Wenn Ärzte nicht mehr weiter wissen, kommt die Liebe Teil 18

Autor: sandy
veröffentlicht am: 13.12.2008




Am Montag war schon seit langem wieder einmal eine heitere Stimmung in der Luft.
Anthony konnte endlich aus dem Krankenhaus entlassen werden. In den vergangenen Tagen, hatte er viel Zeit zum nachdenken gehabt. Und auch mit seiner Mutter, hatte er viel geredet. Also reden war bei ihm eindeutig das Falsche Wort. Man sollte sagen streiten, passte besser zu ihm. Hannah und Kate fanden es gut, dass er nun in diese Therapie gehen musste. (Was sie natürlich nie vor ihm zugegeben hätten.) Mike aber stellte sich auf die Seite seines Freundes.'Das brauchst du doch nicht!' 'Sag das den Wixern da vorne!' Er nickte mit dem Kopf, zu zwei Ärzten die sich gerade unterhielten. 'Na ja… dann schlägst du dich eben diese zwei oder drei Monate… weis doch auch nicht… durch. Dann hast du es hinter dir.'
'Nein, er wird sich da nicht einfach durchschlängeln! Anthony ich habe mit dem Herrn gesprochen der das leitet. Er wird mir sagen, ob du da aufgetaucht bist oder nicht! Du wirst etwas gegen deine Sucht tun, wenn du nicht wieder im Krankenhaus landen willst!' Kristine hatte seine Tasche auf das Bett raufgeknallt und sah ihn nun ernst an. 'Ich meine es ernst Anthony! Und du Mike wirst ihn gefälligst nicht beeinflussen. Du wirst es tun so oder so! Und glaub ja nicht die Sache mit den Drogen wäre mir entgangen! Du hast mich damit mehr als enttäuscht, als andere! Du verdirbst dir damit dein Leben. Von wem du dieses Zeugs hast, ist mir schleierhaft… Aber wer immer es auch war, war ein hirnloser Vollidiot, der wohl nichts Besseres zu tun hatte, als jungen Menschen die Zukunft zu verderben!'
Mike sah weg, denn er merkte wie er rot anlief. Anthony sah seine Mutter wütend an.'Ich bin nicht süchtig! Ich hab das Zeugs nur zwei Mal in mich reingezogen!' Kristine sah ihn drohend an. 'Anthony ich gebe dir kein Taschengeld damit ich dich nachher in eine Entzugsklinik einweisen kann! Aber das ist jetzt wahrscheinlich damit passiert! Du wirst dich zusammenreissen! Und wenn ich dich mit einer Zigarette im Mund erwische, dann kriegst du gehörigen Ärger Mister!' 'Ich werde schon nicht sterben ab diesen Dingern!' 'Doch genau das tust du wenn du nicht bald damit aufhörst!'
So ging das die ganze Fahrt nach Hause weiter. Am Schluss musste Anthony aufgeben und lehnte sich nach hinten. Hannah sah ihn kurz an und ihre Blicke trafen sich. Er schnitt ihr eine Grimasse zum Zeichen das er voll genervt war und sie musste lachen.
Er war bleicher geworden, schliesslich war er schon seit guten zwei Wochen nicht mehr an der frischen Luft gewesen. Er sah auch noch ein wenig kränklich aus, aber Mr. Wood hatte gemeint das wäre normal.
Als sie zu Hause waren, half Mike die Tasche zu tragen und die beiden Mädchen wollten ebenfalls noch bleiben. Also setzten sie sich alle in die Küche. Mike fühlte sich hier wie zu Hause. Er ging gleich an den Kühlschrank nahm die Cola Flasche heraus und stellte sie auf den Tisch. Frech wie er war, öffnete er sie einfach und fing an darauf zu trinken. Anthony musste grinsen, Kate jedoch warf ihm einen tadelnden Blick zu. 'Mike! Wieso holst du dir nicht einfach ein Glas??' Er zuckte mit den Schultern. 'Oh warum wolltest du auch?' Kate verengte die Augen und schüttelte den Kopf. 'Nein, jetzt nicht mehr.' Der nächste Schock folgte jedoch sofort, den Mike liess einen mächtigen Rülpser raus.
Kate sah ihn völlig schockiert an, Anthony und Hannah mussten jedoch lachen. Mike stimmte ein und klopfte ihr, ziemlich fest auf die Schulter. 'Ach nimm es locker Kate!'
'Und fühlst du dich wieder fitt Kumpel?' Anthony nickte. 'Ja, ich muss unbedingt wieder raus. Ich komm hier sonst noch um!' 'Nein!' sagte Kate streng. 'Anthony wenn du jetzt wieder in diese verrauchten Buden gehst, wirst du echt Mühe haben, mit dem Rauchen aufzuhören! Und glaub ja nicht diese Drogensache wäre uns entgangen, du hast es wieder getan nicht war?' Kate sah ihn durchdringend an. Hannah hob ihren Blick und Anthony sah für einen kurzen Augenblick zu ihr rüber. Er hatte sein Versprechen nicht vergessen…'Ist doch auch egal. Es ist passiert, na und? Drauf geschissen!' Hannah sah weg. Wieder spürte sie diese Unwichtigkeit an sich haften. Dieses Gefühl nicht ernst genommen zu werden! Mike klopfte etwas nervös mit den Fingern auf den Tisch. 'Was läuft heute Abend denn so?' wollte Anthony von ihm wissen um das Thema nicht weiter auszustampfen.Mike zuckte mit den Schultern. 'Keine Ahnung, Jakob wollte bei sich eine Party feiern. Seine Eltern sind weg. Und er hat felsenfest behauptet, dass er die heissesten Bräute von Detroit dort am Start hat, also würde ich sagen-' Er klatschte in die Hände. '-das wir uns dort schnell mal blicken lassen.' Anthony grinste und nahm ihm die Cola weg um selbst trinken zu können. Hannah bereute es plötzlich dass sie hier her gekommen war. Sie stand auf und zog sich die Jacke an. 'Leute ich geh nach Hause, bis morgen in der Schule.' 'Bye.' Anthony sah sie kurz an und nickte ihr nur zu, bevor er sich wieder Mike zuwandte. Kate stand ebenfalls auf. 'Ciao.'
Als die beiden an der Tür waren, kam ihnen Kristine entgegen. 'Hey Mädels geht ihr etwa schon?' 'Ja, bis dann!' sagte Kate. Hannah jedoch sagte nichts, sondern lief einfach weiter.Als sie drinnen war, die Tür abschloss und ihre Tasche an einen Hacken hing, nahm sie ein paar Gesprächsfetzen auf. 'Ja, die haben voll die geilen Bräute dort!' hörte sie Mike begeistert sagen. 'Ist auch die Kleine mit den blauen Strähnen dabei wie hiess sie nochmals?' 'Keine Ahnung, aber wenns die nicht ist, dann eine andere!' beide fingen an zu lachen und Kristine presste kurz die Lippen aufeinander und sah kurz zu Boden. Dann sah sie auf und holte etwas aus ihrer Tasche heraus. Ein Stück Papier, das zusammengefaltet war. Sie öffnete ihn und darauf war in säuberlicher Schrift zu lesen:


Einen Brief an den Himmel

Lieber Gott

Alle Leute sagen, dass du jeden Menschen der je auf dieser Welt gewandelt ist kennst. Die kleinsten Macken die Schwächen und die Stärken.
Deshalb weißt du ja sowieso wer dieses Gebet hier niederschreibt.
Ich weis dass es lange her ist, dass meine Füsse geweihten Boden berührt haben. Was sie ausserhalb dieses Raumes hier betreten, will selbst ich gar nicht wissen, auf alle Fälle ist es alles andere als heilig.
Ich kann verstehen dass du mich jetzt wahrscheinlich gar nicht anhörst, weil ich dich in den letzen Jahren gar nicht gesucht habe.
Aber ich konnte den Geschichten der Kirche einfach keinen Glauben schenken. Ich weis nicht wieso… ich wollte logisch denken. Die Welt mit klaren Augen sehen und nicht daran glauben dass sie in sieben Tagen erbaut worden ist. Mich in diese Welt zu verkriechen und darauf zu hoffen, dass du alles für mich regelst, fand ich falsch! Ich wollte es selbst in die Hand nehmen und versuchen meinen Weg alleine zu finden, ohne deine führende Hand….
Ich glaube nur… ich hatte es viel zu eilig. Denn es ist etwas gekommen, womit ich nicht gerechnet hatte.
Dieses Gebet das ich hier niederschreibe ist nicht für mich gedacht. Es ist für Anthony.Ich weis dass du nicht wie meine Eltern, die Augen verdrehen wirst, wenn du seinen Namen hörst. Ich weis das er kein vorzeige Schüler ist! Er ist auch keiner deiner Engel!
Aber er ist ein Mensch! Ein sehr junger Mensch, der vielleicht morgen schon nicht mehr unter uns sein wird, weil er es sich einfach nicht verkneifen konnte, eine Sache zu tun, von der er eigentlich die Finger hätte lassen sollen. Er ist nicht perfekt… aber wer auf dieser Welt ist schon perfekt?! Keiner!! Wieso wird er also gerade aus diesem Leben gerissen? Jeder hat ein Recht zu leben! Jeder Mensch hat ein Anrecht darauf, alt zu werden und seinen Enkeln etwas davon erzählen zu können… Wieso Anthony nicht?
Drei Menschen sitzen jetzt gerade in seinem Zimmer, verängstigt, verbittert und verzweifelt, und warten auf Antworten!! Hoffen dass Anthony die Augen aufschlägt und ihnen sagt dass es ihm gut gehe! Hoffen darauf dass irgendein Arzt rein kommt, und ihnen erklärt das sie sich keine Sorgen um diesen Jungen machen müssen…
Seine Mutter würde alles für ihn hinschmeissen, würde sogar ihr Leben geben, damit ihr Sohn weiterleben könnte. Sie ist ein so guter Mensch, der so viele Male verletzt wurde, warum… WARUM tust du ihr das an und lässt den einzigen Menschen den sie noch hat, hier in der Intensivstation landen??!
Eine Person steht hier, hält einen Stift in der Hand und schreibt sinnloses Zeugs auf ein Blatt Papier, das man in einem Jahr wahrscheinlich auf der Mülldeponie wieder finden wird…Kann nichts tun…. Kann nichts sagen… hätte keine Ahnung was sie machen könnte um diesen Jungen nicht verlieren zu müssen… Man hört nicht einmal seinen Atem, das Einzige was man hört ist das Piepen! Angst dass es aufhören könnte, Angst dass es plötzlich ein anderes Geräusch macht, als das er eigentlich normalerweise machen müsste…
Ich habe solche Angst um ihn!!
Er bedeutet mir mehr, als ich es zugeben würde. Keiner weis es… nicht einmal meine Freunde… er schon gar nicht, denn ich hätte sowieso nicht die geringste Chance bei ihm…Jeden Tag hat er ein anderes Mädchen. Jeden Tag muss ich die gleichen Schmerzen durchmachen, wenn ich ihn mit einer anderen sehe. Es tut so unglaublich weh…. Denn ich liebe ihn so sehr!! Ich liebe ihn so fest! Ich will es aber gar nicht, denn ich warte auf etwas, das nie passieren wird!! Wieso muss ich diese Schmerzen nur durchmachen, wenn es sowieso nichts bringt… meine Hoffnung ist längst aufgegeben und die stirbt, wie man es so schön sagt zuletzt. Seine grobe Art die er sogar manchmal an mir auslässt, verletzt mich. Ich hab ihm doch gar nichts getan… Aber trotzdem kann ich nie lange auf ihn wütend sein.
Ein Lächeln von ihm genügt und ich schwebe wieder im siebten Himmel… Dann kommt aber wieder mein Gewissen und zeigt mir wie es wirklich ist und ich falle schmerzhaft auf einen harten Botonboden. Aber obwohl er so viele Macken und Fehler hat, kann ich ihn nicht hassen. Ich will das es ihm gut geht… und nicht das er den Rest seines Lebens in einem Krankenbett verbringen muss und tausende von Medikamente schlucken muss.
Ich bete dafür, dass er wieder gesund wird. Ich bete dafür, dass er endlich aufhört sich in Gefahr zu bringen und sich mit den falschen Leuten abgibt. Ich bete dafür das er weiter leben kann… und glücklich wird. Ich bete dafür dass er noch viele Male den Sonnenuntergang und den Sonnenaufgang miterleben kann, ich bete dafür dass er lernt sich an den kleinen Dingen zu freuen… an einer Wolke die komisch aussieht. An einem Schmetterling, an dem Leben selbst. Ich bete dafür dass er es zu schätzen lernt in jeder kleinen Hinsicht…
Ich bete nur für ihn…

Hannah

Auch Kristine glaubte an Gott und war in der Nacht, als Anthony den Anfall hatte, in diese kleine Kappelle gegangen. Dort hatte sie den Brief gefunden den Hannah geschrieben hatte und ihr waren die Tränen gekommen.
Sie wusste dass Anthony ihr jetzt das Herz brechen würde. Sie hatte allerdings nicht die Hoffnung aufgegeben, das er eines Tages doch noch kapieren würde um was es im Leben wirklich ging. Als Mike weg war und Anthony in seinem Zimmer verschwunden war. (er durfte nicht an die Party), ging sie in die Küche und öffnete eine schmale Schublade in der aller möglicher Krims Krams drin war. Stifte, Klebstoff, Klebeband, Schere, Nägel ect.Sie schob die Sachen beiseite, legte den Brief darunter und verdeckte ihn wieder. Anthony würde ihn bekommen. Aber wenn die Zeit reif war.







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