Mein bester Freund

Autor: Aa++!!Tammy
veröffentlicht am: 30.08.2009






Ich war rot bis unter die Haarwurzeln, als ich den Test bezahlte und mit einer leider fast durchsichtigen Tüte aus der Apotheke trat.
Während ich mit der einen Hand versuchte die Tüte zu verdecken, schleifte ich Phillip quasi hinter mir her und krallte mich dabei schon wieder so an ihm fest, dass ihm schon einige Schweißperlen auf der Stirn standen.
Als mir bewusst wurde, dass es ihm auch nicht viel besser gehen konnte als mir, versuchte ich endlich zu entspannen und meinen Griff zu lockern, was mir schließlich auch gelang. Allerdings hatte es mich ziemlich viel Selbstbeherrschung gekostet.
Auf einmal blieb er stehen und zog mich sanft zurück, weswegen ich aber trotzdem gegen seine Brust prallte. Verdutzt sah ich ihn an. Warum war er stehen geblieben?
Da wurde mir bewusst, wo wir waren. Wir standen nämlich vor unserem Haus. Ich war tatsächlich so in Gedanken versunken gewesen, dass ich glatt weitergelaufen wäre.Allerdings wusste ich nicht, ob ich das nicht einfach tun sollte. Einfach weg.
Ich war derart nervös, dass ich es nicht mal schaffte den Schlüssel ins Schloss zu stecken, weil meine Finger einfach zu sehr zitterten.
Ich fragte mich immer wieder, was passieren würde, wenn der Test positiv ausfallen würde.Selbstverständlich fand ich keine Antwort und um ehrlich zu sein, wollte ein Teil von mir es auch gar nicht wissen.
Ich war mit meinen Gedanken so am Ende, dass ich erst wieder zu mir kam, als Phillip mich schon ins Haus verfrachtet hatte und mir leicht über den Arm streichelte.
Jetzt oder nie!
In diesem Moment wäre ich eher für das „nie“ gewesen, aber auf kurze oder lange Sicht musste ich es tun. Und zwar sofort! Also nahm ich den Test aus der Tüte und ging damit ins Bad.



Ich sah auf die Uhr.
Noch 57 Sekunden.
Phillip hatte die Zeit gestoppt und nun warteten wir. Das waren ohne Zweifel die längsten 3 Minuten meines Lebens. Mir wurde langsam aber sicher immer schwärzer vor Augen und ich musste mich an Phillip anlehnen, um nicht umzukippen.
Ca. 1000 Gedanken schossen mir durch den Kopf und ich konnte sie nicht einmal ansatzweise verarbeiten, geschweige denn Ordnen.
Ich war einfach viel zu aufgewühlt.

Noch 50 Sekunden:
Würde Phillip wirklich zu mir halten, auch wenn der Test positiv ausfiel?

Noch 45 Sekunden:
Was dachte ich da nur wieder? Phillip war einer der großherzigsten Menschen, die ich je kennengelernt hatte. Und außerdem war er mein Freund, mein bester Freund!

Noch 40 Sekunden:
Und außerdem, wie konnte ich mich nur fragen, was Phillip tun würde? Ich wusste ja selbst noch nicht einmal, was ich tun würde. Wenn der Test negativ wäre, dann würde mein Leben langsam aber sicher wieder normal werden. Wenn er aber positiv ausfallen würde, dann … Tja, was dann war, wusste ich selbst nicht so genau.

Noch 35 Sekunden:
Was ich meinen Eltern sagen sollte, oder besser gesagt musste, wenn ich wirklich schwanger sein sollte, wusste ich ebenfalls noch nicht.

Noch 30 Sekunden:
Woran dachte ich nur schon wieder? Es waren schließlich meine Eltern. Sie würden zu mir halten, egal was passierte. Genau so, wie Phillip.

Noch 25 Sekunden:
Es war mir noch total schleierhaft, was ich tun sollte, falls ich schwanger war. Dann konnte ich die Schule nicht fertig machen, nicht studieren und niemals meinen Traumberuf erlernen. Wenn ich das allerdings doch tun wollte, dann musste ich … abtreiben!!!

Noch 20 Sekunden:
Nein, das konnte ich nicht. Ich könnte keinen Menschen töten. Natürlich war es am Anfang noch ein kleiner Zellklumpen, doch ab der 4.ten Woche würden 2 Herzen in mir schlagen. 2 Herzen, zweier Menschen. Die Herzen zweier Menschen, die beide das Recht auf ein Leben hatten.

Noch 15 Sekunden:
Es hatte den Anschein, dass ich eine Wahl hatte, aber tief in mir wusste ich, dass das nicht so war. Ich hätte nie ein Menschenleben auslöschen können. Niemals!

Noch 10 Sekunden:
Wieder einmal bohrte ich meine Fingernägel in Phillips Arm. Ich konnte einfach nicht anders, da ich das Gefühl hatte, den Boden unter den Füßen zu verlieren und in ein tiefes, bodenloses Loch zu fallen, falls ich mich nicht an ihm festhielt.

Noch 8 Sekunden:
In mir keimte immer wieder der Gedanke auf, den Test einfach von Badezimmerschrank zu nehmen und aus dem Fenster zu werfen.

Noch 6 Sekunden:
Nein! Verdammt nochmal, es musste sein. Ich musste endlich die Wahrheit kennen.

Noch 5 Sekunden:
Phillip atmete zischend ein, als ich meine Fingernägel noch tiefer in seinen Arm krallte.

Noch 4 Sekunden:
Schlagartig löste ich meinen Griff um seinen Arm und warf mich ihm schluchzend um den Hals.

Noch 3 Sekunden:
Gleich war es so weit. Gleich würde ich das in Augenschein nehmen, was über meine Zukunft bestimmen würde.

Noch 2 Sekunden:
Meine Tränen verebbten und ich befreite mich schweren Herzens aus Phillips Armen.

Noch 1 Sekunde:
Es war so weit. In diesem Moment gab es nun endgültig kein Zurück mehr. Ich nahm den Test vom Badezimmerschrank und sah darauf herunter.
OH MEIN GOTT!!!!









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