Wenn Ärzte nicht mehr weiter wissen, kommt die Liebe Teil 17

Autor: sandy
veröffentlicht am: 15.11.2008




'Anthony hörst du mich?' Eine Stimme, die sich anhörte als wäre er im Weltraum, ertönte durch den Lautsprecher. Erde an Anthony! Bitte melden Anthony!
'Ja, ich kann sie verstehen.' Brummte er etwas verärgert. Schon seit einer Viertelstunde lag er nun in dieser Röhre um sein CT zu machen. Ruhig und still lag er da, während er sich überlegte wie er überhaupt hier her gekommen war.
Seit er aufgewachte ist, haben ihn die Ärzte wieder und wieder in diese Röhre hineingesteckt um sein Gehirn zu untersuchen. Aber nicht nur das. Sein ganzer Körper war durchgecheckt worden, von oben bis unten. Den schlimmsten Teil, hatte er gerade hinter sich:
Genitaluntersuchung.
Er hätte dem Typen am liebsten eine reingehauen, als er so an seinen Eiern rumgefummelt hat und innerlich hatte Anthony ihn auch schon als schwul abgestempelt.
Mike fand es einfach nur zum brüllen komisch.
Seine Freunde und auch seine Mom, waren jeden Abend bei ihm.
Kristine die fast zwei Tage bei der Arbeit gefehlt hatte, hatte fast ihren Job verloren.Kate, Hannah und Mike mussten sich irgendeine Ausrede einfallen lassen, warum sie die letzen zwei Tage nicht in der Schule erschienen sind. (Mike war angeblich krank, Hannah hatte einen Zahnarzttermin und Kate hätte fast gesagt, das sie beim Frauenarzt gewesen wäre… besann sich dann aber eines Bessern und flunkerte, ihr wäre wirklich übel gewesen.)Zu Anthonys grosser Überraschung war heute Morgen sogar sein Turnlehrer Mr. Jackson erschienen um sich zu erkunden wie es ihm geht.
So einen durchtrainierten, gesunden Typen neben sich sitzen zu sehen, hatte ihn aber überhaupt nicht aufgemuntert. Im Gegenteil. Er fühlte sich nur noch mehr wie ein Krüppel.Er hasste es in diesem Krankenhaus zu sein. Der Geruch, die Leute und das ewige Antibiotika schlucken, gingen ihm gehörig auf die Nerven.
Wenn er sich im Spiegel ansah, dann sah er plötzlich nicht mehr Anthony. Sondern einen kahlen, blassen Jungen, der ohne seine Hip- Hop Klamotten gar nicht mehr so aussah, wie man Anthony eben kannte. Er fand nur eine Sache gut. Und zwar die Krankenschwestern!'Okay, Anthony! Wir sind fertig!' Eine Stimme holte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück. Er würde aus der Röhre raus gefahren. Er streckte sich kurz und erhob sich langsam.Mr. Wood, der Arzt der Antony nun fast jeden Tag zu Gesicht bekam, erschien.Seine grauen Haare waren säuberlich frisiert. Sogar sein Schnurrbart! Doch irgendetwas machte ihn sympathisch. Anthony hatte keine Ahnung wieso, aber er war der einzige Arzt hier drin, den er mochte. Vielleicht lag das daran, das noch irgendetwas menschliches in ihm steckte, und er Anthony nicht behandelte wie einen kaputten Roboter, der nur Medis schlucken und liegen bleiben sollte.
Er hielt ein Klemmbrett in der Hand, auf dem irgendetwas draufstand.
'Also… deine Blutwerte sind wieder recht normal. Deine Lungen erholen sich dank der Antibiotika wieder langsam. Deine Nieren sind okay… es stabilisiert sich eigentlich alles wieder bei dir. Das ist sehr gut.' Anthony atmete erleichtert auf. Doch er erkante, nichts davon in Mr. Woods Gesicht. 'Was ist denn? Ist das nicht gut?' Mr. Wood nickte. 'Oh doch, das ist sogar sehr gut. Und wenn das so bleibt, kannst du am Montag auch schon wieder raus. Aber, ich will dass du eine Therapie machst.' Anthony sperrte die Augen auf. 'Wie bitte?' Mr. Wood nickte und nahm sich die Brille ab. 'Du weißt ja dass wir Überreste von Drogen in deinem Blut gefunden haben, als wir es untersucht haben. Und ich denke, dass wenn du aus diesem Krankenhaus herausläufst, du mit ziemlicher Sicherheit, innerhalb einer Woche wieder hier drin landen wirst, wenn ich dir den Zugang zu dem Alkohol und Zigaretten wieder zulasse. Deshalb musst du von nun an, in eine Therapie. Dort wirst du lernen, deine Sucht zu stoppen.'
'Aber ich bin nicht süchtig!' rief Anthony. Er war wütend und fühlte sich verarscht! Die konnten ihn doch nicht einfach in eine Klapsmühle stecken! 'Ich hab von dem Zeugs nur zwei mal was abgekriegt!' 'Aber das hat gereicht um dich Krankenhausreif hinzurichten. Anthony ich will dir damit helfen! Das ist besser für dich.' 'Ja, klar. Besser für mich. Mich einfach in ein Irrenhaus zu stecken, finden sie also geil?' Mr. Wood zog seine dicken, grauen Augenbrauen hoch. 'Anthony das ist kein Irrenhaus. Nur eine Entzugsklinik.' 'Ist doch eh das Gleiche.' Brummte er. Seine Hände fingen an zu zittern. Er hatte in den letzen zwei Wochen, keine Zigarette angefasst oder auch nur gesehen. Er wurde schnell nervös und musste jeden Tag darum kämpfen, dass seine Gedanken nicht immer darum herum schweiften.
'So oder so, musst du diese Therapie machen. Es ist nur zu deinem Besten. Du musst von diesem Zeugs wegkommen!' Anthony schnaubte. Am liebsten hätte er jetzt in irgendetwas reingeschlagen! Er ballte seine Hand zu einer Faust und drückte sie auf die Gummimatte auf der er jetzt sass. 'Hörn sie mal, ich muss da nicht hin. Ich kann das auch ohne diese Leute dort schaffen.' Es sollte eigentlich ein flehender Unterton in seiner Stimme mitschwingen, aber da Antony leider einen zu grossen Stolz hat, lies er ihn weg, und sah Mr. Wood nur stur an. Aber der schüttelte nur den Kopf. 'Das bezweifle ich. Wenn ich dir jetzt den Rücken zudrehen würde und dir eine Packung Zigaretten hinstellen würde, würdest du die dann in den Mülleimer schmeissen?' Das würde er nicht tun und auch Anthony wusste das. Würde das aber in diesem Moment niemals zugeben! Also blieb er einfach nur stumm und stur sitzen.Mr. Wood konnte sich denken dass er eine unermessliche Wut auf ihn hatte, aber einestages würde ihm der Junge dafür dankbar sein.
'Ich bleibe dabei und deine Mutter ist ebenfalls einverstanden. Du wirst jeden zweiten Tag, an einer Therapiestunde teilnehmen. In einer Gruppe.' Anthony mahlte seinen Kiefer hin und her. Er hätte ihm am liebsten in das Gesicht geboxt. 'Und wie lange muss ich da hin?' fragte er zähneknirschend. 'Fürs Erste, drei Monate.' Das war zu viel!
'Was drei Monate? Soll dass ein Scherz sein? Das kann doch nicht ihr ernst sein!' Seine Stimme wurde bei jedem Wort lauter. 'Das werd ich sicher nicht tun!'
'Du musst wohl oder übel Anthony.' 'Ich soll also in einem Raum voller Freaks rumhängen, und mir anhören was für Probleme die haben? Das interessiert mich doch einen Scheiss!'Hallo mein Name ist Anthony Smith und ich bin Alkoholiker. Selbst bei der Vorstellung wurde seinem Ego übel und er schüttelte innerlich hysterisch den Kopf.
'Nein Dok, das können sie vergessen.' Mr. Wood sah kurz auf den Boden und dann wieder in Anthonys schmales, wütendes Gesicht hinein. Seine blauen Augen funkelten ihn wütend an. 'Hör mal… Sieh es doch mal positiv. Wenn du von dem Alkohol und den Zigaretten wegkommst, dann musst du dich nie mehr hier mit all diesen Tests durchschlagen. Das waren zwei richtig üble Wochen für dich, ich weis und ich weis auch, das du keine Lust hast, hier weiter verweilen zu wollen. Also-' beendete Mr. Wood seinen kleinen Vortrag, mit einem kleinen Hoffnungsschimmer das Anthony vielleicht doch noch seinen sturen Schädel aufmachte. 'Warum lässt du dir nicht einfach helfen, so das du hier nie mehr einen Fuss hineinsetzten musst?' Anthony sah ihn mit einem harten Gesichtsausdruck an.Er hatte natürlich recht, das wusste er. Und er hasste es wirklich hier drin zu sein…'Was ist wenn es nichts bringt?' Zum ersten Mal sah Mr. Wood einen kleinen Funken von Angst in Anthonys Augen. Er sah ihn ernst an.
'Anthony… wenn man stur genug ist und etwas wirklich will, dann schafft man das. Ich war noch nie drogensüchtig. Muss ich als erstes sagen und deshalb weis ich nicht wie es ist, von dem Stoff wegzukommen. Aber ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich selber mal Raucher war. Viele Jahre lang. Und glaub mir, es war nicht leicht plötzlich ein Leben ohne sie zu führen. Ich war mir daran gewöhnt immer etwas in den Händen zu halten. Ich muss heute noch darum kämpfen, nicht zu ihnen zurückzugreifen. Vor allem in Stressmomenten.Ist dir aufgefallen das ich immer einen Stift in der Hand halte?' Anthony sah zum Ersten Mal auf Mr. Woods Hände und erkannte wie er an einem Kugelschreiber rumfingerte.
Er sah wieder auf und dieses Mal umspielte ein Lächeln sein Gesicht. 'Wir alle müssen manchmal Dinge tun, die uns… und verzeih mir jetzt bitte meine Aussprache, ankacken. Aber wenn man weis, wofür man es macht, dann hilft das einem. Und glaub mir… stur genug bist du auf alle Fälle.'


Als Anthony wieder in seinem Zimmer war und aus dem Fenster sah, stutze er.
Er hatte überhaupt keine Lust auf das was ihm bevorstand. Die Wut in ihm war inzwischen abgeklungen und war in ein flaumiges Gefühl übergegangen, das sich in seinem Körper breitmachte. Was wenn es nicht klappte? Was wenn es nichts nütze?
Plötzlich fiel ihm etwas ein: Er hatte Mr. Wood überhaupt nicht gefragt, weswegen er aufgehört hatte….







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