Kindergartenliebe

Autor: a beautiful disaster
veröffentlicht am: 20.03.2009




'Hi'
'Äh, hallo.' Und ab in die Küche.
'Der Selbstabholer ist da.'
'Ok, die Pizza dauert noch ein wenig.'

Und zurück an meinen Schreibtisch.
Da sitzt Mark, direkt daneben auf den Wartestühlen. Ich tue so als ob ich etwas im Computer suchen würde und starre auf den Monitor während ich mit der Maus wahllos irgendwie rumscrolle. Im Augenwinkel sehe ich, dass er mich anschaut. Mein Herz macht Sprünge, Saltos, Hüpfer, wie nie zuvor. Ich schaue kurz zu ihm. Er sieht mich auch an. Blickkontakt. Gibt's eigentlich was Tolleres als Blickkontakt? Die tollste Erfindung seit es die Menschen gibt, haha.

'Jenna!'

Der Koch. Na toll, Pizza ist fertig.
Ich laufe schnell in die Küche, hole den Karton mit der Pizza und gehe wieder hinter meinen Schreibtisch. Er schaut mich wieder - oder etwa immer noch? - an.
'Macht dann sechs Euro fünfzig.'

Er kramt in seiner Hosentasche und gibt mir das Geld. Dabei berührt er ganz bewusst meine komplette Hand, er lässt das Geld nicht einfach reinfallen, er drückt es regelrecht in meine Hand. Blickkontakt. Mark. Traumhaft.
Ich gebe ihm den Karton, wobei sich unsere Fingerspitzen berühren, zwar wenig, aber intensiv.

Er schenkt mir nochmal sein schönstes Lächeln und verabschiedet sich.
Tür zu.

Ich lasse mich in den Sessel fallen und gehe die letzten 10 Minuten nochmal in Gedanken durch. Kein Wort, kein Blick, keine Berührung wird ausgelassen.

Feierabend. Montagmorgen. Gottesdienst!

So ein Mist. Weil ich meinen ersten Zug verpasst habe, musste ich den nächsten nehmen und als ich in der kleinen Kapelle ankam, waren schon alle Plätze auf der Empore belegt. Na toll, nur von da oben habe ich freie Sicht auf Mark, unten is doch scheiße, da sind alle Lehrer und Mark außer Sichtweite. Ich sitze mich neben ein paar Mädchen aus meiner Parallelklasse in die letzte Bankreihe, der einzige freie Platz, alle anderen Reihen sind schon mit Schülern vollgestopft.

Da.
Mark.
Er kommt gerade die Tür rein, als die Glocken läuten und der Gottesdienst beginnt. Eine Lehrerin kommt auf ihn zu und sucht mit ihm nach einem Platz.

Hiiier! Maark! Frau Häuser! Hiiiierher! Bei mir passt noch jemand rein! Huuhuu! Auch wenn dann gequetscht werden muss, ein bisschen Gekuschle hat noch nie geschadet.

Und tatsächlich, sie kommen auf mich zu. Shit! Mark lehnt sich neben seinen Kumpel an eine kleine Säule. Frau Häuser. Sie redet mit ihm, er läuft weiter. Danke danke danke! Auf mich zu. Direkt. Frau Häuser zeigt auf meine Reihe und da ist er auch schon. Blickkontakt.'Noch frei?'
'Äh.. ja.'
Lächeln.
Ich rutschte zur Seite und er setzt sich. Gaanz nah. Unsere Beine berühren sich. Unsere Hüften. Unsere Schultern. Am liebsten würde ich mich jetzt an ihn kuscheln. Hach, Mark.Frau Häuser läuft wieder weg, setzt sich zu den anderen Lehrern in die erste Reihe. Ein paar Schüler treten nach vorne und tragen irgendeinen Text vor.

Mir egal. MARK.

Wir schauen uns kurz an, lächeln beide, halten Blickkontakt. Er ist so schön, so wunderschön. In letzter Zeit kam er mir immer schöner vor, von Tag zu Tag. Immer perfekter. ich genieße seine Nähe, seine Wärme, ihn.

Plötzlich spüre ich etwas Warmes an meinen Fingerspitzen. Haut. Mark. Es ist seine Hand. Atombomben explodieren in meinem Magen, der dritte Weltkrieg ist ausgebrochen. Mein Herz gibt den Takt an. Rasend. Scheiße, nicht, dass es sich noch rauskatapultiert und ihm vor die Füße fällt.

Seine Hand nimmt immer mehr meine Hand ein, bis er sie ganz umschließt. Wir schauen beide nach vorne. Die beiden Mädels reden immernoch.

Er beginnt, leicht meine Hand zu streicheln. Langsam, zärtlich. Ich traue mich nicht, ihn anzuschauen, er anscheinend auch nicht, sein Blick ist starr nach vorne gerichtet. Wir rücken näher zusammen, ich fühle mich so geborgen in seiner Gegenwart, so geschützt. ich kenne ihn zwar kaum, aber ich vertraue ihm blind, das weiß ich.

Plötzlich fangen alle an zu singen.

'Danke für diese guten Gaben, danke für jeden neuen Tag. Danke…' Blah blah blah. Uns egal.

Es gibt nur noch Mark und mich, mich und Mark, Mark und Jenna, Jenna und Mark. Wie wir wohl unsere Kinder nennen werden? Also ich wäre für Emily. Und wenns ein Junge wird, hm, dass soll Mark dann entscheiden.
Dingggggg

Ich zucke zusammen, wir rücken augenblicklich wieder auseinander. Hektik um uns. Alle stehen auf, packen ihre Rucksäcke, nehmen ihre Jacken und laufen nach allen Richtungen weg. Ende. Scheiße. Er lässt meine Hand immer noch nicht los. Wir schauen uns an, lächeln.Unsere Hände trennen sich, langsamer als sie sich gefunden haben.

Montagmorgen. Englisch. Aber ohne mich. Ich bin bei Mark. M A R K .







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