meinte Romy vorsichtig dazu.
-Nenn mich Mutter Teresa. - entgegnete Stella mit einem breiten Grinsen.
-Ich finde diese Liste trotzdem recht kindisch. - zweifelte Romy.
-Möchtest du wissen auf welchem Platz du stehst? - fragte sie.
-Was? Ich stehe auch auf der Liste? - Romy wurde hellhörig.
-Ja. - bestätigte Stella. - Aber ich glaube unsere Mitschüler haben dich draufsetzten lassen, weil sie so viel Angst vor dir haben. - scherzte sie und lachte, als sie Romys verdutztes Gesicht sah.
-Keiner hat Angst vor mir. - stritt sie ab.
-Aber natürlich. - entgegnete Stelle nur sarkastisch dazu.
-Lass mich die Liste sehen. - verlangte Romy, doch Stelle hielt diese hoch und Romy griff ins Leere.
-Ich dachte meine Liste wäre so unseriös. - sagte sie dazu. - Und sie würde dich nicht interessieren. - fügte sie hinzu und grinste Romy nur frech an.
-Ich muss doch sehen, was in meiner Schülerzeitung abgebildet wird. - bestand Romy.-Oh ja du heilige Miss Herausgeberin. - spottete Stella und übergab Romy mit einem Knicks die Liste.
-Hör auf damit. - sagte diese. - War ja klar. J an erster Stelle. - meinte sie nur bitter dazu.-Ist ja auch kein Wunder. 70 % der Schülerschaft sind Mädchen. - Stella zuckte nur mit den Schultern.
-Ich kannte ihn noch, wo er Jason hieß, nicht so beliebt war und von größeren Jungs geschlagen wurde. - bemerkte Romy dazu.
-Jetzt heißt er J, ist beliebt und schikaniert jetzt andere schwächere Schüler. - meinte Stella dazu. - Wie die High School die Leute verändert. - sagte sie mit einem gekünstelten Bedauern. - Ich habe auch für ihn gestimmt. Er ist einfach so geil. - gab Stella zu und kicherte. - Und sein Name: J, so sexy. - schwärmte sie.
-Das ist kein Name, das ist bloß ein Buchstabe. - holte Romy sie auf den Boden der Tatsachen zurück. - Es ist nicht sexy, es ist dämlich. - meinte sie dazu.
-Du hast mal wieder keine Ahnung. - stichelte Stella. - Coole Leute brauchen keine Nachnamen oder Vornamen. Zum Beispiel Madonna, Bono, und Prince war einmal nur ein Zeichen. - machte sie Romy klar, doch diese schüttelte bloß bestürzt mit dem Kopf und widmete sich wieder der Liste zu.
-Und Zoey auf dem zweiten Platz. - sagte Romy und verdrehte die Augen. Zoey war die Cheerleader-Kapitänin und sehr beliebt, trotz ihres ätzenden Charakters. Und vor nicht so lange Zeit waren sie noch beste Freundinnen gewesen, dachte Romy traurig. Ihre Augen huschten schnell nach untern. - Sechster Platz. - wunderte sie sich und lächelte.
-Oh, auf einmal wird es interessant für dich. - witzelte Stella.
-Ah Quatsch. So eine dämliche Liste sagt doch nicht aus. - meinte Romy und gab das Blatt an Stella zurück.
-Aber sie hat dir immerhin den Tag versüßt. - meinte sie lächelnd.
-Ich hatte schon zuvor gute Laune. - sagte sie dazu.
-Du weißt doch gar nicht wie man 'Gute Laune' schreibt. - scherzte Stella. - Du weißt nicht wie man sich amüsiert. - meinte Stella zu ihr. - Und mit seinem Opa Monopoly zu spielen ist kein Amüsieren. - fügte sie schnell hinzu.
-Mein Opa kann sehr amüsant sein. - entgegnete Romy.
-Wann warst du das letzte Mal aus. - fragte Stella und verschränkte ihre Arme auf der Brust.-Erst neulich. - meinte Romy dazu.
-Als die Dinosaurier noch die Erbe besiedelten. - gab Stella zur Antwort. - Warst du schon mal mit einem Jungen aus? - fragte sie.
-Ich habe wichtigere Sachen zu tun. - sagte Romy, als ihr keine Antwort auf Stellas Frage einfiel.
-Alles nur Ausreden. - sagte Stella mit einer wegwerfenden Bewegung. - Morgen ist Samstag und dann machen wir Party. - versprach sie ihrer Freundin.
-Schade, - bemerkte Romy. - Da habe ich keine Zeit. - sagte sie.
-Keine Ausreden. - bemerkte Stella und zeigte drohend mit einem Finger auf sie. - Morgen gegen 19:00 Uhr hole ich dich ab. - meinte sie nur. Romy seufzte bloß. Es war schwer Stella etwas auszureden, was sie sich bereits in den Kopf gesetzt hatte.

*Hallo Leute, da bin ich wieder. Viel Spaß beim Lesen. LG Allegra*







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Kommentare

Laura

30.05.2012 18:16:22

Wie traurig. Beste Freunde Und dann ist alles zerstört. Ich könnte weinen..


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