Deine Liebesgeschichte 282





Es war in der Grundschule. Wir waren damals 9 Jahre alt und gingen in die selbe Klasse. Irgendwann in der 3.Klasse wurden wir dann nebeneinander gesetzt. Vorher hatten wir eigentlich nicht viel miteinander zu tun, wie das nun mal so war in dem Alter. Da waren Freundschaften zwischen Jungen und Mädchen eher selten und von Altersgenossen meistens verhöhnt. Ab diesem Zeitpunkt lernten wir uns also eigentlich erst richtig kennen. Wir haben uns sehr gut verstanden, obwohl daraus nie wirklich Freundschaft wurde. In der Stunde haben wir immer gewetteifert, wer schneller mit einer Aufgabe fertig war (ER) und wer dann weniger Fehler gemacht hatte (ICH). Solche und andere kleine freundschaftliche Neckereien standen an der Tagesordnung. In den Pausen habe ich ihm und einigen anderen oft zugesehen, wie sie mit Autokarten gespielt haben, oder wie er aus Stiften und Heften für sein Fingerskateboard Schanzen gebaut hat. Der Tag fing für mich gut an, wenn ich ihn am Morgen ins Klassenzimmer kommen sah. Ich hatte ihn sehr gern und irgendwann stellte ich mir die Frage: ist das Liebe? Für mich lautete die Antwort ja, auch wenn alle, die davon wussten das nicht glauben konnten und wollten. Es folgten noch viele lustige und schöne Ereignisse und die Zeit verging. Die 4.Klasse ging dem Ende entgegen. Meine Eltern beschlossen umzuziehen, zwar nicht sehr weit weg (ca. 20min Autofahrt von meinem alten Wohnort entfernt), aber da wir dann auch auf verschiedene Schulen gehen würden, wurde mir klar, dass ich ihn wahrscheinlich lange Zeit nicht oder gar nicht wiedersehen würde. Am letzten Tag ging es mir ziemlich schlecht, aber ich gab mir Mühe, dass niemand etwas bemerkte. Ich wollte keine Fragen beantworten. Sie würden es eh nicht verstehen. Wir nahmen unsere Zeugnisse in Empfang, sangen das Abschiedslied, wie das an unserer Schule Brauch war und gingen unserer Wege...

Das ist jetzt fünf Jahre her. Ich denke immernoch jeden Tag an ihn. Ich frage mich, was ich hätte anders machen können, um den Kontakt zu ihm nicht zu verlieren. Diesen Sommer, nach fünf Jahren, habe ich mich entschieden in den Ort zu fahren und zu sehen, wen ich dort noch antreffe. Besonders nach einem habe ich Ausschau gehalten. Ich habe ihn nicht gefunden. Wieviel Jahre müssen noch vergehen???

Jetzt stellt sich die Frage, was daran so schwer ist, im Technikzeitalter Kontakt zu ihm aufzuneh-men. Ich weiß, dass er mich nicht geliebt hat und das ihm nach all der Zeit wahrscheinlich nicht sonderlich viel an einem Wiedersehen liegt. Wie gesagt, wir waren nie richtig Freunde. Ich weiß ja nicht einmal ob er sich sehr verändert hat und ob ich ihn immernoch lieben würde so wie er heute ist. Zum einen möchte ich das herausfinden, zum anderen habe ich wahnsinnige Angst vor der Antwort, egal wie sie ausfallen würde. Es ist wie eine unsichtbare Grenze, die mich von ihm trennt. Er lebt in seiner Welt, er hat seine Freunde, seine Hobbies, seine Schule, seinen Glauben. Nichts davon teile ich mit ihm. Und trotzdem glaube ich kaum, dass ich noch einmal einen Menschen wie ihn finde.






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