Seitdem du mich verlassen hast...

Autor: _tiaragirl_ ©


Seitdem du mich verlassen hast,
Sehe ich Sachen, die ich noch nie zuvor gesehen habe.
Statt dem Aufreißer, sitzt auf der Bank die Benutzte,
Statt dem Ex-Freund, steht die verlassene Ex-Freundin vor mir
Statt auf den heißen Hauptdarsteller, achte ich auf die unscheinbare Nebendarstellerin
Statt dem Aussehen, sticht mir der Charakter einer Person ins Auge.
Statt auf den Mörder, fixiere ich mich auf die Eltern des Opfers.
Engel, die man ihrer Flügel beraubt hat.
Von ihnen wird nie berichtet.
Sie weinen Tränen, obwohl ihr Körper ausgetrocknet ist.
Sie erfahren den Schmerz, der dem Täter zu steht.
Aber wen interessiert das schon?

Seitdem du mich verlassen hast,
Höre ich Geräusche, die ich noch nie zuvor gehört habe.
Das Schreien des Schmerzens,
Das Grollen der Angst,
Das Rauschen der Ratlosigkeit,
Das Seufzen der Trauer,
Das Zischen der Schuld,
Und die Stille vor dem Schmerz.
Sie verfolgt mich bis an den Rand des Wahnsinn,
Ein Schritt noch und ich würde fallen,
allem entkommen,
Doch dann höre ich deine Stimme,
Dein Lachen,
Und ich kann mich einfach nicht fallen lassen.

Seitdem du mich verlassen hast,
Schmecke ich Geschmäcker, die ich noch nie zuvor geschmeckt habe.
Bitter läuft das Grauen meinen Rachen hinunter,
Während der Kummer sich auf meiner Zunge aalt.
Das Alleinsein, wechselt zwischen sauer und salzig,
Minderwertigkeit atme ich an Stelle von Luft ein,
Ungenießbar breitet sich die Enttäuschung in meinem Mund aus,
Und die Verzweiflung steckt in meinem Hals wie ein riesiger, kalter Fels
Ich möchte sie sprengen,
Doch ich kann nicht,
Denn der Sprengstoff bist du.

Seitdem du mich verlassen hast,
Rieche ich Gerüche, die ich noch nie zuvor gerochen habe.
Ich nehme eine süße Blume,
Doch einatmen tue ich nur ihre Verletzlichkeit.
Ich nehme ein Blatt
Doch eröffnet sich mir nur seine Hilflosigkeit.
Ich nehme das Parfüm der Liebe,
Doch bemerken tue ich nur das Unglück.
Ich nehme dein T-Shirt,
Doch wahrnehmen tue ich nur meine Einsamkeit.
Sie weht in meine Nase
Breitet sich in meinem Körper aus,
Ich versuche sie zu vertreiben
Aber wie soll ich alleine gegen die Einsamkeit ankommen?

Seitdem du mich verlassen hast,
Spüre ich Dinge, die ich noch nie zuvor gespürt habe.
Der todbringende Atem des Winters streift meinen Körper,
keine frische Sommerbrise.
Das Stechen von tausend Nadeln durchzieht meinen Bauch,
Kein wohliges Kribbeln.
Das Unbehagen krabbelt meinen Hals hinauf,
Kein Marinenkäfer.
Vernichtende Leere küsst meinen Nacken,
Nicht du.
Und das Wissen, dass du es nicht bist,
Ist noch vernichtender als die Leere.

Seitdem du mich verlassen hast,
Fühle ich Gefühle, die ich noch nie zuvor gefühlt habe.
Meiner Lunge fehlt die Luft zum Atmen;
Und doch ersticke ich nicht.
Meinem Körper fehlt die Kraft zum Leben;
Und doch sterbe ich nicht.
Meiner Seele fehlt der Wille zum Kämpfen;
Und doch gebe ich dich nicht auf.
Meinem Herzen fehlst du;
Und es bricht in zwei!
Jetzt liegen die Scherben verstreut in meiner Brust
Und drücken gegen meine Rippen.
Es tut so weh,
Doch kann ich nichts dagegen tun,
Denn du hast den Schlüssel zur Lösung!

Und seitdem du mich verlassen hasst,
Weiß ich Tatsachen, die ich noch nie zuvor wusste.
Eine einzige Träne kann salziger sein als ein ganzer Ozean.
Ein winziger Riss im Herzen kann schmerzvoller sein als tausend Messerstiche.
Gefühle können einen Menschen mehr verletzen als irgend ein andere Mensch dieser Welt.
Mit Herz und Seele bin ich dein!

Drum komm zurück und rette was dir gehört!



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