Mein Angel

Autor: adamina
veröffentlicht am: 04.04.2009




Benjamin Leroux. Im ersten Moment habe ich nichts bemerkt, doch jetzt lässt es mich einfach nicht mehr los, ich denke nur noch daran. Ich versuche mich zur Vernunft zu bringen, es kann ein ganz einfacher Zufall sein, es ist ja nicht so als ob Leroux ein seltener Name sei. Er kommt in Frankreich vor wie Schmidt oder Müller in Deutschland, also kann das hier ein ganz einfacher Zufall sein, und es ist wahrscheinlich nur ein Namensvetter.
Die drei Mädchen mit denen ich mein Zimmer teile sind noch unter den Duschen, ich habe mich mit Absicht beeilt damit ich noch vor dem Essen mit Michèle sprechen kann. Sie könnte es mir sagen.
Ich denke das Leichteste wäre diesen Benjamin zu fragen ob ein Zusammenhang zwischen ihn und Angel besteht, aber wie könnte ich das? Ich könnte mich doch nicht einfach vor ihn stellen und versuchen mit Gesten und Mimik verständlich zu machen was ich von ihm wissen möchte. Und außerdem möchte ich nicht gerne seine Stimme hören, er tat mir beim letzten Mal so leid. Ich finde Michèle in der Küche in der sie gerade versucht einen Küchenplan aufzustellen. ' Hey Ludivine, na läuft's gut bis jetzt? ' Ich nicke und lasse mir schnell eine Lüge einfallen. ' Ja super danke, du sag mal ich habe aus Versehen den falschen Sack im Bus genommen. Ich hab den von einem Benjamin Leroux, weißt du vielleicht wer das sein könnte? ' Sie scheint nachzudenken. ' Ich glaube der war nicht in meiner Gruppe, das heißt er muss im dritten Stock schlafen. Schau mal nach ob du ihn dort findest. ' Ich raffe meinen ganzen Mut zusammen. ' Komisch, er trägt denselben Namen wie ein Sänger den ich kenne… ' Sie scheint mir kaum noch richtig zuzuhören, sie versucht immer noch aus diesem Plan schlau zu werden. ' Ja wie dieser Angel, ich weiß, er ist sein Bruder. Aber eigentlich will er es nicht so raushängen. Also behalt es für dich, ja?! ' Ich habe den Eindruck ich müsste gleich in Ohnmacht fallen! ANGELS BRUDER unter demselben Dach wie ich!! Michèle spricht weiter aber ich höre sie schon gar nicht mehr. Ich denke nur noch an Ihn! Er ist so toll, er ist so cool, er ist… einfach unglaublich!! Ich bedanke mich schnell und verschwinde in mein Zimmer. ' Wo bist du gewesen?! ' begrüßt mich Margaux. Ich weiß genau, ich sollte es niemanden sagen, vor allem weil Michèle es nicht wollte, aber ich muss es jemandem anvertrauen, sonst sterbe ich. ' Sag mal Margaux, kennst du Angel? '
' Was für eine Frage, wer kennt ihn nicht?! Ich liebe ihn! '
' Ehrlich, magst du auch seine Songs? '
' Ne du, ich finde die sind mir zu tiefgründig, immer zu intellektuell aber er selbst ist der Hammer!! Ich glaub dass nur dein lieber Bennyboy ihn übertreffen könnte. '
Erst zögere ich noch etwas, doch dann platzt es aus mir heraus. ' Eben dieser Bennyboy ist sein kleiner Bruder! Ich habe gerade mit Michèle gesprochen und es herausbekommen! ' Margaux bleibt erstmals die Spucke weg, sie starrt mich mit offenem Mund und riesigen Augen an. Der Stapel von T-Shirts den sie in der Hand hält fällt ihr lautlos aus den Fingern. ' Im Ernst ? ' Sie denkt einen Moment nach und läuft dabei im Kreis, über ihre T-Shirts. Dann spricht sie zum ersten Mal seit ich sie kenne ziemlich leise und nachdenklich. ' Ok, hör zu Süße, das darf keiner außer uns beiden wissen. Du und ich wir werden diesen kleinen Bruder um den Finger wickeln, und noch vor Ende dieses Zentrums werden wir so gut mit ihm befreundet sein dass er uns einladen wird den Rest der Ferien in der Villa von unserem Knackarsch Angel zu verbringen. '
Das Frühstück geht zu Ende. Margaux hat es geschafft dass alle hörenden Jungs sich um sie scharen, und unser Tisch ist wahrscheinlich der Lauteste, doch auch der Fröhlichste. Ich selber spreche nicht viel, aber ich bade mich in der Stimmung. Das ist nun mal meine Art, und ich komme damit sehr gut klar. Ich bin nun mal nicht der selbstsicherste Typ Mensch, na und? Michèle bittet um Ruhe: ' Hört mal alle her! Ich hatte mir ja bereits gedacht ihr hättet Probleme euch zu integrieren, aber so schlimm habe ich es nicht erwartet! Eigentlich wollte ich das vermeiden, ihr seid viel zu alt dafür aber so… Ab morgen beginnen die gemeinsamen Aktivitäten, ich wünsche dass ihr dreier oder vierer Gruppen bildet, die aber aus hörenden und schwerhörigen bestehen! Wenn ihr es nicht schafft, ich kann es auch übernehmen. Ansonsten ist heute noch chill out, ihr könnt jeder Zeit schwimmen gehen! '
Margaux flüstert mir zu ' Das ist unsere Chance! Lass mich nur machen! ' Sie geht auf Benny zu und schlägt ihn fest auf die Schulter, sobald er sich zu ihr umgedreht hat sagt sie lächelnd ' HA-LLO ' sie betont jede Silbe.
' Hey ' antwortet er zögernd.
' Willst mit uns eine Gruppe bilden? ' Diesmal war es zu schnell. Ben sieht sie mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Offensichtlich hat er nichts verstanden. Margaux dreht sich zu mir um und zischt. ' Na toll, das wird ja toll mit ihm! ' Sie wendet sich wieder ihm zu und schreit fast wild artikulierend ' Du wollen Grippe machen mit lieben lieben Normalos? ' Einige Jungs von unserem Tisch, die uns gefolgt sind, lachen leise, während ich mich fühle wie der letzte Dreck. Also versuche ich etwas dass ich mir selber nie zugetraut hätte. Ich stelle mich aufrecht vor ihn hin, sehe ihm direkt in die Augen, zeige erst auf ihn, dann auf Margaux und schließlich auf mich. Ich halte drei Finger hoch und umschließe sie mit der anderen Hand. ' Willst du mit uns in eine Gruppe? ' frage ich langsam, ruhig. Mein Herz pocht wie wild, er hat jede meiner Bewegungen aufmerksam beobachtet. Jetzt sieht er mir tief in die Augen, fast prüfend, als müsse er überlegen ob es sich lohne mit mir in einer Gruppe zu sein… Ich beiße mir auf die Lippen, ich weiß nicht was ich noch tun kann, also lächele ich ihn so natürlich an wie ich es unter seinen Blick nur schaffe. Plötzlich, als hätte er auf einmal etwas entdeckt, nickt er fröhlich und ich glaube umzufallen. Sein Lächeln ist wundervoll, ich fühle mich wie im siebten Himmel. 'Gut gemacht, Ludivine! Den hast du ja echt um den Finger gewickelt!' lächelt mich Margaux an. Ich sehe sie gar nicht an, ich blicke verträumt, dem Mann hinterher der die Augen und das Lächeln meines Traummannes hat.

Ich hatte etwas Angst vor dem Schwimmbad, bevor ich herkam, und nun ist klar dass meine Angst begründet war. Hier laufen nur absolute Augenweiden herum, allen voran Margaux, die bereits Oben-ohne im Gras liegt. Die Mädchen hier, tragen fast alle String-Tangas und ausgefallene Oberteile die ihren Busen zur Geltung bringen. Ich fühle mich so unwohl in meiner Haut wie noch nie, es ist schrecklich, die Jungs wissen gar nicht mehr wo sie hinsehen sollen. Alle sind in sprachlose oder auch laute Gespräche vertieft, so bemerkt niemand meine Ankunft. Ich selbst trage einen schwarzen einfachen Bikini, mit hochgebundenen Haaren, um besser schwimmen zu können. Doch ich sehe dass nur ein paar sich dazu entschlossen haben zu schwimmen, alles nur Schwerhörige, der Rest räkelt sich in der Sonne. Margaux winkt bereits nach mir, ich habe keine Wahl mehr. Nein! Ich will nicht in der Sonne liegen und mich von allen begaffen lassen! Ich habe nicht genug Busen und etwas zu viel Hüfte, ich könnte niemals… Auf einmal greift eine Hand nach meiner und zieht mich ins Wasser! Mit einem lauten Aufschrei lege ich einen uneleganten Fall an den Tag, und lande im Wasser! Ich huste und zittere vor Kälte, und will mich schon nach dem Idioten umsehen der mich zu einem begossenen Pudel gemacht hat, als sich Ben mir im Wasser nähert, mir ist so unwohl gewesen dass ich ihn nicht einmal bemerkt habe. Jetzt sieht er mich entschuldigend an. 'Tut mir leid' meint er zaghaft 'Ich wollte nur dass du ein bisschen Spaß hast.' Du sahst nicht so glücklich aus.' Er hat bemerkt dass ich mich unwohl fühle und hat darauf reagiert, würde ich nicht vor Kälte zittern, ich hätte mich bedankt. So kann ich nur zitternd lächeln. Er nähert sich mir, auf einmal bin ich mir absolut bewusst wie gut er aussieht, er hat einen durchtrainierten Körper, einen Waschbrettbauch, Muskeln aus Stahl. Seine Badeshorts sitzen eng 'Du hast ganz blaue Lippen.' Flüstert er und kommt näher. 'Weißt du dass du als einzige etwas lebendig aussiehst mit diesen Lippen?' Ich will ihm sagen, dass ich es hasse wenn alle mich ansehen, ich will ihm danke sagen dass er mich gesehen hat, ich will … Aber ich weiß nicht wie, würde er mich verstehen? Er kommt immer näher, streckt die Arme nach mir aus und zieht mich an sich. Er reibt meine Arme um mich zu wärmen, er ist groß. Auf einmal scheint er gar nicht mehr schüchtern, auf einmal bin ich es umso mehr. Sein Griff wir fester, er nähert sich mir, meine Augen schließen sich, und dann… fliege ich im hohen Bogen durch das Becken! Ben und ich raufen, wir spritzen uns voll und versuchen den anderen unterzutauchen. In diesem riesen Spaß sehe ich die Anderen die am Rand geblieben sind und uns neidisch ansehen.







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