Komm zu mir und wir sind nie mehr allein

Autor: Bina
veröffentlicht am: 06.06.2009




Sie sah Rafael flehend an. 'Bitte. Bitte nimm mich mit ins Krankenhaus. Ich muss zu ihm. Ich muss wissen, dass es ihm gut geht. Rafael sah einen letzten Ausweg. Er riss sie förmlich vom Sofa hoch und zog sie ins Schlafzimmer. Schocktherapie. Er konfrontierte Emma mit dem Anblick der ganzen Blutspuren auf dem Bett. Er stand in der Tür, hinter ihr und hielt sie an den Schultern fest. Er hörte wie sie gepresst ausatmete und wimmerte, aber er hielt sie fest als sie flüchten wollte.'Sie dir das genau an Emma. Sie genau hin. Bist du immernoch der Meinung, dass du zu Senor Albarez musst?' Emma stand wie versteinert vor dem Bett. Der Anblick ging ihr durch Mark und Bein und sie fröstelte. 'Und doch. Ich muss einfach mit ihm reden.' Es ging einfach nicht in ihren Kopf, dass Paul gar nicht der Mann war, für den sie ihn gehalten hatte.
Sie wandte sich zu Rafael um und übersah seine gespannte Miene. 'Ich weiß, du willst mich um jeden Preis davon abhalten, aber...' Sie brauchte den Satz nicht zu beenden, er wusste was sie sagen wollte und drehte sich um. 'Lass uns gehen.' war alles was er sagte.
Auf dem weg zum Notdienstwagen, den man ihm da gelassen hatte, dachte er nach. 'Wie kann sie nur zu ihm halten? Wie kann sie ihn immernoch in Schutz nehmen?' Trotz allem war er beeindruckt. Er hatte noch nie eine Frau kennengelernt, die so bedingungslos liebte, auch wenn es für ihn in diesem Fall an Selbstzerstörung grenzte. Rafael gab keinen Ton von sich, nicht auf der Fahrt und auch nicht als sie das Krankenhaus betraten.
Emma folgte ihm. 'Bleib hier und warte. Ich sehe nach, wohin sie ihn verlegt haben.' deutete er ihr im Warteraum Platz zu nehmen. Sie setzte sich. Krankenhäuser waren furchtbar für sie. Als ihre Eltern damals den Unfall hatten, starb ihre Mutter noch am Unfallort und ihr Vater lag Wochen lang im Koma. Die unzähligen Stunden, die sie an seinem Bett verbracht hatte, die Tränen, die sie
hinuntergeschluckt hatte, weil sie der Meinung war, ihr geliebter Vater bekäme sicher mit, dass sie bei ihm war. Alte Wunden drohten aufzubrechen und gut verdrengte Erinnerungen bahnten sich ihren Weg. Aber Emma blieb tapfer sitzen, obwohl ihr nach Wegrennen zu Mute war.
So sah Rafael sie sitzen. Emma kam ihm vor wie ein Häufchen Elend und am Liebsten hätte er sie tröstend in den Arm genommen und ihr gut zu geredet. Aber er war noch immer nicht einverstanden, dass sie zu Paul wollte. Alles was er tun konnte, war, für sie da zu sein, wenn sie ihn brauchte. Emma blickte auf und sah ihn fragend an. 'Er liegt auf der Intensivstation. Er hat eine Menge Blut verloren und wir müssen abwarten was die Nacht bringt.' Er hätte noch mehr sagen können, aber wollte sie nicht mit medizinischen Fakten bombardieren.
Als Emma nur noch die Glasscheibe von Paul trennte und sie die Schläuche und Apparate sah wurde ihr schlecht. 'Keine Schwäche zeigen, du musst stark bleiben. Du hast das schon einmal geschafft und du schaffst es auch dieses Mal.' sagte sie zu sich selbst und vergaß dabei, dass Rafael sie hören konnte. 'Darf ich zu ihm?' 'Nur kurz, nicht mehr als fünf Minuten.
Er ließ sie allein in den Raum treten, bleib aber hinter der Scheibe stehen und beobachtete weiter. Nachdem er gehört hatte, wie sie sich selbst Mut zu gesprochen hatte, war er sich ziemlich sicher, dass er vorhin an einem sehr seltenen Augeblick teilgenommen hatte, als sie weinend in seinem Arm gelegen hatte. Warscheinlich zeigte sie nie Schwäche. 'Du hast das schon einmal geschafft und du schaffst das auch dieses Mal' hallte es in seinem Kopf wieder. Was hatte das zu bedeuten? Er wurde abgelenkt von ihrem Anblick. Ihre Augen zogen nun schon den zweiten Sohn Carlos' Ramirez in den Bann, dennoch anders als bei dem Ersten.
Rafael sah zu, wie sie mit einem kühlen Lappen die Stirn von Paul abtupfte und ihm liebevoll über die Wange strich. Er sah, dass sie mit ihm redete, aber konnte leider nicht verstehen was sie sagte.'Du musst ganz schnell wieder zu dir kommen, gesund werden und dann wird alles wieder gut.' Emma klang so optimistisch, dass sie es selbst beinah geglaubt hatte. Sie wollte so gern wütend sein und all ihre Gefühle heraus lassen. Doch sie zwang sich zur äußerlichen Ruhe, so wie sie es immer getan hatte. Als sie Paul wieder die Stirn abtupfte, schlug dieser die Augen auf. Erschrocken wich Emma zurück. 'Emma' kam ein Flüstern über seine Lippen. 'Te amo, tu eres mi vida. Du bist mein Leben Emma, ohne dich ist es sinnlos. Bleib...' Dann fielen ihm vor Erschöpfung wieder die Augen zu.Rafael war, als er gesehen hatte, dass Paul wach war, ebenfalls eingetreten und hörte seine Worte. Am liebsten hätte er laut 'Nein' gesagt, aber Emmas Blick verrieten ihm, was Pauls Worte erreicht hatte. Ihre Liebe zu diesem Mann sprang ihm förmlich entgegen und er wusste genau, dass sie bei ihm bleiben würde. Rafael hatte Angst um sie.

Emma hatte sich von Rafael verabschiedet. Er hatte sie nicht mehr gebeten, dass sie nicht wieder zu Paul gehen würde, doch sie hatte es seiner Haltung entnehmen können. Stattdessen hatte er ihr gesagt, dass er für sie da sein würde, wenn nötig. 'Das hat sich so unheilvoll angehört' gab sie diesem Gedanken kurz die Chance aufzutauchen. Dann vernichtete sie ihn mit einer wegwerfenden Handbewegung und lief nach Hause.
Es graute ihr davor wieder ins Schlafzimmer zu gehen, aber früher oder später würde ihr nichts anderes übrig bleiben. Sie schaltete das Radio ein und drehte die Lautstärke voll auf. 'Die Musik wird es mir leichter machen. Ich konzentriere mich auf sie und dann geht das schon irgendwie.' Als sie jedoch das Bett sah, wurde sie wieder elendig traurig. Schell riss sie die Decken und Laken herunter und verschwand gar nicht erst einen Gedanken daran, sie in den Waschmaschine zu geben. Alles wanderte sofort in den Müll.Den brachte sie gleich in die Tonne. Gerade als Emma wieder zurück in die Wohnung gehen wollte, hörte sie jemanden ihren Namen rufen. Die Stimme war ihr bereits vertraut, obgleich sie sich bisher nur einmal gesehen hatten. Filippa.
'Hola mi hija. Wie geht es dir?' ''Meine Tochter' hat sie mich genannt.' lächelte Emma. 'Danke es geht mir prima. Bist du zufällig hier?' 'Nein. Als ich vorhin mit Carlos telefoniert habe, sagte er mir, dass du dich krank gemeldet hast. Ich wollte sehen was dir fehlt. Ist alles in Ordnung?''Ich bin krank gemeldet? Ich hab bis eben noch nicht eine Minute an die Arbeit verschwendet und bis eben vergessen. Das kann nur Rafael gewesen sein, aber dann muss sich doch Carlos Ramirez wundern, warum sein Sohn mich krank meldet und...' 'Emma?' 'Ja? Entschuldige. Ich war gerade in Gedanken.' 'Das hab ich bemerkt. Also, was fehlt dir?' Emma überlegte krampfhaft wie sie etwas sagen konnte, ohne die Aufmerksamkeit auf Paul zu lenken. 'Wollen wir nicht rein gehen?' fragte Filippa unterdessen. 'Ja gern.' war Emma froh über den Aufschub, sich eine gute Erklärung einfallen zu lassen.
Als sie jedoch vor der Wohnung ankamen, war es ihr gar nicht mehr Recht, dass sie Filippa heraufgebeten hatte. Sie würde zwar nichts von dem Geschehenen in der Wohnung erahnen können, aber Emma fühlte sich unwohl und hatte Angst, dass Filippa das mit bekommen würde.

Paul lag wach im Bett. Er sah die Verbände an seinen beiden Armen und die Erinnerungen kamen wieder.

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