...das vergisst ein herz nie

Autor: Andrea
veröffentlicht am: 04.04.2009




Ende August
Enrico und ein paar Freunde von der Fw veranstalten ein Fest. Mehrere Geburtstage werden zusammen gefeiert. Dem ganzen Zauber geben sie den klangvollen Namen 'unser Dorf in Flammen'. Sie haben auf diese Art schon einige Jahre gefeiert und es muss wohl immer ganz toll sein, denn er freut sich darauf wie ein kleiner Schneekönig.
Ich hab bissel Bammel, es sollen sehr viele Leute kommen. Na, da werden wiedermal einige was zu tuscheln haben, was wir für ein ungewöhnliches Paar sind. Egal, sollen sie reden.Wir lieben uns.
Irgendwie hat er es geschafft mich mit seiner kleinen Geschichte zu überzeugen. Ich meine die Geschichte nach unserem erstes Streit, die Geschichte über das eingestürzte Haus und das man es wieder aufbauen kann, wenn der Bauherr diesmal besser aufpasst. Wenigstens die Chance für das Fundament will er haben. Um zu beweisen, dass er es kann.
Diese Worte von ihm und das tränenüberströmte Gesicht, überhaut die ganze traurige Situation auf dem kleinen Waldweg, sind in meinem Herz. 'ich täusche mich nicht, bin ganz sicher und ich will nur dich' sagte er mir immer wieder.
Ich versuche ihm zu glauben, ich will ihm glauben, weil ich ihn liebe.
Ich bin jetzt ganz sicher, da unten auf diesem Fest kann uns niemand was anhaben.Also denn, ab ins Bad, schön machen. Für ihn und die 'Neugierigen' da unten.
Heute Nacht schläft auch ein Freund von ihm bei uns. Ich beziehe noch sein Bett und dann werde ich auch nach unten gehen.
Noch ein Blick aus dem Küchenfenster, es sind schon einige Leute da. Urplötzlich wird mir übel, ich bekomme einen Kloß in den Hals, muss mich setzen und weiß genau: ich will nicht da runter.
Ich habe schon manchmal in meinem Leben so eine Art Vorahnung gehabt, dass irgendwas passieren wird. Jetzt habe ich wieder dieses Gefühl.
Ich geh da nicht runter. Ich will nicht. Setze mich aufs Bett und versuche mich zu beruhigen. Als ich merke, dass es immer schlimmer wird, rufe ich meine Freundin an. Nach zwanzig Minuten hat sie es geschafft mich zu beruhigen. Einfach mit den Worten: du musst da nicht hingehen. Tue nur das, was du wirklich willst. Keiner kann dich zwingen. Da hat sie ja recht.Ich gehe nun doch hinunter auf diese Feier. Es ist schon dunkel, ein Lagerfeuer brennt, es gibt zu essen und viel zu trinken.
Ich setze mich mit ins Zelt zu Enrico`s Eltern und Verwandschaft. Enrico setzt sich mal kurz zu mir, ansonsten ist er dauernd unterwegs bei irgendwelchen Leuten.
Nach etwa einer Stunde ist mir das alles zu langweilig und ich beschließe ein bisschen nach oben zu gehen.
Ich laufe gerade über den Hof, als ein Auto hält und eine Frau mit langem, roten Rock aussteigt. Ich denke, dass die unmöglich aussieht, wer läuft den so rum? Völlig out der Rock. Im selben Moment wird mir klar, dass es Enrico`s Ex ist. Was will die denn hier? Wer hat die denn eingeladen? Bisher hab ich sie nur auf Bildern gesehen und zu meiner 'Beruhigung' stelle ich fest, dass sie in Natura genauso bescheiden aussieht wie auf den Fotos.Ich gehe nach oben und setze mich aufs Bett. Was nun?
Im selben Moment geht die Tür auf. Enrico kommt zu mir und sagt ' ich will es dir lieber gleich sagen, die …. ist gekommen, irgendjemand hat die eingeladen. Ich wusste das wirklich nicht.' Er wirkt aufgeregt und seine Stimme klingt unsicher. Ich sage nur 'ja, ich hab sie kommen sehen. Ich werde lieber hier oben bleiben. Hab keine Lust, mich jetzt von allen und vor allem von der beobachten zu lassen.'
Er umarmt mich ganz lieb, wir legen uns aufs Bett, kuscheln bisschen, er sagt mir lauter liebe Sachen, z.b. das nur wir zusammen gehören und er mich liebt. Er will auch oben bleiben, wenn ich nicht mehr runter gehe. Ich überzeuge ihn davon, dass es seine Feier ist, er wieder dazu gehen soll und dass ich ihm vertraue. Kannst du auch wirklich meine Schatz, flüstert er mir noch ins Ohr, schickt mir von der Tür aus noch ein Küsschen durch die Luft und ist dann weg.

Ich laufe zum Küchenfenster und schaue auf das Treiben da unten. Für mich steht fest, ich bleibe oben. Da fühle ich mich doch besser aufgehoben.
Aber nix da….es klopft ganz stürmisch an der Tür, ich öffne und draußen stehen Susi und Lena. Die beiden kenne ich schon ganz gut. Susi grinst mich an und sagt: los, Jacke anziehen, du kommst mit runter. Und Lena hat auch noch was zu sagen: wegen der blöden Kuh bleibst du nicht oben. Jetzt erst recht nicht. Ich frage mal ganz vorsichtig: ihr mögt die wohl nicht so besonders? Und bekomme zur Antwort: wir konnten die noch nie leiden. Mit ihrem affigen gehabe und ihrer blöden Mimik….unmöglich! Sie lästern noch ausgiebig über die Amsel und schon sind wir die Treppe runter.
Wir mischen uns unter die Leute und ich versuche die Tussi einfach zu ignorieren. Susi und Lena erzählen mir noch so ein paar Dinge über sie, alles nicht gerade wohlwollend. Zu uns stellt sich Tobias und als er mitbekommt vom wem geredet wird, gibt er auch noch ein paar Kommentare ab. Der mag die offensichtlich genauso wenig.
Ich sage so dahin:' wenn sie einmal hier ist, kann sie gleich ihren Krempel von oben noch mitnehmen'. Und eh man sich versieht stehen wir drei Ladys oben in der Wohnung und packen der ihren ganzen Kram in einen großen Karton.
Wir schleppen das Ding runter und platzieren ihn ganz dekorativ auf ihrem Auto. Grinsen uns an und gehen darauf erst mal einen trinken.
Ich bleibe noch etwa zwei Stunden unten. Dann wird es mir auch langsam zuviel, von der dauernd beobachtet zu werden. So ganz nebenbei kippt die sich die Birne zu und benimmt sich wie die letzte Straßendirne. Ganz nach dem Motto: ich bin ja sooo toll!!!
Auf unseren Schlafgast scheint das sogar zu wirken, er klebt an ihr und ist scheinbar hin und weg. Irgendwie ist diese Show peinlich.
Es ist jetzt halb zwei. Ich will eigentlich nur in mein Bett. Susi ist schon heim, Lena macht sich gerade auf den Weg.
Enrico geht mit mir nach oben, bringt mich sozusagen ins Bettchen. Es ist alles total schön, er knutscht mich noch mal und verspricht mir sogar, die links liegen zu lassen. Kein Wort will er mit ihr reden. Ich glaube ihm, kuschele mich in mein Bett und versuche zu schlafen.Etwa eine Stunde später werde ich durch die laute Musik wach und setze mich im Bett hin. Schlafen kann ich nicht mehr. Ich gehe ans Küchenfenster um zu sehen wie viele Leute noch da sind. Es sind nicht mehr allzu viele.
Ich zieh mir meine Jeans und alles andere an, schnappe meine Zigaretten und gehe noch mal runter.
Als ich aus der Tür raus trete und ein paar Meter über den Hof gelaufen bin, sehe als erstes unseren Schlafgast und die Tussi (…die Ex von Enrico)) auf dem kleinen Weg stehen. Sie knutschen als gelte es einen Preis zu gewinnen. Ich habe absolut keine Lust an denen vorbei zu gehen und lege mal den Rückwärtsgang ein. Im Haus stecke ich mir eine Zigarette an. Dauert bekanntlich sieben Minuten und ich hoffe danach sind die beiden verschwunden.Ich schaue zwischendurch mal kurz raus. Sieht so aus, als wollen die beiden das volle Programm gleich durchziehen.
Ich rauche ganz in Ruhe zu Ende und gehe wieder nach draußen. Da die immernoch mit sich beschäftigt sind, beschließe ich nun doch vorbei zugehen. Ich will ja endlich mal zu meinem Schatz.

Langsam gehe ich in Richtung des kleinen Schotterwegs. Auf selber Höhe wie die zwei stehen, sehe ich plötzlich Enrico von rechts kommen. Ich denke im ersten Moment, dass er zu mir will. Aber er sieht mich gar nicht. Er geht direkt auf die beiden zu. Nimmt seinen Freund kurz am Arm, spricht etwas zu ihm. Ich weiß nicht, was er ihm gesagt hat, aber seine Gestik deutet darauf hin, dass er in wegschickt.
Ich bleibe mitten auf dem Hof stehen. Was wird jetzt passieren?
Der Freund sagt noch ein paar Worte, dreht sich dann um und geht.

Jetzt stehen sich Enrico und seine Ex gegenüber. Mir stockt fast der Atem und ich gehe trotz der bizarren Situation den beiden entgegen.
Alles geht sekundenschnell.
Im selben Moment, als ich noch glaube, dass er ihr vielleicht sagt, dass sie sich auf seiner Feier nicht so abscheulich benehmen soll....... , im selben Moment, als ich noch seine flüsternde Stimme an meinem Ohr fühle......, im selben Moment, als ich noch an ihn glaube......, im selben Moment legt er ganz langsam seine Arme um sie und zieht sie an sich.

Ich stehe auf dem Hof.
Es ist so dunkel.
Sterne am Himmel. Ihre.
Mein Himmel ist schwarz.
Mein herz hört auf zu schlagen.
Ich kann nicht atmen.
Irgendjemand zieht mir den Boden unter den Füßen weg.
Mir tut alles so erbärmlich weh.
Alles ist dunkel in meiner Seele.
Mein Herz ist fassungslos.
Mein Verstand lässt Bilder und Worte durch meinem Kopf rasen.
Ich schaue nur da hin und habe dieses Gefühl in mir, dass man niemals beschreiben kann.Jedes Wort ist dafür zu wenig. Jedes zuviel.

Ich sehe wie sie versucht sich aus seinem Arm zu lösen. Bei dem Versuch sie festzuhalten, dreht er ganz zufällig den Kopf in meine Richtung.
Ich drehe mich um und laufe zurück zum Haus.

Nichts ist mehr so wie vorher.
Doch eigentlich ist alles wie vorher.









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