Wenn Ärzte nicht mehr weiter wissen, kommt die Liebe Teil 11

Autor: sandy
veröffentlicht am: 24.08.2008




Das Wochenende verging langsam und mit seinem Ende kamen die neuen Sorgen.
Kristine, Anthonys Mutter hätte am liebsten ihren Job hingeschmissen, damit sie 24 auf 24 Stunden bei Anthony hätte sein können. Mike, Kate und Hannah wussten was sie
durchmachte, denn sie selbst hätten ebenfalls am liebsten die Schule geschwänzt.
Hannah war das ganze Wochenende nicht von Anthonys Seite gewichen. Genau so wenig wie seine Mutter, Kate und Mike.
Das Wochenende brachte also nicht nur Sorgen, sondern auch Rückenschmerzen und ständiges Pochen im Kopf, da alle viel zu wenig Schlaf abbekommen hatten.
Anthonys Schmerzen in der Brust waren zum Glück nicht mehr so schlimm wie am Anfang.Er sagte zwar, dass er nicht mehr so einen Druck spürte, ein kleines Stechen aber hin und wieder auftauchte.
Am Wochenende musste sein Körper ganze fünf Mal von oben bis unten abgecheckt werden.Es wurde zwar kein Tumor gefunden, doch man stellte fest, dass in seiner Lunge noch eine kleine Arterie beschädigt worden war.
Die musste sofort mit Medikamenten behandelt werden, zur Vorsorge das sich keine Infektion bildete.
Alles zusammen hiess für Anthony nur eines: Bettruhe, keine Zigaretten und kein Alkohol. Von den Drogen ganz zu sprechen! Obwohl er nur zwei Mal davon gebraucht gemacht hatte, hatten die Wirkungen ausgereicht um ihn Krankenhaus Reif hin zu richten.
Er war also doch nicht so ein harter Kerl, wie er immer vor zu geben gab!
Am Sonntag spät am Nachmittag mussten sich alle von ihm verabschieden, was von Kristines Seite wieder zu Tränen führte.
Hannah hatte sich fest vorgenommen erst zu Hause ihren Tränen freien Lauf zu lassen, aber als sie ihn umarmte zum Abschied, flossen sie ihr in Strömen über das Gesicht.
'Hey… Han mach dir keine Sorgen mir geht es besser!' Er sah ihr genau in die Augen und Hannah bekam eine Gänsehaut. 'Trotzdem.' Er wischte ihr die Tränen mit dem Finger weg und lächelte ihr aufmunternd zu. Als Hannah dieses Lächeln sah, baute sie das auf der Stelle wieder auf. Sie lächelte zurück und wischte sich die übrigen Tränen weg.
'wird schon wieder…' Als sie zur Tür gehen wollte, spürte sie plötzlich seine Hand auf ihrer.Sie drehte sich um und er lies sie los indem er ihr sanft darüberfuhr.
Er lächelte nochmals. Hannahs Herz wäre ihr vor Freude beinahe aus der Kehle gesprungen.Das war gerade so schön gewesen! Das hatte er noch nie gemacht! Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen ging sie an Mike vorbei. Er verabschiedete sich noch und machte sich dann nachdenklich mit den anderen auf den weg…

Als am Montag die Schule wieder anfing wären die drei am liebsten im Erdboden verschwunden. Alle aus der Klasse wollten wissen, was den nun mit Anthony los war.Ashley seine 'Freundin' erkundigte sich natürlich als erste, obwohl sie sich am Wochenende nicht einmal die Zeit genommen hatte um nach ihm zu sehen!
Hannah hätte ihr am liebsten den Hals umgedreht.
Mike hatte schwer mit seinen Nerven zu kämpfen. Alles und jeden ging ihm auf den Wecker. Am Mittwochmorgen dann in der Pause hörte er wie sich Jake, ein Mitspieler aus dem Football Team (dem Anthony die Freundin ausgespannt hatte) über das lustig machte was mit Anthony passiert war.
'Geschieht dem Wixer recht! Wenn er wieder raus kommt, schick ich diesen Mistkerl gleich wieder rein!' Das war zu viel gewesen. Mike war ausgerastet und eine zehn Minuten lange Schlägerei ging los. Mike, der zwar kleiner aber mehr Tricks auf Lager hatte beim zuschlagen, kam mit einer dicken Lippe und ein paar Kratzern weg, während er Jake fast zu Tode geprügelt hätte, wenn nicht zwei Lehrer und der Sportlehrer gekommen wären um ihn von Jake weg zu zerren.
Während sie ihn in das Schulzimmer zerrten schmetterte Mike, Jake noch alle erdenklichen Schimpfwörter und Flüche an den Kopf.
Er musste nach der Schule zwei Stunden lang nachsitzen und das die nächsten vier Wochen.Was Hannah anging: Sie wurde am Sonntagnachmittag wütend von ihren Eltern empfangen. Sie wollten wissen warum sie nicht wenigsten am Abend nach Hause gekommen wäre und ob sie überhaupt wisse, was für sorgen sie sich gemacht hätten.
'Ach seid doch still!' hatte Hannah aufgebracht das Wort ergriffen. Ihre Mutter hatte sie überrascht angesehen. 'Anthony liegt im Krankenhaus! Ihm gehtes alles andere als gut, und alles was euch einfällt ist mir zu sagen, das ich am Abend hätte nach Hause kommen sollen!'Es entstand ein ziemlich heftiger Streit daraus, der damit endete das Hannah in ihrem Zimmer verschwand, sich auf das Bett schmiss und anfing zu weinen, während sich ihre Mutter draussen noch mit ihrem Vater zankte. ('Er ist ein Freund von ihr, lass sie doch gehen!' hatte ihr Vater versucht sie in Schutz zu nehmen. 'Nein! Er gehört zu den Sorten von Typen, die sie nur auf den falschen Weg bringen werden! Und das werde ich nicht zulassen!') so ging es bei der Familie Roberts das restliche Wochenende weiter und zog sich bis in die nächste Woche hinein.
Kate hatte weniger Probleme. Ihre Eltern wollten wenigstens wissen wie es Anthony ging.

Nach der Schule schlichen sich Hannah und Kate zu Mike ins Nachsitzzimmer.
'Er ist doch schon längst durch das Fenster abgehauen!' Hannah bezweifelte stark, dass Mike ohne Aufsicht nachsitzen würde.
Aber zu ihrer grossen Überraschung sass er tatsächlich drin.
Mit leerem Blick starrte er an die Wandtafel. Er war tief in seinen Stuhl eingesunken.
'Hey…' sagte Hannah behutsam und trat ein. Er nickte den beiden zu. Sie setzen sich vor ihn hin. 'Wieso bist du denn noch hier drin?' fragte Hannah und stellte ihre Schultasche auf den Boden. Er zuckte mit den Schultern. 'Keine Ahnung… weil ich wahrscheinlich nichts besseres zu tun habe…'
'Wieso musstest du diesen Typen auch verprügeln?' fragte Kate. 'Wieso? Wieso?!' Mike erhob sich und sah Kate wütend an. 'Weil er meinen besten Freund beleidigt hat dieser Penner! Glaubst du echt so was lass ich mir gefallen?! Glaubst du echt?!!'
Kate war von ihm einen Schritt zurückgetreten. 'Ja, ich weis… nein, würd ich ja auch nicht… Aber-' 'Was aber Kate?!' Er sah ihr direkt in die Augen und als sie seinen wütenden Blick sah, blieben ihr die Worte im Hals stecken. Tränen traten in ihre Augen. Sie schnappte sich ihre Schultasche und ging hinaus. 'Kate!' rief ihr Hannah hinterher doch sie war schon weg.Mike fuhr sich durch sein Haar. 'Na klasse.' Brummte er und liess sich wieder auf den Stuhl plumpsen. 'Musstest du sie so anfahren?' fragte ihn Hannah wütend, stand ebenfalls auf und ging.
Sie fand Kate draussen wieder, wie sie sich die Tränen wegwischte. 'Hey alles in Ordnung?' fragte Hannah behutsam und legte ihr den Arm um.
Sie nickte. 'Ja…. Aber ich hab ihm doch nichts getan! Mir gleich so Angst einzujagen musste nicht sein!' Kate bekam eine Gänsehaut, wenn sie Mikes wütenden Blick wieder vor sich sah. Hannah hatte ihn auch gesehen und auch ihr war für eine Sekunde kurz das Herz stehen geblieben.
'Auch egal… dieser Idiot wird sich wohl nie ändern!' schimpfte Kate leise.
'Ich geh glaub lieber nach Hause… wir sehen uns morgen Hannah!' sie umarmte ihre Freundin kurz. Sie lächelte ihr aufmunternd zu. 'Kopf hoch Kate… das legt sich wieder.' Kate lächelte spöttisch. 'Ja, wann nur? Bis die zwei erwachsen werden?? Da kannst du sicherlich noch 20 Jahre warten. Wir sehen uns morgen!'
Kate tat ihr leid. Mike war wie Anthony ein ziemlicher Grobian. Die Gefühlswelt hatte bei den Beiden etwa die Grösse eines Teelöffels. Wenn überhaupt…
Nachdenklich machte sich Hannah auf den Weg nach Hause. Doch dann überlegte sie es sich anders und bog Richtung Krankenhaus ab. Sie wollte Anthony wieder sehen! Sie hatte ihn mit Mike und Kate am Montag nach der Schule nochmals besuchen wollen, doch da war er gerade in einer Untersuchung.
Sie nahm den nächsten Bus, der sie direkt dahin fahren würde.
Dort angekommen, lief sie hinein und sah an den Empfangsschalter. Dort sass immer noch die Frau, auf die Hannah am Freitagabend panisch zu gerannt war um zu wissen wo sich Anthony befindet.
Ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen ging sie an der Dame vorbei zum Fahrstuhl.Als sie den Knopf drückte und wartete viel ihr eine junge Frau auf, die weinend auf einem Stuhl sass und unverständliche Dinge vor sich hinmurmelte.
Plötzlich setzte sich ein Mann zu ihr hinzu und nahm sie in den Arm. Da fing die Frau auf einmal fürchterlich an zu weinen. Von Krämpfen geschüttelt sackte sie in die Arme des Mannes, der mit bitterem Blick nun zu Hannah rüberschaute.
Sie sah rasch weg und schloss die Augen. Oh Gott die Arme Frau!
Sie war froh als der Fahrstuhl endlich ankam. Als sie jedoch einsteigen wollte, kam gleich der nächste kleine Schock. Ashley stieg aus.
Sie sahen sich kurz an und sie ging ohne sie zu grüssen mit kaltem Blick an ihr vorbei.Hannahs Herz wurde schwer. Was hatte sie wohl bei Anthony gemacht??
Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend ging sie in die Intensivstation. Hinter einem Pult, sass eine etwas ältere, rundliche aber viel freundlichere Frau.
'Hallo ich möchte gerne zu Anthony Smith.' Die Frau sah auf und lächelte.
'Guten Abend! Ja, das sind sie nicht die erste. Er muss wohl bei den Mädchen sehr beliebt sein! Vorhin war nämlich auch eine junge Dame hier!' Hannah lächelte kurz.
'Ja, ein richtiger Herzensbrecher.' Die Frau zwinkerte ihr lächelnd zu und zeigte ihr in welchem Zimmer er sich befand.
'Danke!' Sie ging zu einem Raum, der von Glas umgeben war und schon von aussen, sah sie Anthony der gelangweilt in den kleinen Fernseher schaute.
Sie trat in das kleine Zimmer hinein und schon wieder kam ihr dieses nervige piepende Geräusch entgegen. Er sah auf und als er Hannah sah lächelte er und stellte den Fernseher aus. 'Hey Kleines! Was machst du denn noch hier?' Er setzte sich ein wenig auf. Sie lächelte und setzte sich zu ihm. 'Ich wollte dich besuchen… Wie geht's dir?' er zuckte mit den Schultern.'Na ja… die Schwestern stopfen mich mit Medis voll. Ich liege den ganzen Tag im Bett… Schaue mir die behindertsten Shows an… mit den Schmerzen geht es eigentlich wieder ganz gut…' er fuhr sich über seinen Kopf und streckte sich kurz, musste aber gleich wieder aufhören. 'Oh… ah… schiesse… ach ja und strecken kann ich mich auch nicht.' Er sah Hannah an und liess sich wieder in die Kissen plumpsen.
'und bei dir alles in Ordnung?' sie schüttelte den Kopf. 'Nein… wir machen uns alle verdammte Sorgen um dich…' Er lächelte kurz und machte eine wegwerfende Handbewegung. 'Kommt schon wieder Han.' Sie sagte nichts sondern blickte auf den Boden.'War Ashley bei dir?' fragte sie so nebensächlich wie möglich und sah wieder hoch.Er nickte und sein Gesicht verdunkelte sich. 'Ja, aber ich hab ihr gesagte sie soll sich verpissen! Die Schlampe wollte es wieder gutmachen das sie am Wochenende nicht gekommen ist und mir einen runterholen. Aber es kommen sowieso die ganze Zeit Krankenschwestern rein.' Sie sah ihn ein wenig traurig aber auch wütend an.
'Ach und wenn keine hier wären, hätte sie dir zuerst einen runtergeholt und dann hättest du sie zum Teufel geschickt oder was?!' sie konnte nicht verhindern das ihre Stimme ein wenig lauter wurde. Er zuckte mit den Schultern. 'Ja… voll.' Wütend sprang sie auf und schnappte sich ihre Schultasche. 'Wieso tust du das?!' sie sah ihm direkt in die Augen. Er sah sie ein wenig verwirrt an. 'Was meinst du?' 'Du schickst sie weg…. Willst nichts mehr von ihr, aber gut genug um dir noch schnell einen zu Blasen, das ist sie!' Er runzelte die Stirn.
'Hannah was ist los mit dir?' Sie sah ihn traurig und etwas verletzt an.
'Gar nichts… ich- ich muss los. Gute Nacht.' Und ohne ihn noch einmal an zu schauen ging sie weg. Kate hatte Recht! Ging es ihr durch den Kopf. Bis er erwachsen wird, vergehen sicherlich noch 20 Jahre!
Unten angekommen, lehnte sie sich an sie Wand und versuchte wieder Mal vergebens ihre Tränen zu unterdrücken doch es funktionierte einfach nicht!
Sie sah sich um. Die Frau von vorhin die so schrecklich geweint hatte, war nicht mehr da.Sie setzte sich auf einen Stuhl und sah traurig zu Boden, während ihr die Tränen in den Schoss kullerten.
Zur gleichen Zeit, war ein Mädchen am Fahrstuhl und wartete darauf, dass sie einsteigen konnte. Armes Mädchen dachte sie bei sich und warf Hannah einen mitleidigen Blick zu.Sie würde nicht die einzige sein, die das dachte und Hannah war mit voller Sicherheit nicht die letzte die sich auf diesen Stuhl setzte und ihren Tränen freien Lauf lies.







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