Die Wendung

Autor: Aerzte-Monster
veröffentlicht am: 17.04.2009




Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns ausgiebig und schon stieg sie in den Bus, der sie in ihre 30 km entfernte Heimat brachte. Mit gesenktem Kopf lief ich den Berg wieder hoch und ging wieder in den Treff. Alex war online. Ich chattete noch ein bisschen mit ihm.
-Du kommst mir bekannt vor, Eva.-
-Wirklich?-
-Ja. Mit welchem Bus fährst du denn frühs?-
-Mit dem 56er um 6:54 Uhr.-
-Achso! Mit dem fahr ich auch! Und wo steigst du immer ein?-
-Unterer Grund und du?-
-Zwei Haltestellen nach dir, am Dorfhaus.-
-Ich halt morgen mal Ausschau nach dir, ja?-
-Okay, ich auch nach dir.-
Dann loggte ich mich aus und ging schlafen.

Als ich in den Bus stieg waren noch viele Plätze frei, aber ich stellte mich in die Mitte des Busses, um Alex zu sehen, wenn er einsteigt. Am Dorfhaus stieg tatsächlich ein Großer mit braunen Locken ein. Ich winkte ihm zu und er stellte sich zu mir. 'Hey, wie geht's?', fragte er mich und lächelte mich an. 'Müde und dir?', antwortete ich.

In der Schule redete ich wieder mit Frederic und er redete auch mit mir. Wir waren einfach nur Freunde. Es machte wirklich Spaß mit ihm rumzualbern. Es ging eine ganze Weile so. Ich verliebte mich immer mehr in ihn. Ich redete mir ein, ich sei in Alex verliebt. Aber eigentlich wusste ich ganz genau, dass ich Frederic liebte. Und obwohl er eine Freundin hatte, hatte ich das Gefühl, dass er auch nicht ganz uninteressiert an mir war.

Irgendwann aber reichte mir diese Freundschaft nicht mehr. Ich beschloss ihm zu sagen, was ich für ihn empfand. Also setzte ich mich mal wieder frühs auf den freien Platz neben ihn und passte ganz besonders auf, dass Elena uns nicht beobachtete.
'Hi', grüßte er mich und lächelte wieder sein wunderschönes Lächeln, das mich schon solange ich ihn kannte fassungslos glücklich machte.
'Hey', sagte ich nur und blickte auf den Boden. 'Ich glaub, ich muss dir etwas sagen.'
'Ach? Was denn?', neugierig blickte er mich an.
'Naja also…' Ich blickte weiter auf den Boden, wurde rot und sagte gar nichts mehr.'Hm?', hackte er nach.
'Ich also… Ich glaube…', wieder fehlte mir der Atem um irgendetwas zu sagen.
Verwirrt blickte er mich an. 'Naja, sag mal hast du Englisch verstanden?', lenkte er ein anderes Thema ein.
'Ich liebe dich', entflutschte es mir. Ich wurde noch röter und ging schnell auf meinen Platz zurück. Ich spürte seinen Blick in meinem Rücken. Mitten in der Stunde reichte Katharina mir einen Zettel. 'Von Frederic', flüsterte sie mir zu. Ich faltete ihn auf und las: 'Das macht doch nichts! Das ändert nichts daran, dass ich dich toll finde und wir Freunde sind.' Ich war erleichtert. Wenn ich ihn schon nicht als festen Freund haben konnte, dann wenigstens als Kumpel. Doch es kam anders als ich dachte. Er redete kaum noch mit mir. Wenn ich mich frühs zu ihm setzte, um mit ihm zu reden, sagte er immer, er müsse noch Hausaufgaben machen. Ich sah natürlich, dass er immer sobald ich weg war anfing mit Elena zu reden. Und bei den Gesprächen ging es eindeutig nicht um Hausaufgaben.
Und so entfernten wir uns immer mehr. Irgendwann machte ich mir nicht mal mehr die Mühe ihn anzusprechen.
Dafür freundete ich mich mit Alex an. Wir redeten jeden Tag im Bus miteinander. Und er half mir meinen Kummer zu vergessen. Ich war immer noch in Frederic verliebt, redete mir aber wieder ein Alex zu lieben. Bis zu diesem Tag:
Alex stieg in den Bus und winkte mir freudig zu. Ich winkte ihm zurück und nahm meine Tasche vom Sitz neben mir, damit Alex sich hinsetzen konnte. Er setzte sich und fragte mich wie immer, wie es mir ginge. 'Ich kann mich nicht beklagen. Und dir?', antwortete ich ihm. Er schluckte. 'Mir geht es gut.', sagte er. Es sah aus, als würde er sich sehr unwohl fühlen. 'Was ist denn los?', fragte ich ihn verwirrt. Er schaute verlegen auf den Boden. Das passte gar nicht zu ihm. 'Ich würde gerne etwas ausprobieren.', sagte er mehr zum Boden als zu mir. Und schon hatte er seinen Kopf zu mir gedreht und kam mit seinen Lippen immer näher an meine. ‚Oh nein!', dachte ich mir. Ich wich ihm schnell aus und schaute peinlich berührt aus dem Fenster. 'Oh', meinte er nur. Den Rest der Fahrt blickte er verlegen auf den Boden und ich aus dem Fenster.







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