Märchen oder wie jetzt?

Autor: Amy
veröffentlicht am: 25.01.2009




Als ich grade aus der Haustür trat, packte mich jemand grob um den Bauch und drückte mir die Hand auf den Mund, sodass ich nicht schreien konnte. Mein Skateboard fiel zu Boden und rollte in einen Busch hinein.
Ich wand mich und schaffte es irgendwie, mich aus dem stählernen Griff zu befreien und versuchte wegzulaufen. Doch jetzt kamen von Vorne noch zwei weitere Männer auf mich zugelaufen und packten mich jeweils am Arm. Ein Dritter band mir hektisch ein Tuch um den Mund. Ich trat um mich und wehrte mich nach Leibeskräften, doch es half alles nichts, die Männer überwältigten mich. Einer von ihnen quetschte meine untere Gesichtshälfte mit einer Hand ein, sodass ich aussah wie ein Fisch, und funkelte mich böse an. 'Hör auf dich zu wehren, es hilft dir eh nichts. Und jetzt beweg deinen kleinen Hintern und komm mit!' Meine Antwort war ein saftiger Tritt in seine goldene zwölf. So ließ ich doch nicht mit mir reden!'Macht sie bewusstlos, sie ist ja noch schlimmer als diese verdammte Tiger Lily!', presste der sich vor Schmerzen krümmende Mann zwischen seinen Zähnen hervor. Und schon verpasste mir einer der beiden anderen Männer einen schmerzvollen Schlag auf den Hinterkopf und ich sackte in mir zusammen. Ich merkte nur noch am Rande, wie mir jemand die Arme und Hände zusammenband und mich über seine Schultern warf.

Als ich erwachte, tat mir so gut wie alles weh. Mein Kopf brummte so dermaßen, dass ich kurz davor war, mir zu wünschen zu sterben. Ich stöhnte und versuchte einen Blick auf mein 'Gefängnis' zu blicken, doch es war stockdunkel und ich konnte absolut nichts erkennen.Mir kam es vor als seien Stunden vergangen, als ich in der Ferne Stimmen und Schritte hörte. Kurz darauf wurde die Tür zu meinen Räumlichkeiten geöffnet und ein kleiner, pummliger Mann kam hinein getreten, dicht gefolgt von einem großgewachsenen, jungen Mann mit schwarzen, lockigen Haaren.
'Ah, Miss Darling, Sie sind wach! Das freut mich wirklich, denn wir haben nicht viel Zeit und ich muss noch einiges mit Ihnen besprechen!' - 'Tja, hätte mir dieser Hornochse nicht so einen über den Deckel gehauen, hätten Sie nicht so lange warten müssen. Selbst Schuld.', gab ich schnippisch zurück. Der Mann lachte halbherzig und winkte den kleineren Mann zu sich heran. 'Smee, hol etwas zu trinken und zu essen für die kleine Lady.' - 'Jawohl, Käpt'n!' Und schon eilte er hinaus und ich war alleine mit dem Mann, der wahrscheinlich der berühmt berüchtigte Käpt'n James Hook war. Er hatte Kerzen angezündet und auf einen runden Tisch gestellt.
'Miss Darling, oder Emma? Wie ist es Ihnen lieber?' Ich schnaubte. 'Sie nennen mich doch eh wie sie wollen, warum sollte ich Ihnen dann irgendwas sagen, was ich bevorzuge?' - 'Auch wieder war. Wie ich merke, sind sie nicht auf den Kopf gefallen und das erfreut mich sehr. Das wird unsere Zusammenarbeit beschleunigen.' - 'Welche Zusammenarbeit?', fragte ich ihn misstrauisch. 'Das besprechen wir lieber am Tisch, oder nicht?'
In genau dem Moment kamen Smee und weitere Männer hinein. Smee mit einem Tablett voll Essen und Trinken, das er auf dem Tisch abstellte. Die anderen Männer beugten sich zu mir herunter und je einer packte mich am Arm, um mich hoch zu heben. Ich versuchte mich natürlich wieder zu wehren, doch sie hatten einen festen Griff um meine Arme, hoben mich ohne Mühe vom Fußboden und setzten mich ohne Umschweife auf einen Stuhl vor dem Tisch. Ich funkelte alle Männer im Raum böse an, doch sie lachten nur ein dreckiges Lachen und verzogen sich aus dem Raum.
'Emma, wenn du dich nicht so auf die Hinterbeine stellen würdest, wäre das viel einfacher. Ich nehme mal an, dass du bereits weißt, wer wir sind?!' - 'Ja.' - 'Gut. Aber wie unhöflich von mir. Hier eine Tasse Tee und ein paar Plätzchen.' Er stellte mir eine dampfende Tasse vor die Nase und daneben einen Teller mit Gebäck, doch ich übersah es einfach und blickte mein Gegenüber weiterhin böse an. 'Was wollen sie? Kommen sie auf den Punkt.' Er gluckste vergnügt über einen Scherz, den ich wohl nicht kannte. 'Du hast es ja richtig eilig. Okay, wenn du's so willst…Wir lassen dich gleich in Begleitung gehen, damit du deiner Familie und deinen Freunden eine gewisse Story erzählst und es für mich so leichter ist, dich mitzunehmen, ohne dass dich jemand vermisst. Du musst zugeben, dass diese Idee schon ziemlich einfallsreich ist!' - 'Warum zur Hölle sollte ich das tun?!' - 'Ja, das ist eine interessante Frage. Ganz einfach: Weil du sonst gewaltige Probleme haben wirst!' - 'Ich meine, was der Hintergrund ist. Warum habt ihr euch so einen Plan ausgedacht? Das muss ja einen Grund haben!' - 'Ja, sicherlich hat es das! Aber seh ich so aus, als würde ich dir das verraten?!', lachte er nun sichtlich amüsiert. Ich biss wütend die Zähne zusammen und schaute mit gesenktem Kopf zur Seite.
Nach einiger Zeit hob James mein Kinn sachte mit seiner Hand hoch und schaute mir in die Augen.
'Keine Angst, kleine Emma. Deinen Freunden und deiner Familie wird nichts geschehen, solange du tust, was ich verlange.' Mit Tränen in den Augen nickte ich leicht mit dem Kopf und ehr lehnte sich grinsend in seinem Stuhl zurück. Mir fiel leider erst jetzt auf, dass man das ziemlich Zweideutig sehen konnte. Aber an so etwas würde er doch nicht denken, oder doch?

Schon nach kurzer Zeit kamen wieder zwei Matrosen, Diener oder was auch immer die Männer bei Hook waren, und packten mich ziemlich unsanft an den Armen, banden mir die Augen zu und schafften mich aus dem Gebäude raus, in dem ich bis jetzt gefangen gehalten worden war.
'So Emma, deiner Familie legst du diesen Brief hin. Natürlich so, dass sie das sofort sehen und damit auch lesen. Verstanden?' - 'Was steht in dem Brief?' - 'Ach, nichts allzu besonderes. Dass du sie hasst, keine Lust mehr auf sie hast etc. Das übliche
Teenagerverhalten halt.' Ich starrte ihn ungläubig an. Das war doch nicht sein Ernst!? Das konnte ich doch nicht machen! Ich musste zusehen, dass ich diesen verdammten Brief noch irgendwie änderte.

'Ehm, dürfte ich vielleicht noch eben zur Toilette?' - 'Ja aber mach schnell! Und versuch gar nicht erst abzuhauen, bringt dir eh nichts.', grinste mich so ein bulliger Typ an, der sich sogleich vor der Badezimmertür platzierte um aufzupassen. Total lächerlich.
Alles was ich versuchen wollte, war eine Nachricht im Bad zu hinterlassen. Zum Glück war die Schminke meiner Mutter im Schrank über dem Waschbecken, so konnte ich mir den Kajal nehmen und eine Nachricht auf das Toilettenpapier schreiben.
Ich rollte das Papier ein wenig ab und schilderte schnell die Situation, rollte das Papier wieder auf und prüfte, ob auch nichts zu sehen war. Dann räumte ich den Kajal wieder weg und drückte die Spülung, nur damit der Pirat nichts Falsches dachte.
Als ich aus der Tür trat, kam sofort ein anderer Mann an mir vorbei und schaute sich im Bad um. 'Suchst du irgendwas?!', fragte ich ihn gespielt höflich. Ich hoffte so inständig, dass er die Nachricht nicht entdeckte! 'Anordnung vom Chef. Und jetzt komm, Püppchen!', brummte er.

Ich atmete noch einmal tief durch bevor ich das mir so vertraute Gebäude betrat und meine Freunde zutiefst verletzen würde. 'Du musste nur daran denken, was passieren würde, wenn du dich nicht an den Plan halten würdest…Das wäre doch sicherlich furchtbar für dich, nicht wahr?!', grinste mich Hook noch hämisch an.
Der Plan sah im Grunde relativ simpel aus, nur beim praktischen würde es wahrscheinlich scheitern. Es wurde ein junger, attraktiver Mann aus der Crew rausgesucht, der mich begleiten sollte. Ich sollte vor allem Warren und Emily überzeugen, wobei es auch am Besten wär, wenn ich meine anderen Freunde auch noch überzeugen konnte. Hook wollte, dass ich ihnen weiß mache, dass ich mit dem jungen Mann neben mir abhauen würde, weil ich kein Bock mehr auf sie hätte und ich sie nur ausgenutzt hätte und ich das schon Ewigkeiten plane. Ich mein, das ausgesuchte Crewmitglied war sicherlich nicht hässlich, aber mit ihm abhauen?! Dafür müssten mich Emily und Warren zu gut kennen. Vor allem mit 15 Jahren ziemlich unglaubwürdig.
Ich stand mit Lucien, der Typ mit dem ich 'abhauen' sollte, auf dem Schulhof und hielt widerwillig Ausschau nach Warren und Emily. Das blöde an der Sache war, dass er seinen Arm um mich geschlungen hatte und insgesamt ziemlich nah an mir stand.

'Emma?! Bist du das?' Ich drehte mich um und starrte in die fassungslosen Gesichter meiner beiden besten Freunde. Lucien gab mir einen kleinen Knuff in die Seite und ich versuchte mich zu sammeln. 'Äh, ja. Äh, das ist Lucien. Lucien, Emily und Warren.' Sie nickten ihm nur knapp zu und blickten mich dann fragend an.
'Äh, Leute wartet mal kurz. Lucien kann ich dich kurz sprechen bitte?!' Ich zerrte ihn am Arm etwas von den Beiden weg und fing an auf ihn einzuflüstern:
'Bitte! Ich kann das nicht machen! Sie würden mir das eh nicht glauben, dafür kennen sie mich zu lange! Bitte Lucien! Du kannst dieses Leben doch auch nicht führen wollen! Ich bitte dich von ganzem Herzen!'
Mittlerweile waren mir die Tränen nur so die Wangen herunter gelaufen und ich klammerte mich an seinem Shirt fest. Ich glaub ich hatte ihn ziemlich aus der Fassung gebracht, denn er schaute kurz zu meinen Freunden, die uns misstrauisch beobachteten, dann zu mir. Er seufzte. 'Ich…Ich weiß nicht. Das könnte ganz schön gefährlich für dich UND mich werden! Ich bin dran, wenn der Käpt'n das mitbekommt!' - 'Er bekommt aber nichts mit! Wirklich! Bitte hilf mir dabei. Du willst doch auch nicht wirklich bei ihm mitmachen oder?! Ich könnte dir helfen, von ihm wegzukommen! Bitte…', schluchzte ich mittlerweile gegen seine Brust.
'Ich…äh…' - 'Was ist hier los?!', mischte sich nun Warren ein, in dem er mich von Luciens Brust wegriss und mich zwang ihm ins Gesicht zu sehen. 'Emma, sag mir sofort wer er ist und was hier los ist! Du kommst nicht zur Schule und dann tauchst du hier mit dem Typen auf, Arm in Arm. Und dann fängst du an bei ihm zu heulen, als ob es keinen Morgen mehr gibt! Klär Emily und mich auf, was los ist!' - 'Warren…sieh doch wie fertig sie ist. Jetzt stell sie doch nicht so unter Druck!', schaltete sich jetzt auch Emily ein und löste sachte den Griff von Warren, der mich fest an den Schultern gepackt hatte. Sie nahm mich in den Arm und rieb mir den Rücken und ich konnte nicht anders als lauthals los zu schluchzen.
'Shh, ist ja gut. Beruhig dich erstmal!' - 'Nein…da-dafür ist keine Z-Zeit.', ich holte noch einmal tief Luft und löste mich aus der Umarmung meiner Freundin.
'Vielleicht setzen wir uns kurz…aber wir müssen uns beeilen, Emma! Du weißt, wir dürfen nicht zu lange weg bleiben!' - 'Ja, ich weiß…' - 'Ehm, tschuldigung aber könntet ihr die Unwissenden mal bitte aufklären?!', fragte Warren ziemlich genervt.
Ich nickte und ging in Richtung Bank um mich zu setzen. Die Anderen folgten mir und ich begann von Anfang an zu erzählen. Natürlich erwähnte ich jetzt auch Pete und das Buch meiner Urgroßmutter und dass er in meinem Zimmer war. Also wirklich alles. Die nackte Wahrheit. Ich glaub, zuerst haben sich Warren und Emily noch Blicke zugeworfen, frei nach dem Motto 'Ich glaub wir brauchen die Leute mit den weißen Jacken'. Doch irgendwann, als wir bei Hook ankamen, sahen sie nicht mehr so skeptisch aus.
Als ich endlich zu Ende erzählt hatte, blickten sie Lucien fragend an. 'Und du bist sicher, dass du auf unserer Seite bist?! Nachher bist du ein Verräter und dann haben wir den Salat!', fragte Warren mit einem ziemlich giftigen Unterton. 'Säße ich sonst hier?!', antwortete Lucien ebenso giftig. Emily und ich sahen uns mit einem Blick an, wo wir mit Sicherheit dasselbe dachten: 'Jungs!'.
Wir machten ab, dass Emily und Warren zu meiner Mutter fuhren und ihr alles erzählen würden. Außerdem sollten sie in mein Zimmer gehen, das Buch suchen und versuchen Pete zu 'erreichen', um ihm alles zu erzählen.







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