Liebesgeschichte

Autor: Carolina
veröffentlicht am: 31.05.2008




Es war Freitag Abend und Jan machte sich, wie jeden Freitag, auf den Weg, um sich mit einigen Freunden zu treffen. Schon seit ein paar Jahren trafen sie sich regelmäßig mit den gleichen Leuten, aus denen mittlerweile eine kleine aber feine, eingeschworene Clique geworden war. Jan freute sich darauf. Der Freitag Abend war für ihn so etwas wie eine Entspannungsphase, wo er den Stress von der Arbeit und die anderen alltäglichen Sorgen vergessen konnte, mit Leuten, die er sehr mochte.

Da war zuerst Oliver Feldmann, der nette, charmante Typ, den jeder mochte. Er war in Jans Alter, also 27, und nie um einen witzigen Spruch verlegen.
Dann Jessica Rieder, seine 24jährige Freundin - eine hübsche Blondine mit ordentlichen Kurven an den richtigen Stellen.
Weiterhin gehörte auch Mark Körner dazu, der 24jährige ruhige aber freundliche Typ, der recht umgänglich war.
Liliana Kernbach war ein kleines, zierliches Persönchen mit dunklen Locken und dunklen Augen und zugleich die jüngste im Bunde mit ihren 20 Jahren. Sie konnte ihren Vornamen nicht ausstehen und bestand darauf, Lilly gerufen zu werden.
Außerdem Ramon Fernandez. Der 22jährige Spanier sprach zwar perfekt Deutsch, versuchte aber jederzeit mit seinem glühenden Charme und dem feurigen, südländischen Temperament die Ladies in einen Flirt zu verwickeln.
Und natürlich Felicitas Schmidt, Jans beste Freundin. Sie war erst 21, aber Jan konnte mit ihr reden, wie mit sonst keinem. Er hatte selbst nicht geglaubt, dass das möglich sei, aber mit der Zeit waren sie sich so nahe gekommen, dass er eine Weile tatsächlich ziemlich in sie verschossen war. So lange, bis Felicitas ihm klargemacht hatte, dass zwischen ihnen nichts laufen würde. Jan hatte Verständnis dafür, weil er das große, sportliche Mädchen mit den langen dunkelblonden Haaren und den frechen, kaum sichtbaren Sommersprossen so oder so sehr mochte. Und groß war sie wirklich. 178 cm groß, behauptete sie immer - wobei Jan jedes Mal protestierte, dass es höchstens 177 cm sein könnten, weil sie keinesfalls so groß wäre wie er. Die beiden lachten sich jedes Mal kaputt und die Freunde mussten die beiden, Rücken an Rücken stehend, abschätzen.
'Feli ist klar genauso groß wie du, Jan!' feixte Oliver grinsend, denn er wusste, dass Jan sich darüber ärgern würde.
Jessica nickte. 'Olli hat recht!'
'Ich finde, das kann man überhaupt nicht richtig sehen!' fiel Mark dazwischen, diplomatisch wie immer.
'Quatsch, kann man wohl!' lachte Lilly. 'Ich finde, sie ist schon noch ein bisschen kleiner. Nicht viel - vielleicht eine Haaresspitze weniger - aber sie ist es!'
Alle starrten jetzt auf Ramon. Der grinste. 'Ich finde, sie sind gleich groß!'
'Arsch!' lachte Jan.
Ramon zuckte mit den Schultern. 'Was soll ich sagen?' Er musterte Felicitas. 'Sie hat nicht mal hohe Schuhe an! Um genau zu sein, sind ihre fast noch flacher als deine!' meinte er zu Jan und schielte auf dessen dicken Ledersohlen.
'Pffft!' grinste Jan und löste sich aus seiner Position.
'Was hab ich dir gesagt?' grinste Felicitas und stieß ihn leicht in die Seite. 'Hätte ich mal gewettet!'
'Haha!' Jan nahm sie in seine Arme und schüttelte sie ein bisschen zum Spaß, als ob er einen Kampf anzetteln wollte. Felicitas nahm seine Hände und schob ihn lachend von sich zurück. Jan versuchte, Stand zu halten. Es war nicht leicht, denn Felicitas hatte wirklich ziemlich viel Kraft, wie er zugeben musste. Es machte Spaß, mit ihr zu kämpfen, da sie ihm in vielen Dingen fast ebenbürtig war. Im Laufen zog sie ihn sogar ab. Oft rangen die beiden aus Spaß um zu beweisen, wer der Stärkere war. Sie musste unglaublich durchtrainiert sein, aber man sah es ihr nicht an. Sie hatte einen hübschen, geschmeidigen Körper, wie Jan schon oft verstohlen beobachtet hatte, wenn sie zusammen schwimmen waren. Manchmal verfiel er wieder in seine alte Schwärmerei, wenn er sie so sah, aber er schüttelte sich gleich und mahnte sich innerlich, sich zusammenzureißen. Die Freundschaft mit ihr war ja auch mindestens genauso schön...

Die anderen waren diesmal schon da, als Jan kam. Heute trafen sie sich bei Mark, der einen schicken Partykeller in seiner Bude hatte.
'Hey Jan, wir haben dich schon vermisst!' rief Jessica übermütig, als er die Treppe runterkam.
'Schön. Und wo bleibt mein Bier?' grinste Jan, als er sich zu den anderen gesellte.'Kommt sofort!' Felicitas war aufgesprungen und ging zum Kühlschrank, aus dem sie eine gekühlte Flasche herausnahm. 'Hier!' Sie drückte sie Jan in die Hand.
Jan sah auf. 'Bist ein Schatz!' zwinkerte er.
'Weiß ich doch!' grinste Felicitas und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Heute hatte sie sich wieder Locken gemacht, wie meistens, und Jan fand, dass sie dann immer ganz besonders hübsch aussah. Er betrachtete sie lächelnd, wie sie wieder zu den anderen zum Kickertisch ging. Sie hatte zwar weder die Klasse von Jessica noch dieses Süße, Niedliche wie Liliana - aber als er ihre geröteten Wangen und das natürliche, spitzbübische Lächeln sah, als sie Oliver zum dritten Mal besiegte, wusste er, dass es für ihn keine schönere Frau als Felicitas gab.
Grinsend folgte er ihr nach einer Weile. Er freute sich, dass es ausgerechnet Oliver traf. Oliver war der beste Kumpel, den man sich wünschen konnte, aber er neigte zuweilen zu Größenwahn und so schadete ihm die kleine Abreibung nichts, fand Jan schadenfroh.'Kann nicht sein!' hörte er Oliver fluchen. 'Ich lass mich doch nicht von einer Frau abziehen!'
'Wieviel schuldest du mir jetzt?' grinste Felicitas und hielt die Hand auf.
'Jessi, kannst du mal? Ich meine..eh...ich hab jetzt grad nicht so viel dabei...' stotterte Oliver und wurde rot.
'Ach was, ich will doch gar kein Geld von dir... ich wollte dich bloß ärgern!' neckte Felicitas ihn.
'Dann umsorge ich dich jetzt den ganzen Abend! Dein Wunsch ist mir Befehl!' sagte Oliver gespielt unterwürfig und warf sich vor ihr auf die Knie.
'Du Schaf!' lachte Felicitas. 'Komm schon, hol mir lieber ne Limo!' meinte sie grinsend.'Aya Madame!' Olli salutierte und sprang wieder auf die Beine. Dann machte er sich auf zum Getränkelager.
Jan gesellte sich zu Felicitas. 'Glückwunsch! Du hast im Moment 'ne gute Serie.'
Felicitas nickte. 'Ja, im Moment läuft's. Normalerweise ist Olli uns allen haushoch überlegen im Kickern.'
'Richtig so, zieh ihn ab!' nickte Jan zustimmend und zwinkerte.
Felicitas lachte. 'Warte, bis ich gegen dich gewinne... dann vergeht dir schon dein Grinsen!''Das kann ich jetzt echt nicht auf mir sitzen lassen!' erwiderte Jan und stellte seine Flasche beiseite. 'Komm schon... ich will 'ne Partie!'
'Na schön!' Felicitas stellte sich hinter ihre Reihen und schon bald begann das Spiel. Nach 2 Minuten stand es bereits 3:0 für Felicitas und nach 10 Minuten war die Partie beendet, mit 10:4 für Felicitas.
'Das gibt's doch nicht!' stieß Jan hervor. 'Hast du heimlich geübt? Gib's zu!'
Felicitas lachte.
'Hat sie dich etwa auch abgezogen?' grinste Oliver schadenfroh, der in diesem Moment zurückkam.
Jan murmelte irgendwas mit zusammengebissenen Zähnen.
'Dann bin ich ja nicht mehr der Einzige!' stellte Oliver zufrieden fest und gab Felicitas ihr Getränk. 'Wo ist Mark schon wieder?' fragte er dann, zu Jan gewandt. 'Hängt er etwa wieder bei Lily?'
Jan zuckte mit den Schultern. Sie vermuteten schon seit geraumer Zeit, dass Mark ein Auge auf die kleine Lily geworfen hatte.
'Wenn nicht er, dann ist sie gewiss von Ramon belagert!' erwiderte er dann.
'Oder so!' grinste Oliver und verschwand wieder.
'Und? Glaubst du, dass Mark in sie verknallt ist?' Felicitas sog an ihrer Cola.
'Woher soll ich das wissen?' gab Jan freundlich zurück.
'Na ich dachte, ihr sprecht über sowas!' meinte Felicitas und sah Jan an.
Jan schüttelte den Kopf. 'Ich weiß fast gar nichts über Mark. Mit Oliver quatsche ich schon mal eher. Aber... aber am meisten rede ich eigentlich mit dir!' Jan erwiderte ihren Blick. 'Du weißt alles von mir!' lächelte er

dann.
'Das... das ist ja auch schön!' lächelte Felicitas zurück. 'Ich bin froh, dass wir so gut befreundet sind. Ehrlich!' Sie kam zu Jan und legte ein Hand auf seine.
Jan schluckte. Manchmal war es schon verdammt schwer, sie nur als gute Freundin zu sehen. Er nickte schweigend.
'Gehen wir ein bisschen raus?' Feli sah ihn an.
'Okay? Gut, warum nicht.' Jan folgte ihr und die beiden schlichen gemeinsam durch den Garten, um sich auf einer Holzbank niederzulassen. Dann redeten sie eine Weile, was sie die letzten Tage so erlebt hatten.

Felicitas hatte früher neben Jan gewohnt, bei ihrer Oma, bis ihre Eltern ans andere Ende der Stadt gezogen waren. Er kannte sie schon seit sie klein waren.
'Fröstelst du?' fragte er plötzlich, als Feli sich ihre Arme warmrubbelte.
'Ja, ein bisschen.' gestand sie.
Jan legte einen Arm um sie. 'Frieren ist nicht!'
'Danke!' lächelte Felicitas und lehnte ihren Kopf an seine Schulter.
Jan seufzte leise, so dass Felicitas ihn nicht hören konnte. Er konnte ihr Parfum riechen und spürte ihren warmen Atem an seinem Hals. Er biss sich auf die Lippen. Es war so schön, sie im Arm zu halten.

Verunsichert glitten seine Fingerspitzen über ihr Haar und streichelten es ein bisschen. Er wusste nicht, was er tun sollte. In solchen Momenten keimte sein Verlangen nach mehr auf. Vorsichtig drehte er eine Locke von ihr um seinen Finger und spielte ganz langsam damit.Feli sah auf. Jan sah sie an. Sie war so hübsch, wie sie ihn mit ihren grünen Augen ansah, leicht hilflos, ihr schön geformter Mund zuckte leicht, als ob sie etwas sagen wollte.'Feli...' flüsterte Jan. 'Ich...' Die Worte blieben ihm im Hals stecken. Er spürte, wie ihr Puls schneller ging. Er sah sie noch einmal an, dann beugte er sich langsam vor und küsste sie vorsichtig auf den Mund.
Felicitas erstarrte. Für einen kurzen Augenblick erwiderte sie seinen Kuss, dann stockte sie. 'Jan... nicht!' flüsterte sie und schob ihn sanft von sich. 'Bitte nicht!' Sie sah ihn liebevoll an. 'Ich kann das nicht!' sagte sie dann leise und Jan wusste, dass sie ihm nicht weh tun wollte.'Ist schon okay!' Er schluckte. 'Es tut mir leid, ich wusste nicht, was über mich gekommen ist!' Er wurde rot.
'Kein Problem. ' Feli lächelte ihn an und streichelte seine Hand. Dann wurde sie wieder ernst. 'Es tut mir so leid, dass ich dir nicht das erfüllen kann, was du dir wünschst!' Sie sah ihn fast traurig an.
'Feli, das liegt doch an mir!' sagte Jan schnell. 'Tut mir leid. In manchen Momenten kommt das wieder hoch und ich... ich weiß dann einfach nicht, was dann mit mir los ist!''Ich bin dir nicht böse!' sagte Feli leise. 'Ich kann dir gar nicht böse sein!' Sie sah ihn aufmunternd an.
'Danke!' Jan streichelte ein bisschen ihre Schulter. Er sah sie an. 'Du fühlst dich gut an!' flüsterte er.
'Wirklich?' Felicitas erwiderte seinen Blick und sah ihn verunsichert an.
'Du hast so einen schönen Mund, Feli. Es war toll, ihn zu küssen!'
Felicitas schluckte. 'Meinst du das ernst?' flüsterte sie zurück.
Jan nickte. Felicitas Blick glitt hektisch nach links und rechts. 'Irgendwie...irgendwie fand ich es auch schön, als du mich geküsst hast...' stotterte sie und wurde rot.
Sie sahen sich an. Jan zögerte, als er ihren angespannten Körper sah. Aber als er spürte, dass Feli nicht zurückwich, als er eine Hand um ihren Kopf legte und sie langsam zu sich zog, küsste er sie erneut. Es tat so gut, sie zu spüren. Es war der erste Kuss zwischen ihnen und er war noch nie so aufgeregt gewesen. Ganz vorsichtig berührte er ihre zarten Lippen mit seinen, bevor er sie etwas fester küsste. Seine Hände umfassten ihren Kopf, während er mit seiner Zunge ganz vorsichtig in ihren Mund eindrang und ihre Zungenspitze berührte. Ganz langsam ließ er sie um sie kreisen und nahm sich Zeit, ihren Mund zu erforschen. Dabei streichelte er mit seinen Daumen ihre Wangen.
'Mmmh...' Felicitas stöhnte leise.
Jan hielt inne. Dann küsste er sanft ihre geschlossenen Augenlider, ihre Stirn und anschließend ihren Hals, über den seine Lippen glitten. Er verharrte dort einen Augenblick und küsste sie fester. Felicitas krallte sich in seine Schulter. 'Oh Jan...' Dann gab sie sich einen Ruck. 'Jan - das ist nicht gut. Sei mir nicht böse...' Sie löste sich sanft von ihm. 'Es tut mir leid. Ich hab mich da zu was hinreißen lassen.' Sie sah beschämt auf den Boden.'Hey, muss dir nicht leid tun!' lächelte Jan und strich eine Locke aus ihrem Gesicht. Sie sahen sich eine Weile an. 'Ich fand's wunderschön!' sagte er schließlich.'Ja?'
Jan nickte. 'Alleine dafür hat's sich schon gelohnt. Dich küssen zu dürfen!'
Felicitas wurde rot. 'Übertreib nicht!' grinste sie anschließend und wischte sich verlegen durchs Gesicht. 'Oh Gott, es ist mir total peinlich!' Sie errötete erneut. 'Ich kann doch nicht meinen besten Freund knutschen!'
'Du hast es aber getan!' grinste Jan ungerührt und genoss es, wie sie sich genierte.
'Ja. Ja, hab ich. Verdammt... ich wollte das nicht.'
Jan betrachtete amüsiert, wie sie sich die Haare raufte.
'Aber..aber wir kennen uns schon so lange und ich hab dich ja auch gern...' stammelte Felicitas.
Jan stubste sie sanft auf die Nase. 'Ist doch okay!' lächelte er. 'Du musst mir nichts erklären. Ich versteh schon, dass das 'ne einmalige Ausnahme war.'
Felicitas sah ihn dankbar an. 'Du bist der Beste, Jan!'
'Weiß ich doch!' erwiderte Jan grinsend und knuffte sie leicht in die Seite.
'Komm, lass uns reingehen. Die anderen wundern sich bestimmt schon.' lachte Felicitas und sprang auf. Sie nahm seine Hand und zog ihn von der Bank hoch.
Jan durchfuhr ein seltsames Gefühl, als er ihre Hand in seiner spürte. Er überlegte, ob er doch noch nicht ganz drüber hinweg war. Seine Gefühle für Felicitas waren in diesem Moment zumindest wieder sehr stark.

Als sie wieder zurückgekehrt waren, wollten die Mädchen und Mark eine Runde kickern. Jan gesellte sich zu Oliver.
'Glaubst du dass 'ne Frau-Mann-Freundschaft funktioniert?' meinte er beiläufig, während er sein Bier öffnete.
'Wie meinste das denn jetzt?' Oliver sah ihn fragend an.
'Naja... glaubst du, dass eine Frau und ein Mann gut befreundet sein können, ohne dass da was läuft?'
Oliver schüttelte den Kopf. 'Niemals!'
Jan schwieg und spielte mit seinem Kronkorken.
'Ich mein, wenn sie oberflächliche Bekannte sind, vielleicht schon.' fing Oliver plötzlich an. 'Aber sobald eine gute Freundschaft entsteht, isses aus. Mann und Frau sind einfach nicht dafür geschaffen, einfach nur befreundet zu sein, verstehst du?'
Jan zog eine Augenbraue nach oben.
'Mit Frauen kann man nicht befreundet sein... dazu sind sie einfach zu hohl!' grinste Oliver. 'Für's Bett - okay! Aber ich ertrag doch keine Frau, die nicht meine Freundin ist, länger als 10 Minuten. Wenn ich sie jemals so nah an mich ranlasse, dass ich mit ihr alles bequatschen kann und sie echt gern hab, dann geht da auch mehr - verstehst du jetzt, was ich mein?'Jan nickte. 'Ich weiß, was du meinst - Sex oder Beziehung!'
'So isses!' Oliver streckte sich. 'Das liegt einfach in der Natur. Wenn man sich gut versteht, mag man sich eben mehr als freundschaftlich. Die Anziehungskraft ist zu groß zwischen Mann und Frau!'
'Und was sagst du dann zu Feli und mir? Wir sind seit Jahren befreundet, ohne dass was läuft!'
Oliver zuckte die Schultern. 'Alles nur eine Frage der Zeit!' grinste er dann.
'Pffff, so'n Quatsch!' entgegnete Jan, heftiger als beabsichtigt.
'Oder der eine will und der andere nicht - soll's auch geben!' erwiderte Oliver. 'Dann bleibt es bei einer Freundschaft, allerdings einer unglücklichen. Du siehst... Mann und Frau können keine Freundschaft führen, zumindest keine erfolgreiche!' neckte er dann Jan.
Jan wollte schon etwas erwidern, aber hielt es für klüger, nichts dazu zu sagen - andernfalls würde Oliver bestimmt schnell merken, wie er zu Felicitas stand. Bestimmt wusste er es längst oder was sollten seine Anspielungen?
'Mal im Ernst, du kannst mir doch nicht erzählen, dass du Feli nicht toll findest?' Oliver sah ihn jetzt an. 'Ihr hängt seit Jahren zusammen rum. Sie ist hübsch, sie ist eine der wenigen wirklich netten Frauen... also wenn du da nicht wollen würdest, musst du schwul sein!''Hmmmmm!' Jan warf ihm einen bösen Blick zu. Er bedauerte schon fast, irgendwas dazu gesagt zu haben, aber Oliver war wenigstens offen und schonungslos. Er seufzte.'Verdammt, es liegt doch nicht an mir!' stieß er plötzlich hervor und biss sich auf die Lippen, als ihm bewusst wurde, was er da gerade gesagt hatte.
'Aaaahaa!' grinste Oliver. 'Wusst ich's doch!'
'Mmmmh...' murmelte Jan unwirsch. 'Ach hör auf! Sie will nicht, Oliver!' Jan sah ihn an. 'Ich hab letztes Jahr schon mal den Versuch gemacht, aber - keine Chance!' meinte er missmutig.
'Ich sag doch: eine Frage der Zeit!' entgegnete Oliver nur.
Jan schüttelte den Kopf. 'Nicht bei ihr. Wir sind uns so nah, verstehst du? Ich kann sie im Arm halten, sie streicheln, und eben... da haben wir uns sogar geküsst...' Er wurde etwas rot.'Hm?' Oliver zog beide Augenbrauen hoch. 'Menschenskind!' grinste er dann.
'Aber nichts ist! Nicht mal das funktioniert! Also wenn sie auch nicht abgeneigt wäre, würde sie ja wohl spätestens nach dem Kuss nicht mehr so abweisend sein, oder?''Ach Jan, das würde ich nicht sagen!' tröstete Oliver ihn. 'Vielleicht wollte sie
es auch und geniert sich jetzt, weil sie nicht wollte, dass du es merkst!'
'Warum sollte sie das tun, wenn sie genau weiß, was ich für sie empfinde?' meinte Jan.'Ach, es sind halt Frauen. Die sind unlogisch!' erwiderte Oliver. 'Die machen sich immer so verquere Gedanken. Deswegen dauert es ja auch immer so lange, bis man eine an der Angel hat!' grinste er dann. Er sah Jan an. 'Es gibt nur einen Weg, rauszuzufinden, ob ihr wirklich mehr an dir liegt oder sie tatsächlich nur auf Freundschaft aus ist...'
'Aha?' Jan sah ihn misstrauisch an.
'Du musst sie eifersüchtig machen!' riet Oliver. 'Wenn sie eifersüchtig wird, liegt ihr mehr an dir. Wenn nicht, tja... dann würde ich sagen: Freundschaft auf Lebenszeit!' grinste er dann und stieß Jan leicht in die Seite.
'Das ist doch blöd!' entgegnete Jan. 'Was, wenn sie nicht eifersüchtig wird, weil sie mich mag aber es ihr egal ist? Wenn sie nun total un-eifersüchtig ist?'
'Glaub mir, das sind Frauen nie! Sie wird es schon sein - wenn sie dich auch mag!' meinte Oliver großspurig. 'Vertrau auf den großen Oliver!'
'Pfffft!' grinste Jan. 'Und wie soll ich das anstellen, du großer Meister? Ich kenn doch keine Frauen, außer den drei Hübschen dahinten!' Er zeigte zum Kickerraum.
'Genau! Da setzen wir an! Feli scheidet logischerweise ja aus, da sie das Opfer werden soll!' nickte Oliver mit ernster Miene.
'Opfer!' Jan musste lachen. 'Hör auf, so blöd zu reden, sonst krieg ich mich nicht mehr ein!'Oliver verschluckte sich fast an seinem Bier. 'Okay, dann ernsthaft!' grinste er.
'Dein Plan ist fantastisch!' spottete Jan. 'Lilly fällt auch weg - die scheuert mir eine, wenn ich da was versuche!'
'Richtig!' nickte Oliver. 'Bleibt wohl nur noch Jessi!'
'Klasse!' Jan verdrehte die Augen. 'Die ist deine Freundin! Und jetzt?'
'Naja, wir werden zu viert einen kleinen Abend machen...' fing Oliver an. 'Ein bisschen was trinken, dann spielen wir 'ne Runde Wahrheit oder Pflicht...'
Jan zog die Augenbrauen hoch.
'Und wie zufällig, gebe ich dir die Aufgabe, Jessica zu küssen oder so!' beendete Oliver seine Ausführungen.
'Ach ja, und die knallt mir keine, oder wie?' meinte Jan sarkastisch und schüttelte den Kopf.'Du Blödmann, ich weihe sie natürlich vorher ein!'
'Wieso solltest du mir erlauben, deine Freundin zu küssen?'
'Tja... für Freunde muss man doch auch mal was Gutes tun!' meinte Oliver gönnerhaft und grinste. 'Nein, im Ernst... wenn's nicht anders geht, dann geht's nicht anders! Ist schon okay. Ich weiß doch, dass du in Feli verknallt bist, also warum sollte es mir dann was ausmachen, wenn du Jessi küsst? Da wird ja wohl nichts dahinterstecken. Du musst ihr ja nicht gleich deine Zunge in den Hals schieben...'
'Ich weiß nicht...' meinte Jan nachdenklich. 'Was wenn sie tatsächlich eifersüchtig wird und dann sauer auf mich ist?'
'Das wäre doch ideal! Dann kannst du wieder ankriechen und dich entschuldigen und es gutmachen. Frauen stehen doch auf sowas!' grinste Oliver.
'Hmmmm...' Jan schien zu überlegen. 'Naja, erstmal muss Jessi auch mitmachen.'
'Das regel ich schon! Morgen bei uns?' Oliver sah ihn herausfordernd an.
'Naja, okay, also schön.' Jan fühlte sich nicht ganz wohl bei dem Gedanken, aber wenn das tatsächlich eine Möglichkeit war, rauszukriegen, was Feli wirklich dachte...

Am nächsten Abend trafen sie sich bei Oliver und Jessica. Jessica hatte Pizza gebacken und so mampften sie erstmal in aller Seelenruhe, bevor sie sich an die Alkoholvorräte machten.'Feli, es tut mir so leid wegen gestern!' flüsterte Jan Felicitas in einem Augenblick zu, als Oliver und Jessica in der Küche waren.
'Ist okay, Jan!' lächelte Felicitas. 'Mir ist es immer noch schrecklich peinlich, weißt du? Legen wir es unter 'nette Erfahrung' ab und vergessen die Sache!'
'Okay!' lächelte Jan zurück und strich ihr über den Kopf. Sie sah heute wieder so hübsch aus und er hoffte fast, dass sie nichts für ihn empfand, sonst würde er sie an diesem Abend unnötig traurig machen und er wollte sie auf keinen Fall verletzen.
Nach einiger Zeit begannen sie dann mit 'Wahrheit oder Pflicht'. Nach ein paar obligatorischen Wahrheitsrunden zeigte die Flasche auf Jan.
'Wahrheit oder Pflicht?' fragte Oliver.
'Pflicht!' erwiderte Jan und sah ihn an.
'Also gut! Wetten, dass du dich nicht traust, Jessi zu küssen?'
Jan hielt die Luft an. Er zögerte kurz, dann er erhob er sich. 'Ich mach's!' Er schielte zu Feli, die ihn offensichtlich ziemlich erstaunt ansah.
'Wirklich?' Oliver tat gespielt erstaunt.
'Na klar. Jessi sieht ja auch wirklich total klasse aus. Das mach ich doch mit Vergnügen!' Jan wollte eigentlich nicht so dick auftragen, aber jetzt konnte er irgendwie nicht anders. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Feli rot geworden war.
Er zog Jessica von der Couch hoch, schlang seine Arme um sie und presste seine Lippen auf ihre. Langsam fing er an, sie zu küssen und sie erwiderte seinen Kuss. Er stellte überrascht fest, dass es wirklich schwierig war, sie vernünftig zu küssen. 'Ich verstehe die Leute nicht, die das so ganz ohne Gefühl können!' dachte er bei sich, während er sich bemühte, möglichst natürlich rüberzukommen. Er kam sich gerade einfach so unglaublich blöd vor. Er musste bestimmt aussehen wie eine wiederkäuende Kuh auf der Weide oder sowas ähnliches. In diesem Moment bewunderte er jeden Schauspieler, der in der Lage war, seinen Filmpartner zu küssen, als ob nichts wäre. Jan schloss die Augen und bemühte sich um ein wenig mehr Leidenschaft.
Oliver pfiff durch die Zähne. 'Wow!' Er applaudierte.
Mit rotem Kopf ließ Jan von Jessica. Jessica grinste und setzte sich wieder auf ihren Platz. Jan ging ebenfalls zu seinem Platz zurück und schielte zu Felicitas. Bildete er es sich nur ein oder war sie tatsächlich ein wenig blasser geworden? Er glaubte jedenfalls, einen matten, enttäuschten Blick in ihrem Gesicht zu sehen.
Er schluckte. Das Ganze war ihm auf einmal schrecklich unangenehm und er hoffte, dass Feli nicht zu böse auf ihn sein würde.
Felicitas strich sich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. 'Wisst ihr... ich bin irgendwie müde!' murmelte sie. 'Seid mir nicht böse, aber ich glaub, ich geh nach Hause!'
Jan, Jessica und Oliver starrten sie an.
'Jetzt schon?' fragte Jessica, die sich etwas unbehaglich fühlte.
'Ja. Tut mir leid. Ich hab irgendwie Kopfschmerzen...' Felicitas hielt sich die Hände an ihre glühenden Wangen.
Jan warf ihr einen entschuldigenden Blick zu, aber er war sich nicht sicher, ob sie ihn wahrnahm. 'Soll ich dich begleiten?' Er sah sie an.
'Nein, nein, ist schon okay, dann müsstest du ja wegen mir den ganzen Umweg mitfahren!' winkte Feli ab.
'Mach ich doch gerne...' fing Jan an, aber Felicitas schüttelte den Kopf.
'Ist schon okay! Ich denke mal, du willst sicher gerne noch eine Weile hierbleiben... wo du doch gerade so viel Spaß hast!' meinte sie ruhig und sah ihn an.
Jan wurde knallrot. Er kam sich total albern vor. Was sie da getan hatten, war doch der reinste Kinderkram! Ein richtiger Mann von fast 30 Jahren würde diese Sache normalerweise anders regeln und nicht so. Jetzt hatte er sie auch noch gekränkt! Was nützte es ihm zu wissen, dass es ihr offensichtlich etwas ausmachte? Den Nutzen, den er daraus zog, stand in keinem Verhältnis zu der Enttäuschung, die er ihr bereitet hatte.
Er sprang auf. 'Ich komm noch mit zur Tür!'
Feli nickte stumm und packte ihre Sachen zusammen. An der Haustür drehte sie sich noch einmal zu Jan um.
'Mach's gut!' sagte sie leise und Jan glaubte, Tränen in ihren Augenwinkeln zu sehen.'Feli, es tut mir leid!' stieß er hervor.
'Warum? Das muss es nicht! Wir sind doch nicht zusammen?' Felicitas sah ihn mit einem seltsamen Blick an.
Jan errötete erneut. Er verhedderte sich gerade zusehends. Erst sein Verhalten und jetzt diese Ausflüchte! Dabei stimmte es, was Feli gesagt hatte - er war ihr keine Rechtfertigung schuldig und hätte sich auch nicht entschuldigen müssen. So machte es das Ganze nur noch schlimmer.'Ja das stimmt!' erwiderte Jan und bemühte sich um einen festen Klang seiner Stimme. 'Ich... wollte dir nur noch einen schönen Abend wünschen!'
'Danke!' Felicitas lächelte schon wieder leicht.
'Sehen wir uns bald?'
'Klar!' Felicitas nickte und Jans Herz machte einen kleinen Sprung, als sie immer noch lächelte.
Er war so froh. Es gab nichts Schöneres, als sie lächeln zu sehen!
'Klasse!' stieß er erleichtert hervor. Ihm war ganz schwindelig, weil sie ihn total verrückt machte, wie sie ihn so ansah und er am liebsten die ganze Nacht bei ihr gewesen wäre, um sie zu trösten.
'Ciao!' Felicitas umarmte ihn und Jan drückte sie diesmal besonders feste. Es fiel ihm sichtlich schwer, sie loszulassen.
'Tschüs!' Er sah ihr noch hinterher, als sie auf ihr Fahrrad stieg und kehrte dann zu den anderen zurück.
'Siehst du? Ich hab's doch gewusst!' sagte Oliver triumphierend.
'Ich weiß nicht, was du willst! So toll ist es nicht gelaufen! Jetzt ist sie weg...' Jan sah ihn an.'Sie war sichtlich geschockt!' fiel Jessica dazwischen.
Jan drehte sich zu ihr. 'Fandest du?'
Jessica zuckte mit den Schultern. 'Sehr erfreut sah sie zumindest nicht aus!'
'Mist!' Jan sah auf den Boden.
'Jedenfalls weißt du jetzt, dass sie das Ganze nicht ganz unberührt gelassen hat!' meinte Oliver. 'Wenn du mich fragst, liegt ihr schon was an dir!'
Jan sah ihn nachdenklich an.
'Und überhaupt - was heißt hier: 'Das mach ich doch mit Vergnügen?' meinte Oliver gespielt empört und spielte auf Jans Spruch an, bevor er Jessica geküsst hatte.
Jetzt musste Jan lachen. 'Tut mir leid, das war echt nur so ein Spruch... zugegeben, ein bisschen blöder, aber der ist mir so rausgerutscht. Ich wollte einfach was wahnsinnig Cooles sagen!' entschuldigte er sich.
'So viel Vergnügen war es dann doch nicht für mich - bloß harte Arbeit!' grinste er.
Jessica lachte auch. 'Das hat man gemerkt! Sorry Jan, aber du küsst ja wie ein kalter Frosch!''Es sollte mir ja auch nicht gefallen!' entgegnete Jan grinsend.
'Und dir auch nicht, Liebes!' fuhr Oliver dazwischen und sah Jessica gespielt vorwurfsvoll an. Alle lachten. Danach sahen sie sich noch einen Film gemeinsam an und Jan versuchte seinen Kummer mit ganz viel Alkohol zu ertränken. Spätnachts machte er sich dann schließlich auf den Weg nach Hause, auf dem er immer wieder überlegte, wie er es wieder gutmachen konnte.









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