Neues Glück

Autor: Bina
veröffentlicht am: 13.03.2009




Hallo ihr Lieben,
ich hab bei meiner ersten Geschichte ab und an eine kreative Schaffenspause und Ideen für eine Neue dazu. Deshalb hier mal der Anfang, ich hoffe siegefällt euch auch.

Ein schrilles unerträgliches Geräusch ließ Lilly hochfahren. 'Wer um alles in der Welt macht hier so einen Krach' murmelte sie verschlafen vor sich hin. Sie rieb sich die Augen und sah ihren alten Wecker, den sie von ihrer Oma geerbt hatte, munter auf dem Nachttisch umherspringen. Sofort stellte sie den unfreundlichen Weckruf aus und saß schlaftrunken auf ihrem Bett. Es war noch nicht mal 5.00 Uhr früh. 'Montag' sprach Lilly zu sich. 'Und ich muss erst Mittwoch wieder ins Büro.' Sofort war sie wieder unter ihrer Bettdecke verschwunden und schlief ein. Zwei Stunden später wurde sie jedoch wieder wach, diesmal nicht wegen dem Wecker, sondern aus reiner Gewohnheit. Trotzig vergrub sie ihr Gesicht im Kissen und kniff die Augen zusammen. ‚Ich bleibe jetzt bis mindestens halb zehn liegen. Ich hab heute frei und da kann ich so lang im Bett bleiben bis ich richtig ausgeschlafen bin.' Schon nach nicht mal fünf Minuten bekam sie unter ihrem Kissen keine Luft mehr. Nach einem Blick auf dem Wecker stellte sie fest, dass kaum Zeit vergangen war. Sie machte sich auf den Weg ins Bad, schaltete das Radio ein und stieg in die Dusche. 'Verdammter Beuler, ich hasse kaltes Wasser.' fluchte sie vor sich hin. Es ließ sich nur unschwer erkennen, dass Lilly nicht zu denjenigen gehörte, die aufstanden und stets gut gelaunt den Tag begannen. Nach wenigen Minuten war sie putzmunter aber nicht besser gelaunt in ein Handtuch gewickelt und schlitterte mit ihren nackten Füßen in die Küche um sich Kaffee zu machen. Im Radio spielten sie 'Volare' von den Gipsy Kings. Schon nach wenigen Minuten verfiel sie in ihr altes Muster. Sie hüpfte singend durch die Wohnung, suchte sich ihre Sachen zusammen und verschwand wieder im Bad. Sogleich wurde sie von ihrem Spiegelbild begrüßt. Lilly wagte einen Blick. Sie war nicht schlank, sondern zählte eher zu den kräftiger gebauten Frauen. Jedoch war sie stolz auf ihre weiblichen Formen, immer noch besser wie ein Hungerhaken durch die Welt zu wandeln. Sicherlich könnte es nicht schaden, ein paar Kilo weniger auf den Rippen zu haben, aber das war wie immer leichter gesagt als getan. An manchen Tagen hasste sie ihren Körper, aber immer öfter fand sie es okay wie sie war. So oder so, wer sie nicht mochte wie sie war, hatte sie eh nicht verdient. Ihr Blick verfing sich wieder an ihrem Gesicht. Immerhin fand sie das nahezu schön. Schön war vielleicht das falsche Wort, es war jedoch sehenswert. Ihre strahlenden blauen Augen wirkten auf viele hypnotisierend, einmal gesehen, musste man immer wieder hinsehen. Ihr rundes Gesicht war umrahmt von langen braunen verwuschelten haaren, die ihr ins Gesicht vielen, wie es ihnen beliebte. Sie hatte eine hohe Stirn, volle Lippen und eine Stupsnase, die sich kräuselte wenn sie sich über etwas ärgerte. Lilly riss sich los und zog sich an. Da sie nichts
außergewöhnliches vorhatte, entschied sie sich für ihre Lieblingsjeans, ein violettfarbenes Shirt und ihre graue Strickjacke. Nachdem sie ihren Kaffee getrunken hatte und nun halbwegs den Morgenmuffel vergraben hatte, überlegte sie, was sie an ihrem freien Tag anstellen könnte. Sie dachte an den Kindergarten. 'Au ja' jubelte sie 'ich hab Moni und die anderen schon so lang nicht mehr besucht'.
Es regnete in Strömen. Grimmig betrachtete Lilly den grauen, mit Regenwolken verhangenen Himmel. Mit Kopfhörern im Ohr machte sie sich auf den Weg. Musik vertrieb immer deprimierende Gedanken. Nur wenige Minuten waren es bis zum Kindergarten, in den sie früher schon selbst gegangen war. Moni, ihre damalige Erzieherin arbeitete nach wie vor dort und sie liebte es, ihre Zeit dort zu verbringen. Für eine Weile fühlte sie sich dann rundum wohl.
Der Regenschirm wurde sofort geschlossen. Lilly ging die zwei Treppen hoch und konnte schon von dort die Kinderstimmen hören. Sie öffnete die Tür, ging um die Ecke zur nächsten Tür und stand Moni gegenüber. Lilly fühlte sich hier immer willkommen und gemocht. Moni strahlte ihr entgegen und umarmte sie zur Begrüßung. Sie setzten sich an einen der kleinen Kindertische, bei denen die Knie ungefähr auf Höhe der Ohren ihren Platz einnahmen. Sie malten mit den Kindern Herbstblätter aus und unterhielten sich. Zwischendurch wurden sie mit Kinderfragen durchlöchert. Immer wieder kamen Kollegen und Eltern die ihre Kinder abgaben. So kam auch René. Er war jedoch kein eiliger Familienvater, sondern Erzieher. Braune etwas längere Haare. 'durch die würde ich nur zu gern mal mit den Fingern hindurchstreicheln...'. Kaum hatte sie den Gedanken beendet wurde ihr durch seinen belustigten Blick klar, dass sie soeben laut gedacht hatte. Sie konnte förmlich fühlen wie ihr die Röte in die Wangen stieg. ‚Wo ist das nächste große Loch, das gehört mir'. Seine dunkeln Augen musterten sie durch die Brille hindurch und Lilly hatte den leisen Verdacht, er könne in ihrem Gesicht lesen. Er trug schwarze Sachen, war weder dick, noch dünn, noch wahnsinnig durchtrainiert oder wirkte unsportlich. Er war ein Durchschnittstyp, zum Mindest vom Aussehen her. Lilly fand ihn toll. Bisher hatte er nicht auf ihre peinliche Begrüßung reagiert, sondern unterhielt sich mit seinen Kollegen. Lilly tat so als ob sie weiter mit den bunten Blättern beschäftigt war und hörte aufmerksam zu. So fand sie schon eine Menge über ihn heraus. ‚Er spielt in einer Band. Er liebt Musik, arbeitet als Erzieher, findet also Kinder toll....' Sie war so in ihren Gedanken versunken, die sich um ihn drehten. '...du schon Moni? René hatte sich zu ihr gesetzt und sah sie fragend an. Sicher konnte er in ihrem Gesicht lesen, dass sie keinen blassen Schimmer hatte, was er wissen wollte. 'Wie lange kennst du schon Moni? Du warst doch schon bei ihr in der Gruppe...' ‚Woher weiß er das?' schoss es ihr durch den Kopf noch bevor sie antwortete. 'Woher weißt du das?' 'Moni hat schon viel von dir erzählt. Also zum Mindest weiß ich, dass du bei ihr warst, das hat sie nach deinem letztem Besuch vor einem Monat erzählt.' Lilly fiel es wie Schuppen von den Augen. Er hatte recht, bei ihrem letzten Besuch war gerade Mittagsruhe und sie hatte im Vorraum auf sie gewartet. René hatte ihr gesagt, dass Moni in einer Besprechung wäre. Schon damals fand sie ihn sympathisch. 'Erde an Lilly, worüber denkst du nach?' 'Ich ähm, ich kenn Moni eben schon seit dieser Zeit.' ‚Was für eine grandiose Antwort' meldete sich wieder ihre innere Stimme. Er wollte sicherlich wissen wie alt du bist' '23' brach es aus ihr heraus. 'Ist das deine Lieblingszahl oder ein geheimer Hinweis?' lächelte er sie an. 'Nein, ich bin 23, das wolltest du doch wissen, oder nicht.' 'Oh gut, ich dachte schon, deine Gedanken hätte meine Frage wieder beiseite geschoben'. Weiter kamen sie nicht, denn René wurde von den Kindern umlagert. Er war bei ihnen beliebt, das war selbst für jemanden, der nichts mit Kindern anfangen konnte, nur unschwer zu erkennen. 'Was machst du beruflich?' unterbrach er ihr Grübeln. 'Ich bin bei einem kleinen Reiseveranstalter im Büro und als Reiseleiter angestellt.' Berichtete Lilly stolz. 'Aha, und was habt ihr für Kunden, also welchen Alters?' 'Na Senioren, die fahren lieber mit dem Bus, als mit den eigenen PKW, wenn sie eins haben.' 'Dann bist du also ein großer Fan von Florian Silbereisen und André Rieu'. 'Was? Äh, eigentlich nicht, nein.' 'Wie kommt der denn auf den Trichter, seh ich etwa so aus? Das muss ich zu Hause gleich mal untersuchen!' Schon wieder diese Grinsen. 'Ach das war ein Scherz, haha ich lach mich scheckig.' 'Da muss ich nicht mitfahren. Die Leute steigen in den Bus, bekommen ihre Karten, werden vors Theater gefahren, dort wieder abgeholt und schick ist. Wozu soll da eine Reiseleitung mit...'
'Wie lang bist du noch hier?' 'Der wechselt das Thema wie...also er wechselt auf jeden Fall schnell das Thema' 'Wo hier, hier im Kindergarten? 'Man Lilly reiß dich zusammen, deine beste Freundin kennt dich vielleicht so und weiß, dass du so verwuselt, also tollpatschig, vor allem vor jemanden den du toll findest, bist, aber doch nicht er. Sonst denkt er direkt, er hat es hier mit einer besonders Unterbelichteten zu tun und redet bald mit dir, wie mit den Kindern.' 'Weiß noch nicht, hab heut noch Urlaub. Wieso willst du mich loswerden?' fragte sie schnippisch. 'Das muss ich mir noch überlegen' kam prompt die Antwort. ‚Man, das war aber reichlich frech, das gefällt mir.' René stand auf um die Kinder zum Aufräumen zu bringen. Es war Zeit für den Morgenkreis. Lilly blieb im Raum und räumte die Bastelsachen weg. Als sie gerade die Tische abwischte, hörte sie, wie René sich mit Moni unterhielt. 'Wie lang bleibt Lilly noch hier? Ich hab sie gefragt und sie hat gefragt, ob ich sie loswerden will...' Moni fing an zu lachen. ‚Na also, Moni weiß wie ich das gemeint habe'. 'Ich hab das gehört' stellte Lilly klar. 'Nimms nicht gleich persönlich' 'Mach ich doch gar nicht' zickte sie zurück. Er grinste nicht. ‚Hmm, vielleicht kam das nicht so bei ihm an, wie ich es gemeint hatte' Aber der Morgenkreis stand nun an und sie war beeindruckt, als René die Gitarre vom Schrank nahm, zu singen begann und jedes Kind persönlich begrüßte. Die Kindern klatschten begeistert mit und die strahlenden Gesichter sprachen Bände. Alle Mädchen waren in René verliebt und alle Jungen wollten so sein wie er. 'Besser hätte ich meinen Tag gar nicht anfangen können, der ist ja mal toll.' 'Na da hast du ja auf Anhieb einen echten Fan gefunden' platzt Moni in ihre Gedanken. René, an den die Worte gerichtet waren, sah sich genau wie Lilly um. Bis sie beide gleichzeitig feststellten, dass sie, Lilly, damit gemeint war. 'Äh ich hatte da doch vorhin schonmal irgendwo ein Loch gebuddelt, ich glaube da muss ich gan schnell nochmal hin' Sie mied es René weiter anzusehen, weshalb sie verpasste, wie verträumt er sie gerade angesehen hatte. Nachdem das Lied beendet war, bekamen die Kinder ihr Obst, was immer klein geschnitten auf einem Teller in der Mitte des Kreises stand. Lilly war noch immer beeindruckt von René. Er gefiel ihr immer mehr. Aber sie musste dringend ein ernstes Wort mit Moni reden, sie so bloßzustellen.
Da es noch immer in Strömen regnete, war ein Spaziergang mit den Kindern keine so gute Idee. Stattdessen stand die Sporthalle auf dem Programm und viele Spiele. Lilly fand es nun an der Zeit zu gehen und sagte Moni bescheid. Sie jubelte laut 'René sie geht' Lilly grinste. Lautes Jubeln kam als Antwort. Lilly wollte noch gar nicht gehen, viel lieber wollte sie noch in Renés Nähe bleiben und noch mehr über ihn erfahren. Trotzdem schuppste sie etwas, sich die Jacke anzuziehen und sich auf den Weg zu machen. 'Bis irgendwann' verabschiedete sie sich von ihm. 'Bis irgendwann?' runzelte er die Stirn. 'Ja, ich weiß doch nicht wann ich das nächste Mal da bin.' Noch mal Moni umarmt und schon war Lilly verschwunden.Schon auf dem Rückweg fragte sie sich 'Bis irgendwann?????' ‚Wie hohl ist das denn? Ich will ihn doch wiedersehen oder etwa nicht? Und nun bin ich so doof , gehe einfach und sag als Abschied auch noch 'bis irgendwann'. Man bist du bekloppt'.








Kommentare

Sabi

23.06.2011 11:39:44

schreib doch bitte auch diese Geschichte weiter, beide gefallen mir richtig gut =)


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