Komm zu mir und wir sind nie mehr allein

Autor: Bina
veröffentlicht am: 31.05.2008




Emma wachte auf und ihr taten alle Knochen weh. 'Kein Wunder, wenn man im Bad auf dem Boden geschlafen hat.' Sie sah auf ihre Uhr und versuchte die Gefühle, die hinaus wollten, unter Kontrolle zu halten. Als sie in den Spiegel sah, wich sie, von ihrem eigenen Anblick erschrocken, zurück. Ihre Wange war angeschwollen und schillerte in allen möglichen Farben. Sie sah an sich hinunter und bemerkte die Abdrücke seines festen Griffes an ihren Handgelenken. 'So kann ich doch nicht zur Arbeit gehen, der Chef wird wissen, was geschehen ist und sicher nicht einfach darüber hinweg sehen. Vielleicht wenn ich ganz zeitig hingehe und mich im Büro verschanze? Ich hab sowieso genug Aufgaben zu erledigen, bestimmt komme ich den ganzen Tag gar nicht dazu, das Büro zu verlassen...' Das würde funktionieren. Sie sann noch nach anderen Möglichkeiten, als sie ausgiebig duschte, aber es fiel ihr nichts besseres ein. Sie legte Make Up auf und versuchte so gut wie möglich, die bunte Färbung auf ihrer Wange zu übermalen. Es gelang ihr mehr oder weniger gut.
Emma ging zur Tür. 'Ob Paul wohl schon wach ist? Ich will ihm auf gar keinen Fall über den Weg laufen.' Leise schloss sie auf und lugte durch den schmalen Spalt. Alles lag ruhig vor ihr. Sie konnte Paul weder sehen noch hören. Kurz überlegte Emma ob sie sich einen Kaffee kochen sollte, aber sie wollte so wenig wie möglich Krach machen. 'Jetzt schleiche ich hier umher wie ein Dieb und dabei sollte ich mich hier zu Hause fühlen.'Als sie ins Schalfzimmer kam, schrie sie auf und wurde kreidebleich. Das ganze Bett war Blut überströmt, Paul lag da und rührte sich nicht. Er hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten. Sie rannte zu ihm, schüttelte ihn. Panik brach in ihr aus. Ihre Gedanken verwirrten sich und sie konnte kaum klar denken. 'Notruf. Als erstes den Notruf.' rief sie sich zur Ruhe. Sie konnte Blut nicht sehen, ihr wurde übel. Doch trotz allem wurde sie nach dem Anruf bei der Notrufzentrale ruhiger. Emma verband provisorisch die Wunden aber das Blut sickerte schnell hindurch. Hilflos, absolut hilflos. Es kam ihr vor als ob Stunden vergangen waren, als sie endlich die Sirenen des Krankenwagens hörte. Die Sanitäter kümmerten sich um Paul und schoben sie bei Seite. Emma sah nur noch, wie Paul wiederbelebt wurde. Sie hatte vollkommen vergessen, zu überprüfen, ob sein Herz noch schlug. Mehr bekam sie nicht mit, dann sackte sie schwach zusammen und Dunkelheit umgab sie, die schrecklichen Bilder wurden verdrengt und sie fühlte sich sicher. Sie hatte nicht einmal wahr genommen, dass einer der Sanitäter Rafael war und sie angesprochen hatte. Ihr war alles zu viel, die schrecklichen Bilder überschwemmten sie und sie hatte das Gefühl in einen wilden Strom gerissen zu werden, in dem sie drohte unterzugehen.
Emma bekam nicht mehr mit, wie Paul in den Krankenwagen gebracht und anschließend ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Wiederbelebungsversuche hatten gewirkt. Rafael hatte gerade noch rechtzeitig gesehen, dass Emma in Ohnmacht fiel und fing sie auf. Er war professionel genug, sich noch um den Abtransport von Paul zu kümmern. Dann lief er wieder zu Emma. Der zweite Krankenwagen war bereits gerufen. Im selben Augenblick als er das Zimmer betrat, öffnete sie die Augen. Rafael trug sie ins Wohnzimmer, damit der weitere Anblick des Bettes erspart blieb und gab ihr zu trinken. 'Wie fühlst du dich Emma? Geht es dir besser?' erkundigte er sich. Sie sah in an und begriff erst jetzt wer da vor ihr stand. 'Rafael. Oh nein, bitte erzähl davon nichts deinem Vater oder José. Ich will nicht, dass irgend jemand davon erfährt, bitte.' flehte sie ihn an. 'Ich habe Schweigepflicht, mach dir keine Sorgen. Jetzt bist erstmal du wichtig. Ich nehm dich vorsichtshalber mit und du lässt dich untersuchen, damit wir auschließen...' 'Nein, bitte nicht. Ich will nicht ins Krankenhaus, mir geht es schon wieder viel besser. Ich muss mich nur etwas ausruhen und dann bin ich wieder fit.' 'Emma...es ist wirklich besser wenn du...' 'Nein, bitte nich.' unterbrach sie Rafael wieder. Er sah sie eine Weile nachdenklich an. Dann meldete er, dass der zweite Krankenwagen nicht notwendig sei. 'Ich mach jetzt gleich meine Pause' meldete er sich ab.

'Danke' war alles was Emma hervor brachte. 'Ok, dann erzähl mir jetzt, was passiert ist.' Emmas zerbrach innerlich in tausend kleine Stücke. 'Ich muss zu Paul' sprang sie auf. 'Er braucht mich.' Sie ignorierte ihre innere Stimme, dass er das nicht verdient hatte. 'Senor Albarez' betonte Rafael die förmliche Anrede 'wird im Krankenhaus gut versorgt. Du kannst jetzt nichts für ihn tun.' 'Aber ich muss bei ihm sein.' 'Ich finde nicht, dass er das verdient hat.' 'Was?' irritiert sah sie ihn an. Dann sah sie, dass sein Blick auf ihre Wange gerichtet war. Die vielen Tränen hatten das Make Up zu nichte gemacht und ihre Wange schillerte nun wieder in allen Farben. Sie überlegte krampfhaft nach einer Ausrede. 'Versuch gar nich erst, ih zu entschuldigen. Ich arbeite lang genug in diesem beruf und habe genug gesehen um zu wissen, wie ein solches Mal zustande kommt.' Emma sah betroffen zu Boden. 'Was hat er dir angetan, Emma? Was ist hier geschehen?'
Beim Gedanken an den gestrigen Abend wurde ihr schlecht und erneute Tränen stahlen sich aus ihren Augen. Rafael setzte sich zu ihr auf die Couch und reichte ihr ein Taschentuch. Behutsam nahm er sie in den Arm. Emma fühlte sich sicher und sie hatte das gefühl, nicht nur in Filipa, sondern auch in Rafael einen ehrlichen Freund gefunden zu haben. Sie fühlte, dass sie ihm vertrauen konnte und begann stotternd zu erzählen. Mit jedem weiteren Wort wurde Rafael wütender. 'Das alles passte perfekt in das Bild des Mannes, dem ich gestern abend gegenüber gestanden habe' und berechtigt fühlte er nur noch Verachtung. Er war nicht nur handgreiflich, gelinde ausgedrückt, sondern zudem noch feige. Selbstmord war für Rafael nach wie vor ein Beweis für Feigheit.'Aber er war warscheinlich nur so verletzt, dass ich ihn ignoriert habe und war deshalb nicht mehr er selbst.' hörte er Emma sagen. ' Das ist nicht dein Ernst. Nachdem was er dir angetan hat, nimmst du ihn in den Schutz?' 'Ich...' 'NEIN Emma, keine Ausreden. Er hat dich beschimpft, er hat sich nicht mal bei uns wirklich zurück gehalten. Er wollte dir seinen Willen aufzwingen und dann hat er dich auch noch geschlagen. Zu alle dem ist er so feige und tut sich selbst etwas an. Er ist nicht der Richtige für dich. Wie viele Beweise brauchst du noch?' 'Das hat José auch gesagt.' Überrascht blickte Rafael auf sie hinab. 'José? Was hat er gesagt?' 'Paul sei nicht der Richtige für mich. Aber er ist doch nicht so, ich hab ihn ganz anders kennengelernt. Vielleicht hat er Probleme im Job, von denen ich nichts weiß und er weiß nicht wie er damit umgehen soll. Das muss es sein. Gestern hat er mich mittags abgeholt und wollte mit mir allein sein. Sicher wollte er mir davon erzählen, aber ich habe nur Gedanken an das Essen verschwendet und ihn völlig ignoriert. Ich muss unbedingt zu ihm'.
Rafael hatte sich vor Emma gekniet. Er wusste nicht, ob er wütend oder verzweifelt sein sollte. 'Du rennst mit offenen Armen in dein Unglück.'

Liebe Grüße :)







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