Wenn Ärzte nicht mehr weiter wissen, kommt die Liebe Teil 16

Autor: sandy
veröffentlicht am: 25.10.2008




Es gab viele Dinge was Anthony war. Er war manchmal witzig und aufgestellt, wieder rum war er aggressiv, wütend und total explosiv drauf. Dann gab es wiederum Momente an denen er still war und es vorzog, wild mit den Mädels zu flirten. Und wiederum an manchen Tagen, hatte er die grösste Klappe von allen.
Kurz: Stimmungsschwankungen schlimmer als bei einer Frau.
Man konnte nicht sagen, dass das bei ihm ungewöhnlich wäre, aber man konnte wissen, dass er nicht immer so gewesen war…

'Verdammt Kristine! Ich hab dir doch gesagt, dass ich die Sauce nicht mit diesen verdammten Gewürzen will! Willst du mich verarschen oder was ist los??!!' Eine wütende und feste Stimme erklang in der Wohnung der Familie Smith und lies die Knie von Anthony erzittern.Seine verstrubbelten strohblonden Haare, streckten sich in allen Himmelsrichtungen, seine blauen Augen sahen etwas ängstlich zu seiner Zimmertür. Nicht schon wieder! Ging es ihm durch den Kopf.
Er sprang vom Bett herunter und schlich sich nach draussen, damit er besser hören konnte, was unten in der Küche ablief. 'Entschuldige Frank... ich- ich hab es vergessen.'
Eine zittrige Frauenstimmer erklang. 'Mom.' Murmelte Anthony traurig und umklammerte das Geländer aus Holz ein wenig fester.
'Ach ich scheiss langsam drauf! Ist doch sowieso immer wieder das Gleiche! Ist doch alles Schrott!' Ein Geräusch von einem Streichholz ertönte und Anthony sah das grauer Rauch in die Luft stieg.
'Man ich halt das bald nicht mehr aus! Das ist das reinste Ghetto hier!' Sein Vater schob wieder einmal die Krise, weil ihm irgendetwas nicht passte. Das Problem war, das er meistens die Wurzel allen Übles war und nicht seine Mutter. Anthony konnte nun den Rücken seines Vaters sehen. Er hatte wie er blonde Haare, nur das sie bei ihm schon etwas dunkler geworden waren.
'Meinst du, du wärst der einzige der es schwer hat Frank?' Kristines Stimme erklang, aber sie war nicht so fest und grimmig wie die von ihrem Partner. Eher eingeschüchtert und zittrig.'Was hat denn das damit zu tun? Ich rede von mir! Und nicht von den anderen!' Anthony sah den Arm von seinem Vater eine ungeduldige Bewegung machen und ein wenig Asche verteilte sich auf dem Boden.
'Falls es dir nicht aufgefallen ist, hast du eine Familie! Du kannst nicht mehr nur von dir alleine reden.' Konterte Kristine etwas kälter. Dafür kassierte sie einen wütenden Blick von Frank so dass ihr die nächsten Worte gleich im Hals stecken blieben.
'Weißt du wie sehr mir diese 'Familie'-' er legte eine gewisse Betonung auf das Wort.'Am Arsch vorbei gehen kann??! Ich hab genug! Genug von diesem Ghetto und dem verdammten Chaos hier! Und der Jungen der die ganze Zeit nur Unsinn im Kopf hat! Ich habe dir gesagt schieb ihn ab, als er zur Welt gekommen ist, aber du musstest diesen Burschen ja unbedingt mit nach Hause schleppen. Jetzt sind wir zu dritt! Ahh ist das nicht schön?! Nein!! Es ist schiesse! Er muss endlich lernen erwachsen zu werden!' Frank hatte seine Stimme nun so dermassen erhoben, dass sich Anthony die Ohren zuhielt. Seine Augen und Wagen waren feucht. Er wollte dass es aufhörte!! Aber das was ihn am meisten verletzte stand genau unter ihm.
Seine Mutter. Sie weinte!! Seine Mom! Er dachte das wenn man Erwachsen wäre, nicht mehr weinen müsste. So hatte es ihm sein Dad eingeredet.
'Anthony!' Mit diesen Worten hatte er ihn immer am Kragen gepackt und auf die Beine gezogen. Dann hatte man ihm grob die Tränen von der Wange gewischt und ihm eine kleine Ohrfeige gegeben. 'Anthony! Sei ein Mann! Männer weinen nicht!' hatte sein Vater ihm immer streng gesagt. 'Hast du mich verstanden.' Anthony sah ihn mit seinen grossen, blauen Augen ängstlich an und schüttelte dann leicht denn Kopf. 'Was soll das heissen nein??!'Die Stimme seines Vaters ertönte noch furchteinflössender, noch kälter… Mit einem entschlossenen und harten Gesicht hatte Frank ihm fest in die Augen geblickt.'Junge, wenn du immer nur weinst wirst du nie zu etwas werden! Du darfst nie weinen! Niemals! Das zeigt Schwäche! Und du bist kein Schwächling! Verstanden?!' Anthony hatte sich nicht getraut nochmals den Kopf zu schütteln und so hatte er genickt. 'Gut!'

'Er ist erst zwölf! Und zu deiner Information ist es auch dein Junge! Anstatt ihn die ganze Zeit auf seine Fehler hinzu weisen, würdest du ihn lieber mal in den Arm nehmen und Zeit mit ihm verbringen!!' Die Stimme seiner Mutter holte ihn wieder zurück.
'Damit er noch verweichlicht? Bist du verrückt??' 'Er ist erst zwölf Frank!' 'Jah eben! Alt genug sein Leben langsam selbst in die Hand zu nehmen! Als ich zwölf war, durfte ich nicht in mein Zimmer gehen und spielen! Ich musste meinem Vater helfen!'
Er nahm den letzen Zug von seiner Zigarette und warf sie neben Kristine in das
Waschbecken. Sie zuckte zurück, damit sie der Zigarettenstummel nicht traf.
'Die Zeiten haben sich geändert! Er muss nicht helfen, er muss lernen, damit aus ihm mal etwas Anständiges wird! Also hör auf deinen eigenen Jungen fertig zu machen, denn es trifft ihn keine Schuld!' Kristine klammerte sich am Waschbecken fest.
Anthonys Augen glitzerten vor Tränen und er konnte fast nichts mehr sehen.
Er rannte in sein Zimmer, schloss die Tür und versuchte die Tränen herunter zu schlucken. Doch ein dicker Kloss in seinem Hals hinderte ihn daran. Es tat schon richtig weh zu atmen. Es war wie als würde ihm jemand, die ganze Luft wegnehmen!
Er wischte sich mit dem Handrücken über die Augen und wischte ihn dann an seinem T-Shirt ab. Niemand durfte sehen, dass er geweint hatte! Man durfte nicht weinen! Sonst war man kein Mann! Und er wolle unbedingt einer sein! Tapfer kniff er die Augen zusammen und holte tief Luft, damit sich der Klos löste.
Unten ertönten noch immer wütende Stimmen und als er einige Zeit später eine Tür krachend ins Schloss fallen hörte, wusste er dass sein Vater wie üblich wieder mal aus der Wohnung gestürmt war.
Das war das letzte Mal das Anthony seinen Vater gesehen hatte. Er hatte in der darauf folgenden Nacht heimlich seine Sachen gepackt und war verschwunden. Wohin?
Das wussten weder Kristine noch Antony. Aber was für Anthony am schlimmsten war, war mit anhören zu müssen dass er an dem ganzen Schlamassel schuld gewesen war.
Kristine versuchte ihm die ganze Zeit bei zu bringen, das er nichts dafür konnte und das sein Vater nicht beisammen gewesen war, als er das gesagt hatte. Aber es nütze nichts. Diese Botschaft hatte sich in Anthony eingebrannt. Er fühlte sich fehl am Platz. Wie ein Mensch der nicht willkommen war auf der Erde.
Er hatte sich mit den Jahren die kamen, so sehr an den Gedanken gewöhnt, dass er sich gar nicht die Mühe gab, etwas Anständiges aus sich zu machen.
Denn für ihn, so dachte er, hatte es sowieso keine Zukunft. Also warum an später denken, wenn er nur im hier und jetzt leben würde? Für ihn gab es kein später, keine zweite Chance und keinen Schutzengel! Was machte dann sein Leben lebenswert?
Eine Zigarette? Ist in zwei Minuten schon geraucht!
Ein paar hübsche Drogen, bei denen du dich dann auf einer rosa Wolke wiederfindest, die man schon vor 24 Stunden gesehen hat? Die Wirkung hält nur ein paar Stunden an!Trinken und sich volllaufen lassen bis der Arzt kommt? Man erwacht am nächsten Tag nur mit einem hübschen Kater und einem kleinen Flittchen das neben einem im Bett liegt und das man aus versehen noch geschwängert hat.

Aber wenn diese Dinge das Leben nicht lebenswert machten was dann??
Er wusste es nicht…
Plötzlich war es als ob ihm jemand grob von hinten anschupsen würde…
Zuerst ein Mal… wer machte das?? Er wollte sich umdrehen, aber es ging nicht…
wieder schubste ihn jemand etwas nach vorne. Wer zum Teufel war das?! Wütend wollte er herumschnellen und diesem Idioten eine reinhauen, aber er war wie gefesselt in seiner eigenen Welt… er konnte sich nicht bewegen.
Eine Hand lag plötzlich auf seiner Schulter. Er wollte sie packen, sich umdrehen, dem Typen in die Augen sehen. Aber es ging alles viel zu schnell.
Er spürte einen heftigen Druck in seinem Rücken. Spürte wie sich die Hand fester um seine Schulter schloss, ihn dann packte und nach hinten riss. Er verlor den Boden unter den Füssenund schnappte nach Luft. Er fühlte sie… roch sie… wie sie sanft in seine Lunge hineinströmte und seinen Körper versorgte.
Plötzlich wurde es heller. Etwas Warmes ruhte auf seinen Augenliedern. Er versuchte sich zu bewegen, und er fühlte wie seine Fingerkuppen, etwas Weiches trafen.
Ein Piepen drang an sein Ohr und leise Stimmen. Er spürte wie seine Lungen wieder Luft in sich aufnahmen und ausschieden… eine zweite Chance von einem Engel.







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